Krankmeldungen im Einzelhandel auf höchstem Stand seit 2003
18.12.2025 - 17:52:05Der Krankenstand stieg im vergangenen Jahr demnach auf 7,14 Prozent - den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung 2003. Damit waren tÀglich mehr als 7 von 100 Angestellten im Einzelhandel arbeitsunfÀhig. 2015 lag die Quote nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherung noch bei 5,28 Prozent.
FĂŒr die Untersuchung wurden die Daten von ĂŒber 100.000 im Einzelhandel beschĂ€ftigten Versicherten ausgewertet. Die Gesundheitskasse betreut nach eigenen Angaben rund drei Millionen Versicherte.
Besonders auffÀllig ist laut AOK der starke Anstieg der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. 2024 war jede beziehungsweise jeder BeschÀftigte im Schnitt 5,7 Tage wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfÀhig. Vor zehn Jahren lag der Wert noch bei 3,9 Tagen. Die Zahl der Fehltage ist seitdem um fast 50 Prozent gestiegen.
Handelsverband fĂŒr Abschaffung telefonischer Krankschreibung
Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Instituts fĂŒr Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg, Merit Kirch, nennt mehrere GrĂŒnde. "Dazu zĂ€hlen eine hohe psychische Belastung durch den intensiven Kundenkontakt, die angespannte Personalsituation, Sorgen um den Arbeitsplatz sowie zunehmender Kostendruck und der wachsende Wettbewerb durch den Onlinehandel."
Der stationÀre Einzelhandel hat seit lÀngerem mit Schwierigkeiten zu kÀmpfen. Zwischen August 2024 und August 2025 registrierte der Kreditversicherer Allianz Trade 2.490 Insolvenzen - so viele wie seit Jahren nicht mehr.
Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth, sagte: Der hohe Krankenstand belaste die Unternehmen in schwierigen Zeiten zusĂ€tzlich und schwĂ€che die WettbewerbsfĂ€higkeit der Branche. Eine Ursache dafĂŒr sieht er in der telefonischen Krankschreibung. Der Verband fordert, diese wieder abzuschaffen. Nach zwei Jahren könne man genau sehen, ob es zu einem RĂŒckgang der Krankschreibungen gekommen sei, so Genth.
Die Möglichkeit, sich per Telefon krankschreiben zu lassen, war in der Corona-Pandemie eingefĂŒhrt worden. Ende 2023 trat eine dauerhafte Regelung in Kraft.
In anderen Branchen ist der Krankenstand höher
Der Krankenstand im Einzelhandel lag der Analyse zufolge 2024 allerdings weiterhin leicht unter dem branchenĂŒbergreifenden Durchschnitt von 7,18 Prozent. Ein möglicher Grund: Die BeschĂ€ftigten im Einzelhandel sind mit 37,7 Jahren im Durchschnitt deutlich jĂŒnger als in anderen Branchen (41 Jahre).
In anderen Bereichen sind die KrankenstÀnde höher. In der Pflege lag die Quote 2024 bei 9,36 Prozent, in der Metallerzeugung bei 9,33 Prozent und in der öffentlichen Verwaltung bei 8,70 Prozent. Deutlich niedriger ist der Anteil unter anderem in der Branche Finanzen/Versicherungen (5 Prozent) und im Gastgewerbe (4,84 Prozent).

