Nato startet Arktis-Einsatz
11.02.2026 - 17:42:35(neu: mehr Details und Hintergrund)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die Nato erhöht ihre MilitĂ€rprĂ€senz in der Arktis, um den von US-PrĂ€sident Donald Trump angezettelten Grönland-Konflikts weiter zu entschĂ€rfen. Wie Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich ankĂŒndigte, hat die Allianz dazu ihren Einsatz namens "Arctic Sentry" (deutsch etwa: WĂ€chter der Arktis) gestartet. Verbessert werden soll demnach die Ăberwachung der riesigen Eisinsel und die Abschreckung der GroĂmĂ€chte Russland und China. Ziel sei die Absicherung eines der strategisch bedeutendsten und zugleich klimatisch herausforderndsten Gebiete, erklĂ€rte der US-General.
Deutschland wird sich nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius im ersten Schritt mit vier Kampfjets vom Typ Eurofighter an dem neuen Nato-Einsatz beteiligen. Zudem sollten KapazitĂ€ten zur Luftbetankung zur VerfĂŒgung gestellt werden, sagte der SPD-Politiker am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens in BrĂŒssel. Dies könnten etwa Flugzeuge vom Typ A400M sein.
Die Arktis und der hohe Norden spielten fĂŒr die Sicherheit Europas und Nordamerikas eine Rolle, sagte Pistorius. Vor allem die sogenannte Giuk-LĂŒcke zwischen Grönland, Island und GroĂbritannien habe eine zentrale Bedeutung fĂŒr die Schifffahrtswege in den Nordatlantik und darĂŒber hinaus - auch fĂŒr russische U-Boote.
Trump wollte Verkauf der Eisinsel erzwingen
Die verstĂ€rkte BĂŒndnisprĂ€senz im hohen Norden war von Alliierten wie GroĂbritannien angeregt worden, um den Streit um Grönland zu entschĂ€rfen. In diesem hatte US-PrĂ€sident Donald Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Insel an sein Land erzwingen wollen. Sein Vorgehen begrĂŒndete er mit der Behauptung, dass das zu DĂ€nemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei. Grönland ist zu vier FĂŒnfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groĂ wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.
Zuletzt teilte Trump dann nach einem Treffen mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen fĂŒr eine zukĂŒnftige Vereinbarung ĂŒber Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser sieht unter anderem vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewĂ€hrleisten, insbesondere durch das der sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, DĂ€nemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Angaben aus Nato-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre MilitĂ€rprĂ€senz auf Grönland ausweiten dĂŒrfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht ĂŒber bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Arktisinsel bekommen.
Ein Tor zum Nordatlantik
In der Nato wird dabei betont, dass der hohe Norden ein Tor zum Nordatlantik darstelle und wichtige Handels-, Transport- und Kommunikationsverbindungen zwischen Nordamerika und Europa beherberge, die geschĂŒtzt werden mĂŒssten. Der Kreml betrachte die Arktis als zentral fĂŒr seine GroĂmachtambitionen und zeige keine Anzeichen, seine militĂ€rischen und wirtschaftlichen Ambitionen dort zurĂŒckzufahren, heiĂt es in BĂŒndniskreisen. Im Gegenteil habe Russland seine militĂ€rischen AktivitĂ€ten dort sogar deutlich verstĂ€rkt, ein neues Arktis-Kommando eingerichtet sowie ehemalige sowjetische MilitĂ€rstandorte in der Arktis wieder in Betrieb genommen - darunter Flugfelder und TiefwasserhĂ€fen.
Auch Chinas wachsendes Interesse am hohen Norden sei besorgniserregend, da Peking versuche, Zugang zu Energie, kritischen Rohstoffen und zu See- und Kommunikationslinien zu erhalten.
GroĂbritannien kĂŒndigte am Mittwoch an, die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten innerhalb von drei Jahren von aktuell rund 1.000 auf 2.000 verdoppeln zu wollen. Dies soll auch zur Abschreckung in der Region beitragen. "Die Anforderung an die Verteidigung steigen und Russland stellt die gröĂte Bedrohung der Arktis und des hohen Nordens dar, die wir seit dem Kalten Krieg gesehen haben", erklĂ€rte Verteidigungsminister John Healey.
Abschreckung gegen Russland und China
Einen Ă€hnlichen Einsatz wie "Arctic Sentry" hatte die Nato zuletzt im vergangenen September unter dem Eindruck von Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Kamikaze-Drohnen gestartet. Er heiĂt "Eastern Sentry" (deutsch etwa: WĂ€chter des Ostens) und fĂŒhrte insbesondere zu einer Mobilisierung von zusĂ€tzlichen Ăberwachungs- und FlugabwehrkapazitĂ€ten. Deutschland stationierte Kampfjets vom Typ Eurofighter auf dem polnischen MilitĂ€rflugplatz Malbork.
"Arctic Sentry" soll vom operativen Hauptquartier Norfolk im US-Bundesstaat Virginia gefĂŒhrt werden. Dieses ist unter anderem fĂŒr den Atlantik, die Arktis, Grönland, Island, Norwegen und GroĂbritannien sowie seit Kurzem auch DĂ€nemark, Schweden und Finnland zustĂ€ndig.
FĂŒr die Nato ist der Grönland-Konflikt seit Monaten ein höchst brisantes Thema. Einerseits muss das BĂŒndnis um seine GlaubwĂŒrdigkeit fĂŒrchten, wenn ein fĂŒhrendes Mitglied androht, sich notfalls durch wirtschaftlichen oder militĂ€rischen Zwang Gebiete eines anderen Nato-Staates einzuverleiben. Andererseits wĂ€re es fĂŒr die Nato ein Super-GAU, wenn die USA im Streit ĂŒber ein solches Thema aus dem BĂŒndnis austreten wĂŒrden, weil die Abschreckung der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der StĂ€rke der konventionellen StreitkrĂ€fte der USA beruht.
@ dpa.de
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