Bio-Brandschutz, Beschichtung

Bio-Brandschutz: Neue Beschichtung schützt Stahl und E-Auto-Batterien

28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.de

Eine neuartige, biobasierte Brandschutzbeschichtung bietet effektiven Schutz für Stahlkonstruktionen und kann thermisches Durchgehen in Lithium-Ionen-Batterien verlangsamen. Sie markiert einen wichtigen Schritt weg von PFAS.

Bio-Brandschutz: Neue Beschichtung schützt Stahl und E-Auto-Batterien - Foto: über boerse-global.de
Bio-Brandschutz: Neue Beschichtung schützt Stahl und E-Auto-Batterien - Foto: über boerse-global.de

Forscher und Chemieunternehmen präsentieren eine bahnbrechende, biobasierte Brandschutzbeschichtung. Sie schützt gleichzeitig Stahlkonstruktionen und kann thermisches Durchgehen in Lithium-Ionen-Batterien verzögern. Diese Innovation markiert einen wichtigen Schritt weg von umstrittenen PFAS und halogenierten Flammschutzmitteln.

Der Markt für PFAS-freien Brandschutz in der Elektromobilität wird aktuell auf rund 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Die Integration nachhaltiger Materialien in Hochleistungsanwendungen ist längst keine Nische mehr, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Strengere Umweltstandards in Europa und Nordamerika treiben die Entwicklung voran.

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Vom Acker auf den Stahlträger: So funktioniert die Bio-Beschichtung

Die neue Beschichtung setzt nicht auf petrochemische, sondern auf biomassebasierte Polymere. Diese spezielle Matrix vereint mehrere Funktionen: Sie hemmt nicht nur Flammen, sondern unterdrückt auch Rauch, ist verschleißfest und wasserabweisend. Damit löst sie ein Hauptproblem früherer Öko-Beschichtungen: ihre Anfälligkeit für Feuchtigkeit und mechanischen Stress.

Im Brandfall reagiert das Material blitzschnell. Es schwillt an – Fachleute sprechen von Intumeszenz – und bildet eine stabile, verkohlte Schutzschicht. Diese Schicht wirkt wie ein Hitzeschild und reduziert die Wärmeabgabe des darunterliegenden Materials drastisch. Labortests zeigen eine Verringerung der maximalen Wärmefreisetzungsrate um 89,9 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Beschichtungen.

Der Clou: Das bio-basierte System reagiert bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen. So bildet sich der Schutzschild, bevor das zu schützende Material – ob Stahl oder Batterie – seine strukturelle Integrität verliert. Ein entscheidender Vorteil, wo sich Feuer schnell ausbreiten kann.

Dünn, effektiv, grün: Revolution für Stahlbau und Architektur

Für die Bauindustrie sind die Implikationen enorm. Baustahl verliert ab etwa 500 Grad Celsius seine Tragfähigkeit. Herkömmlicher Brandschutz ist oft dick, schwer und schränkt Gestaltungsspielräume ein.

Die neue Lösung ändert das. In Tests hielt eine nur 1,5 Millimeter dünne Schicht auf einer Stahlplatte einer 1100 Grad heißen Butan-Flamme stand. Die Rückseite des Stahls erwärmte sich in 20 Minuten nicht über 150 Grad – weit unter der kritischen Schwelle. Das verschafft im Ernstfall lebenswichtige Minuten für Evakuierung und Löscharbeiten.

Architekten schätzen den dünnen Auftrag, der die Ästhetik von Gebäuden erhält und trotzdem strenge Normen wie EN 13381-8 erfüllt. Da die Beschichtung wasserbasiert und arm an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) ist, passt sie perfekt zu Nachhaltigkeitszertifikaten für Gebäude. Ihre einfache Verarbeitung wie Standard-Industriefarbe könnte zudem Kosten und Bauzeiten senken.

Der Game-Changer für E-Autos: Verzögerter Batterie-Brand

Die vielleicht dringlichste Anwendung liegt in der Elektromobilität und Energiespeicherung. Lithium-Ionen-Batterien sind anfällig für thermisches Durchgehen – eine unkontrollierte Kettenreaktion, die zu Feuer oder Explosion führen kann.

Die Beschichtung hemmt den Wärmetransport zwischen einzelnen Batteriezellen effektiv. In Sicherheitssimulationen blieb die Temperatur auf der Rückseite von Batteriegehäusen unter 88,2 Grad Celsius, obwohl die Oberfläche extremer Hitze ausgesetzt war. Mit einer langsamen Oberflächenerwärmung von nur 0,072 Grad pro Sekunde verzögert sie die Ausbreitung des thermischen Durchgehens von Zelle zu Zelle.

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Das ist eine strategische Wende: Statt sich nur auf die Batteriechemie zu verlassen, setzen Hersteller vermehrt auf passive Brandschutzsysteme (PFP) für den Worst Case. Die Beschichtung leitet Flammen von der Fahrgastzelle weg und verlangsamt die Hitzeverbreitung – ein entscheidender Sicherheitsgewinn für Insassen. Eine Entwicklung, die mit steigender Batterie-Energiedichte immer wichtiger wird.

Regulatorischer Rückenwind und wachsender Markt

Der Start der nachhaltigen Beschichtungen fällt in eine Phase tiefgreifender regulatorischer Veränderungen. Seit dem 1. Januar 2026 schreiben neue EU-Vorgaben eine detailliertere Berichterstattung über Sicherheit und Umweltauswirkungen von E-Auto-Batterien vor. Gleichzeitig beschleunigen die US-Umweltbehörde EPA und europäische Agenturen den Ausstieg aus PFAS.

Der globale Push für PFAS-freien Brandschutz treibt das Marktwachstum in diesem Sektor mit über 17 Prozent pro Jahr voran. Große Player wie PPG, Hempel und Jotun haben ihr Portfolio bereits um Hochleistungs-Intumeszenzlösungen erweitert. Auch das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) betonte kürzlich auf der InterBattery-Konferenz in Seoul: Die nächste Batterie-Generation hängt ebenso sehr von den Materialien um die Zellen ab wie von der Chemie in ihnen.

Die Zukunft: Sicherheit und Nachhaltigkeit verschmelzen

Der Trend zu bio-basiertem Brandschutz ist Teil der industriellen Dekarbonisierung. Er ersetzt halogenierte Flammschutzmittel, die bei Verbrennung giftige Gase freisetzen, durch Materialien auf Basis von Lignin, Stärke oder Sojaöl.

Die aktuelle Herausforderung liegt in der Hochskalierung der Produktion, um die globale Nachfrage von Auto- und Bauindustrie zu bedienen. Die Lieferketten für Bio-Rohstoffe müssen noch optimiert werden. Doch die Wirtschaftlichkeit kippt: Steigende CO2-Preise und Entsorgungsgebühren für Gefahrstoffe machen nachhaltige Lösungen immer attraktiver.

Auf der Fachkonferenz "Frontiers in Fire Protective Coatings" Mitte April in Kopenhagen wird die nächste Phase eingeläutet. Themen sind die Digitalisierung von Zertifizierungsprozessen und die Integration in smarte Überwachungssysteme. Analysten sagen voraus: Bis zum Ende des Jahrzehnts werden bio-basierte Intumeszenzmaterialien zum Standard für alle neuen Großprojekte in Infrastruktur und Transport werden.

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