Autozulieferer, Kiekert

Autozulieferer Kiekert meldet Insolvenz an

23.09.2025 - 19:33:18

Das auf Autoschlösser spezialisierte Unternehmen Kiekert AG im nordrhein-westfÀlischen Heiligenhaus hat Insolvenz angemeldet.

Es gehört bislang einem chinesischen Unternehmen. Der operative GeschĂ€ftsbetrieb laufe im vorlĂ€ufigen Verfahren an allen Standorten regulĂ€r weiter, teilte der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter Joachim Exner mit. Die Löhne und GehĂ€lter der rund 700 Mitarbeitenden in Deutschland seien ĂŒber das Insolvenzgeld bis einschließlich November gesichert. Das vorlĂ€ufige Insolvenzverfahren wurde vom Amtsgericht Wuppertal angeordnet, wie aus dem Portal Insolvenzbekanntmachungen hervorging.

Die auslĂ€ndischen Tochtergesellschaften der Kiekert AG in Europa, Asien und Nordamerika seien von dem Verfahren nicht betroffen, betonte Exner. "Sie arbeiten uneingeschrĂ€nkt weiter", hieß es.

Kiekert ist nach Angaben des Insolvenzverwalters WeltmarktfĂŒhrer fĂŒr Kfz-Schließsysteme. Von Kiekert komme das Schließsystemdesign fĂŒr jedes dritte Auto weltweit, hieß es. Derzeit beschĂ€ftige die Unternehmensgruppe insgesamt 4.500 Menschen. Kiekert gilt als Erfinder der modernen Zentralverriegelung. 2012 war das Unternehmen vom chinesischen Automobilzulieferer Lingyun (Peking) ĂŒbernommen worden.

"Die Insolvenz ist die Konsequenz daraus, dass der chinesische Gesellschafter keine weiteren Mittel bereitgestellt und seine finanziellen Verpflichtungen im dreistelligen Millionenbereich nicht erfĂŒllt hat", erklĂ€rte Vorstandschef JĂ©rĂŽme Debreu laut der Mitteilung. "Der von Sanktionen betroffene Gesellschafter verwehrt uns den Zugang zu wichtigen MĂ€rkten und Finanzierungen, was unsere GeschĂ€ftstĂ€tigkeit erheblich gefĂ€hrdet." Ziel des Managements ist der Ausstieg des chinesischen Gesellschafters. Dies sei entscheidend, um das Wachstum zu beschleunigen und die 168-jĂ€hrige Geschichte von Kiekert als systemischen Zulieferer der Automobilindustrie fortzusetzen.

Die Kiekert AG habe auch durch die geopolitischen Entwicklungen - insbesondere die US-Sanktionspolitik - erhebliche Auftragsverluste hinnehmen mĂŒssen, hieß es weiter. "Amerikanische Kunden haben bereits erteilte GroßauftrĂ€ge zurĂŒckgezogen, Rating-Agenturen das Unternehmen aufgrund des chinesischen Gesellschafters heruntergestuft, Banken verweigern neue Kredite." In dieser Situation sei der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens die einzig verbliebene Option, um die Kiekert AG zu restrukturieren und zukunftsfĂ€hig aufzustellen.

@ dpa.de