CO2-Preis, Koalition

CO2-Preis: Koalition streitet über Deckelung für 2027

28.01.2026 - 12:44:12

Die Verschiebung des EU-Emissionshandels ETS II schafft ein regulatorisches Vakuum. In der Bundesregierung fordern Politiker einen Preisstopp, während das Umweltministerium und Wirtschaftsverbände auf eine konsequente Lenkungswirkung pochen.

Die Bundesregierung ringt um die Ausgestaltung des nationalen CO2-Preises für 2027. Auslöser ist eine Verschiebung auf EU-Ebene, die ein regulatorisches Vakuum hinterlässt. Während Teile der Koalition einen Preisstopp fordern, pocht das Umweltministerium auf die bestehende Gesetzeslage.

Aktuelle Lage: Der Preiskorridor 2026 gilt

Seit Jahresbeginn ist die Festpreisphase im nationalen Emissionshandel (nEHS) beendet. Der CO2-Preis bewegt sich nun gesetzlich vorgegeben zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Das markiert einen deutlichen Anstieg gegenüber den 45 Euro von 2024 und dem Festpreis von 55 Euro im vergangenen Jahr.

Die Auswirkungen sind an der Tankstelle spürbar. Laut aktuellen Dashboard-Daten der Bundesregierung kostete Diesel Mitte Januar durchschnittlich 1,70 Euro pro Liter, Super E5 1,80 Euro. Der CO2-Anteil macht dabei schätzungsweise 17 bis 19 Cent aus. Die Anpassung für 2026 schlägt mit zusätzlich 3 bis 4 Cent pro Liter zu Buche.

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Politischer Konflikt: Stabilität versus Lenkungswirkung

Der Streit entzündete sich an einem Bericht des Tagesspiegel Background vom 26. Januar. Grund ist die EU-Entscheidung, den Start des neuen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS II) von 2027 auf 2028 zu verschieben.

Diese Verzögerung schafft eine Lücke. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Esra Limbacher (SPD) und Andreas Jung (CDU) plädieren deshalb für einen „Preisstopp“ 2027. Der nationale Preis soll auf dem Niveau von 2026 eingefroren werden – bei maximal 65 Euro pro Tonne. Ihr Argument: mehr Planungssicherheit für Verbraucher und Unternehmen.

Das Bundesumweltministerium (BMUKN) zeigt sich skeptisch. Es will am bestehenden Rechtsrahmen festhalten, der einen weiteren Anstieg oder marktbasierten Preise vorsieht. Das Ministerium verweist auf juristische Komplexität und die notwendige Lenkungswirkung des Instruments für den Klimaschutz.

Wirtschaft warnt vor Aufweichung der Klimaziele

Die Unsicherheit stößt in der Wirtschaft auf Kritik. Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) warnte am heutigen 28. Januar vor einer Aufweichung der Klimaziele. Für BNW-Geschäftsführerin Dr. Katharina Reuter ist der CO2-Preis ein zentrales Steuerungsinstrument. Die 65 Euro pro Tonne müssten 2027 das Minimum, nicht die Obergrenze sein, um Investitionen in Dekarbonisierung wirtschaftlich zu halten.

Für Compliance-Verantwortliche bedeutet die Situation eine Zwei-Säulen-Strategie:
1. Sofortmaßnahmen: Alle Kalkulationen für 2026 müssen den 55-65-Euro-Korridor abbilden. Unternehmen müssen sich auf die Auktionierungsverfahren ab Juli vorbereiten.
2. Strategische Planung: Der Gesetzgebungsprozess muss genau beobachtet werden. Sollte der Preisstopp kommen, wäre eine Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) nötig.

Auch Heizöl bleibt auf hohem Niveau

Der Preisdruck betrifft nicht nur Kraftstoffe. Im Wärmesektor liegt der Durchschnittspreis für Heizöl derzeit bei etwa 93,80 Euro pro 100 Liter. Die Verschiebung des EU-ETS II bringt hier nur eine vorübergehende Atempause vor europaweit harmonisierten Preisen.

Energieberater raten für das Steuerjahr 2025 und die laufenden Geschäfte 2026 zu einer besonders akkuraten Dokumentation der Brennstoffmengen. Nur so lassen sich Überzahlungen oder Compliance-Strafen vermeiden.

Entscheidung fällt im Koalitionsausschuss

Die Debatte wird sich im Februar zuspitzen, wenn der Koalitionsausschuss über den Haushalt und die Klimastrategie berät. Die Entscheidung zwischen klimapolitischer Konsequenz und inflationsbedingten Sorgen wird die Unternehmensbudgets für das nächste Geschäftsjahr maßgeblich beeinflussen.

Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung gilt der aktuelle BEHG-Rahmen. Unternehmen wird geraten, vorsorglich mit dem oberen Ende des Preiskorridors zu kalkulieren, um finanzielle Risiken abzufedern.

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