ROUNDUP, Italien

Italien darf Nord-Stream-VerdÀchtigen ausliefern

16.09.2025 - 13:13:30 | dpa.de

BOLOGNA - Drei Jahre nach den AnschlĂ€gen auf die Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee kann einer der mutmaßlichen Drahtzieher aus Italien nach Deutschland ausgeliefert werden.

(neu: mit BegrĂŒndung des Gerichts, Reaktion des Anwalts)

BOLOGNA (dpa-AFX) - Drei Jahre nach den AnschlĂ€gen auf die Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee kann einer der mutmaßlichen Drahtzieher aus Italien nach Deutschland ausgeliefert werden. Ein Gericht in Bologna gab grĂŒnes Licht fĂŒr die Überstellung des 49 Jahre alten Ukrainer Serhij K. an die deutschen Behörden. Damit kommt der Mann, der Ende August wĂ€hrend eines Familienurlaubs an der italienischen AdriakĂŒste festgenommen worden war, vermutlich noch in diesem Monat in ein deutsches GefĂ€ngnis.

FĂŒr die Entscheidung ĂŒber eine Auslieferung war ein Berufungsgericht in der norditalienischen Stadt Bologna zustĂ€ndig. Aus dessen Sicht gibt es keinerlei GrĂŒnde, die gegen eine Auslieferung nach Deutschland sprechen. Der Anwalt des Ukrainers, Nicola Canestrini, kĂŒndigte an, den Fall vor Italiens oberstes Gericht zu bringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kassationshof in Rom die Auslieferung noch stoppt, wird jedoch als sehr gering eingeschĂ€tzt. Die EU-Partner Deutschland und Italien arbeiten auch in der Justiz eng zusammen.

Bundesanwaltschaft spricht von verfassungsfeindlicher Sabotage

Die Bundesanwaltschaft legt K. zur Last, eine Gruppe koordiniert zu haben, die im September 2022 nahe der Ostseeinsel Bornholm SprengsĂ€tze an den aus Russland kommenden Pipelines Nord Stream 1 und 2 platzierte. Sie wirft ihm gemeinschaftliches HerbeifĂŒhren einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. Falls es zum Prozess kommt, wĂŒrde dieser wahrscheinlich in Hamburg stattfinden. Dorthin könnte K. auch aus Italien ins GefĂ€ngnis gebracht werden. Weitere Festnahmen gab es bislang nicht.

Der Ukrainer wurde Ende vergangenen Monats in einer kleinen Gemeinde im Hinterland des beliebten Adria-Badeortes Rimini gefasst, wo er mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern die Ferien verbrachte. Offenbar rechnete er nicht damit, dass ein internationaler Haftbefehl vollstreckt wird.

Ukrainer bestreitet alle VorwĂŒrfe

Nach Medienberichten soll der Mann ein ehemaliger Agent des ukrainischen Geheimdienstes SBU sein und sich auch zuvor schon hÀufiger im europÀischen Ausland aufgehalten haben.

K. bestreitet alle VorwĂŒrfe. Er behauptet, in der Zeit der AnschlĂ€ge auf die Pipelines in der Ukraine gewesen zu sein. Sein italienischer Anwalt legte gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts Beschwerde sein. Canestrini sagte der dpa: "Grundrechte wie der Anspruch auf ein faires Verfahren und korrekte Haftbedingungen dĂŒrfen nicht im Namen automatischer Zusammenarbeit zwischen den Justizsystemen geopfert werden."

Russland hatte Gaslieferungen zuvor schon eingestellt

Auch die Regierung in Kiew bestreitet, hinter den AnschlÀgen zu stecken. Die Ukraine wehrt sich schon seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen einen Angriffskrieg aus Russland. Der Anschlag im Herbst 2022, ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn, hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Mehrere Sprengungen beschÀdigten die beiden Pipelines so sehr, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. An drei der insgesamt vier Leitungen wurden Lecks entdeckt.

Allerdings war zuvor schon kein Gas mehr durch die Leitungen geflossen. Nach Kriegsbeginn hatte Russland seine Lieferungen zunĂ€chst gedrosselt und dann Anfang September völlig eingestellt - angeblich wegen technischer Probleme. Vermutet wird, dass Moskau damit den Druck auf den Westen und insbesondere Deutschland erhöhen wollte, erlassene Sanktionen gegen Russland zurĂŒckzunehmen. Inzwischen sind viele weitere Strafmaßnahmen hinzugekommen.

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