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Deutsche fliegen hinterher

11.08.2025 - 12:00:14

BERLIN/FRANKFURT - Trotz einer Steigerung der Passagierzahlen im ersten Halbjahr sieht sich die deutsche Luftverkehrswirtschaft weiterhin in der Krise.

(neu: Aussagen zu Ticketpreisen)

BERLIN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz einer Steigerung der Passagierzahlen im ersten Halbjahr sieht sich die deutsche Luftverkehrswirtschaft weiterhin in der Krise. Die Zunahme der GÀstezahl um 2,8 Prozent auf 99,4 Millionen Menschen bedeute gleichzeitig, dass zum Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019 noch immer 15,8 Prozent fehlten, erklÀrt der Branchenverband BDL. In der ersten HÀlfte des Vorjahres war die Passagierzahl noch um 10 Prozent gestiegen.

Im europĂ€ischen Vergleich fliegen die Deutschen hinterher, urteilt BDL-PrĂ€sident und Eurowings-Chef Jens Bischof. Er sieht vor allem die hohen staatlichen Steuern und GebĂŒhren als Grund fĂŒr die anhaltende Flaute: "Die Folgen sehen wir an nahezu jedem Flughafen in Deutschland: Airlines ziehen ihre Flugzeuge ab und setzen sie in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern mit entsprechend wettbewerbsfĂ€higen Kosten ein."

Ticketpreise können nicht unendlich steigen

Das geringere Angebot mĂŒssten auch die Passagiere mit höheren Ticketpreisen bezahlen, erklĂ€rt Bischof. Es sei fĂŒr die Fluggesellschaften nur zu einem Teil möglich, die drastisch gestiegenen GebĂŒhren und Steuern an ihre Kunden weiterzureichen: "Die Zahlungsbereitschaft ist nicht unendlich."

Jedes dritte Flugzeug abgezogen

Nach Verbandsberechnungen haben Direktfluggesellschaften wie Ryanair IE00BYTBXV33 oder Easyjet GB00B7KR2P84 seit 2019 fast jeden dritten vormals in Deutschland stationierten Jet ins Ausland verlagert. Von 190 Jets seien noch 130 geblieben. Damit gehe nicht nur internationale Anbindung verloren, es entstehe auch ein Milliardenschaden fĂŒr die Volkswirtschaft. Jedes Mittelstreckenflugzeug sichere rund 170 ArbeitsplĂ€tze und trage rund 70 Millionen Euro Wertschöpfung zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Bei einer typischen Europa-Verbindung mĂŒssten die staatlichen Belastungen von rund 35 Euro pro Passagier um die HĂ€lfte sinken, sagt Bischof. Die von der Bundesregierung fĂŒr 2026 bereits abgesagte Senkung der Luftverkehrssteuer wĂ€re zumindest ein erstes Signal an die Fluggesellschaften gewesen.

Keine Aufholjagd im Winter

Dem Verband zufolge holt der deutsche Luftverkehr auch in den kommenden Monaten kaum auf. Besonders stark ist der RĂŒckstand bei InlandsflĂŒgen, die im Halbjahr nicht einmal die HĂ€lfte (49 Prozent) des Vorkrisenangebots erreicht haben. Im Winterflugplan ab Ende Oktober wachse das Gesamtangebot von den deutschen FlughĂ€fen um 8 Punkte auf rund 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. In den ĂŒbrigen europĂ€ischen LĂ€ndern gehe es um 7 Punkte auf 116 Prozent hoch.

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