Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Verpuffte Drohung
28.05.2025 - 15:38:14 | dpa.deZoll-Androhung von Donald Trump verlor schnell ihren Schrecken.
28. Mai 2025. Er hat es wieder getan: Am vergangenen Freitag kĂŒndigte US-PrĂ€sident Donald Trump an, ab dem 1. Juni Zölle auf Importe aus der EU in Höhe von 50 Prozent zu erheben, um kurz nach Sonntag-Mitternacht (MESZ) dieselben bis zum 9. Juli wieder auszusetzen. Eine Strategie, die der US-PrĂ€sident auch bei anderen Zoll-Verhandlungen schon gefahren hat. Stark verkĂŒrzt wird sich der ein oder andere Börsianer gesagt haben, da ruft Trump "Zoll", und dann kommt erst wieder mal nichts. Was einen unvermittelt an die Aesop?sche Fabel denken lĂ€sst, in der ein Hirtenjunge immer wieder vor dem Wolf warnt, bis ihm irgendwann niemand mehr Glauben schenkt. Und da taucht der Wolf dann plötzlich doch auf.
?"hnlich gelassen auf die Zoll-Androhung Trumps haben die hiesigen Börsianer beim DAX reagiert. Es gab zwar zunĂ€chst einen schnellen RĂŒcksetzer von rund 3,5 Prozent, aber die HĂ€lfte des Verlustes konnte bereits bis zum Börsenschluss am vergangenen Freitag wieder wettgemacht werden. Und per heute zeitigt das Börsenbarometer sogar seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung zum siebten Mal in Folge ein Plus, dieses Mal geht es um 1,8 Prozent. ZuzĂŒglich zweier neuer Allzeithochs.
Polarisierung nimmt zu
Nun scheinen vor allen Dingen die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont aus dem RĂŒcksetzer des DAX in der vergangenen Woche Kapital geschlagen zu haben. Zumindest hat sich unser Börse Frankfurt Sentiment-Index gegenĂŒber der Vorwoche um 9 Punkte auf einen neuen Stand von +2 befestigt. Allerdings haben unter dem Strich nur einige BĂ€ren aus der Vorwoche (insgesamt weniger als ein Drittel der Pessimisten) ihre zwischenzeitlichen Gewinne realisiert.
Stattdessen speist sich der Zuwachs im Bullenlager von 7 Prozentpunkten zu mehr als zwei Dritteln von vormals neutral eingestellten Akteuren. Im gleichen Zuge steht der Börse Frankfurt Sentiment-Index fast auf dem Niveau von vor zwei Wochen, allerdings mit einem deutlich reduzierten Anteil neutral eingestellter Akteure - diese Gruppe ist seither um 12 Prozentpunkte gefallen. Mit anderen Worten: Die Polarisierung zwischen Bullen und BĂ€ren ist wĂ€hrend der vergangenen 14 Tage (mit einem leichten Vorteil fĂŒr die Bullen) gestiegen.
Bei den Privatanlegern lĂ€sst sich eine leichte Tendenz in die andere Richtung feststellen, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel ist um 4 Punkte auf einen neuen Stand von +15 gefallen - es handelt sich dabei immerhin um den dritten Index-RĂŒckgang in Folge. Unter dem Strich haben 2 Prozent aller Bullen ihre Meinung direkt um 180
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gedreht und befinden sich nun im BĂ€renlager. Diese Tendenz finden wir sowohl bei den Anlegenden, die wir ĂŒber Social Media befragt haben, als auch bei den ĂŒbrigen Privatanlegern; bei Ersteren war die Wanderung etwas deutlicher.
Ein Niveau, zwei Meinungen
Per Saldo hat sich die Stimmungsdifferenz zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren gegenĂŒber der Vorwoche verringert. Dabei fĂ€llt auf, dass die Pessimisten der Vorwoche bei den institutionellen Investoren trotz des zwischenzeitlichen DAX-RĂŒckgangs um rund 3 Prozent nur zögerlich bereit waren, ihre Positionen glattzustellen. Im Gegensatz zu den neuen Optimisten, fĂŒr die der Einstandspreis offensichtlich attraktiv genug war, um sie zum Einstieg zu motivieren. Es ist ihr Angebot, das nun an der Oberseite, vermutlich im Bereich von 24.400/450 DAX-ZĂ€hlern, stĂ€rker in Erscheinung tritt und auf dem Weg nach oben zumindest eine gewisse Zeit lang fĂŒr Widerstand sorgen könnte. Auch wenn sich damit die Situation des DAX gegenĂŒber der Vorwoche geringfĂŒgig verschlechtert haben dĂŒrfte, profitiert das Börsenbarometer wahrscheinlich immer noch von langfristigen Kapitalströmen in Richtung Eurozone. Angebot heimischer Investoren spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.
von Joachim Goldberg
28. Mai 2025, © Goldberg & Goldberg fĂŒr boerse-frankfurt.de
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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