BSH Nauen: Warnstreik gegen Waschmaschinen-Aus
22.03.2026 - 00:00:37 | boerse-global.deHunderte Beschäftigte des BSH-Werks in Nauen legten heute die Arbeit nieder. Der Warnstreik ist eine klare Kampfansage an die geplante Schließung der Waschmaschinen-Produktion bis Mitte 2027.
Einheitliche Front gegen Werksschließung
Statt der Samstagsschicht folgten hunderte Mitarbeiter dem Aufruf der IG Metall Potsdam-Oranienburg. Die Beteiligung war überwältigend. Mit der Aktion erhöht die Belegschaft den Druck auf die Konzernspitze von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH). Sie demonstriert: Der Kampf um den Standort ist trotz angekündigter Schließung noch nicht verloren.
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Der örtliche Betriebsrat hat der Geschäftsführung ein detailliertes Zukunftskonzept vorgelegt. Es soll die Produktion in Nauen langfristig sichern. „Wir fordern, dass der Arbeitgeber diesen Alternativvorschlag ernsthaft prüft“, so die klare Botschaft der Gewerkschafter. Sollte das Unternehmen auf der Schließung beharren, dienen weitere Streiks dazu, sozialverträgliche Lösungen für die rund 440 betroffenen Arbeitsplätze durchzusetzen. Die Solidarität im Werk reicht über alle Generationen – auch ältere Kollegen streiken für die Zukunft der Jüngeren.
Der Auslöser: Ein radikaler Sparkurs
Die Wurzeln des Konflikts liegen in einer radikalen Restrukturierungsankündigung vom Oktober 2025. Die BSH Hausgeräte GmbH, eine Tochter des Bosch-Konzerns, will ihre deutschen Fertigungsstandorte stark verkleinern. Neben der Einstellung der Waschmaschinen-Produktion in Nauen bis Mitte 2027 soll auch die Ofen- und Dunstabzugsfabrikation im baden-württembergischen Bretten bis Anfang 2028 auslaufen. Insgesamt sind bundesweit etwa 1.400 Jobs bedroht.
Das Management begründet die drastischen Schnitte mit einem schwachen Marktumfeld. Eine stagnierende europäische Bauwirtschaft, geänderte Konsumgewohnheiten und die Nachfrage nach günstigeren Geräten setzten das Geschäft unter Druck. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, will BSH die Produktion von Nauen und Bretten an kostengünstigere Standorte im europäischen Netzwerk verlagern. Für Nauen sind künftig nur noch Logistikfunktionen vorgesehen – eine Entscheidung, die bei der Belegschaft sofort auf massive Ablehnung stieß.
Vom Lohnkampf zum Existenzkampf
Die Stimmung im Werk hat sich innerhalb eines Jahres grundlegend gewandelt. Noch im Sommer 2025 war Nauen Schauplatz von Warnstreiks im Tarifkonflikt. Damals kämpften die Beschäftigten für die Angleichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld an das Westniveau.
Die Schließungsankündigung im Herbst verwandelte den Lohnkampf schlagartig in einen Existenzkampf. Die gesamte Region solidarisierte sich. Bereits im November 2025 zogen hunderte Menschen, darunter Lokalpolitiker und Bürger, bei einer Lichterdemonstration durch Nauen. Sie protestierten gegen eine „Kahlschlag-Strategie“ des Konzerns. Der Konflikt zeigt die prekäre Lage industrieller Arbeitsplätze in der Region.
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Ein Symptom für die deutsche Industriekrise
Der Streit bei BSH ist symptomatisch für den Druck, unter dem der deutsche Mittelstand steht. Hausgerätehersteller leiden unter hohen heimischen Kosten und scharfer internationaler Konkurrenz. Die Nachfrage verschiebt sich zunehmend zu preisgünstigen Alternativen – ein Problem für deutsche Premium-Anbieter.
Die entschlossene Reaktion der IG Metall sendet ein Signal an die gesamte Industrie: Gewerkschaften werden Standortschließungen nicht kampflos hinnehmen. Der Nauen-Konflikt offenbart die Fragilität des ostdeutschen Industriestandorts, wo Werksschließungen ganze Regionen treffen. Die Strategie, Streiks mit eigenen Geschäftskonzepten zu verbinden, ist ein moderner Ansatz. Es geht nicht mehr nur um Abwehr, sondern um mitgestaltende Alternativen.
Was kommt als Nächstes?
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Wenn das Management die Vorschläge des Betriebsrats ignoriert, drohen weitere und längere Arbeitsniederlegungen. Im Fokus stehen nun Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen umfassenden Sozialplan.
Sollte das Schließungsdatum 2027 feststehen, rücken Abfindungen, Altersteilzeit und Qualifizierungsmaßnahmen in den Mittelpunkt. Die Lösung des Nauen-Konflikts wird ein Präzedenzfall sein. Er zeigt, wie multinationale Konzerne den Abbau in Deutschland gestalten – und wie stark Gewerkschaften Belegschaften vor den Folgen globaler Verlagerungen schützen können.
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