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DHL blickt wegen geopolitischer Unsicherheit zurĂŒckhaltend auf 2026

05.03.2026 - 12:32:11 | dpa.de

BONN - Die DHL Group DE0005552004 muss auch im laufenden Jahr auf eine Erholung der Weltwirtschaft hoffen.

(neu: weitere Analystenstimmen, Kursreaktion aktualisiert, Aussagen des Managements zu Iran-Krieg)

BONN (dpa-AFX) - Die DHL Group DE0005552004 muss auch im laufenden Jahr auf eine Erholung der Weltwirtschaft hoffen. Es gebe vor allem in der Geopolitik sehr viele Variablen und Unsicherheiten, sagte Konzernchef Tobias Meyer am Donnerstag laut Mitteilung. In der Prognose sei keine Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfelds einkalkuliert. Unter dieser Voraussetzung erwarten die Bonner vor Zinsen und Steuern (Ebit) ĂŒber 6,2 Milliarden Euro und damit im schlechtesten Fall nur ein kleines Plus im Vergleich zu 2025. Die vom Unternehmen befragten Analysten hatten im Schnitt knapp 6,4 Milliarden erwartet. Das kam an der Börse nicht gut an.

Die im Dax DE0008469008 notierte Aktie verlor zeitweise ĂŒber 6 Prozent und fiel auf das tiefste Niveau seit Dezember. Zuletzt notierte sie mit 46,75 Euro noch knapp 3 Prozent im Minus. DHL sei beim Ausblick nicht so aggressiv gewesen wie erhofft, notierte Jefferies-Experte Michael Aspinall.

UBS-Kollege Cristian Nedelcu nannte die Prognose "enttĂ€uschend", angesichts der Kursentwicklung seit November. In den vergangenen vier Monaten hat die DHL-Aktie bis Mittwochabend fast ein Viertel zugelegt. Andy Chu von der Deutschen Bank stellte derweil die Überlegung an, dass die DHL wegen der geopolitischen Unsicherheit womöglich eine eher konservative Prognose ausgegeben habe.

Positiv wurde in Analystenstudien angemerkt, dass die DHL 2025 mit 600 Millionen Euro mehr gespart hat, als in Aussicht gestellt war. Dies bedeute aber auch, dass fĂŒr 2026 weniger Potenzial bleibe, merkte Barclays-Experte Marco Limite an.

"Insgesamt sehe ich uns fĂŒr 2026 sehr gut aufgestellt", sagte Meyer, dessen Vertrag die DHL am Vortag bis MĂ€rz 2031 verlĂ€ngert hatte. Der Manager war im Mai 2023 an die Konzernspitze gerĂŒckt.

Im vergangenen Jahr stieg der operative Gewinn um 3,7 Prozent auf gut 6,1 Milliarden Euro und fiel damit leicht besser aus als von Experten erwartet. Dabei ĂŒberraschte das lukrative Express-GeschĂ€ft mit zeitkritischen Sendungen positiv, wĂ€hrend die See- und Luftfracht enttĂ€uschte. Hier bekam die DHL die niedrigen Preise fĂŒr Frachttransporte zu spĂŒren, sowie bei den ĂŒber Land transportierten Containern die schwache Konjunktur.

Meyer verwies darauf, dass der GeschÀftsbereich heute "deutlich profitabler" sei als vor der Pandemie und das GeschÀftsmodell durch den geringen Kapitaleinsatz sehr attraktiv. "Jetzt liegt der Fokus darauf, Marktanteile zu gewinnen und die FÀhigkeiten auch in Spezialsegmenten weiter zu verbessern", sagte Meyer. "Das bringt dann auch die Wende beim Ergebniswachstum."

Auch die Ergebnisse im deutschen Brief- und PaketgeschÀft verfehlten leicht die Erwartungen. Im internationalen PaketgeschÀft lagen sie derweil ebenso im Rahmen wie bei der Lieferkettenlogistik, in der die DHL ihren Kunden verschiedene Dienstleistungen anbietet, etwa den Betrieb von Lagern und die Abwicklung von Versandretouren.

Der an der Börse viel beachtete freie Barmittelzufluss exklusive Zu- und VerkĂ€ufen von Unternehmensteilen fiel 2025 mit einem Anstieg auf 3,2 Milliarden Euro ebenfalls höher aus als geschĂ€tzt. FĂŒr 2026 hatten Analysten hingegen mehr auf dem Zettel, als die vom DHL-Management erwarteten rund 3 Milliarden Euro.

Unterm Strich entfielen auf die AktionĂ€re 2025 mit 3,5 Milliarden Euro gut fĂŒnf Prozent mehr Gewinn als ein Jahr zuvor. Die Dividende soll um fĂŒnf Cent auf 1,90 Euro je Aktie steigen.

Die Bonner hĂ€tten das Jahr 2025 im schwierigen Umfeld solide abgeschlossen, schrieb JPMorgan-Expertin Alexia Dogani. Der starke Barmittelzufluss zeuge von geeigneten Maßnahmen zur Kostenkontrolle.

Abseits des Zahlenwerks drehte sich der Austausch mit dem Management vor allem um die Situation im Nahen Osten. Der Konzern hat zwar im Iran quasi kein GeschÀft, ist jedoch insbesondere in den Golfstaaten umso stÀrker vertreten.

DHL-Chef Meyer betonte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass das operative GeschĂ€ft in der Region bislang ĂŒberwiegend routiniert weitergehe. Die Situation Ă€ndere sich aber teilweise stĂŒndlich, berichtete Meyer. Auf dem Landweg bringt die DHL momentan viele Waren zu den FlughĂ€fen, von oder zu denen Frachtflugzeuge fliegen können. Eine flĂ€chendeckende Umladung von Luft- auf Seefracht gebe es hingegen bislang nicht, sagte Meyer. In einzelnen LĂ€nder seien Notfall-ZuschlĂ€ge eingefĂŒhrt worden, um kurzfristig entstandene Zusatzkosten an die Kunden weitergeben zu können.

Meyer stellte in diesem Zusammenhang in Aussicht, dass mögliche Verwerfungen sich auch positiv auf die DHL-GeschĂ€fte auswirken könnten, insbesondere wenn die EinschrĂ€nkungen im Handelsverkehr lĂ€nger anhielten. Noch sei es aber zu frĂŒh fĂŒr eine abschließende Bewertung.

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