HandwerksprÀsident, Demokratie

HandwerksprÀsident: 'Demokratie muss nun liefern'

24.12.2025 - 15:16:46 | dpa.de

Das Handwerk blickt mit großen Sorgen auf das neue Jahr.

"Ich möchte keinen Alarmismus betreiben. Aber die Stimmung ist sehr schlecht", sagte Jörg Dittrich, PrĂ€sident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte Reformen fĂŒr mehr Wirtschaftswachstum. "Die Demokratie hat immer geliefert, wenn sie musste. Jetzt ist wieder so ein Moment, in dem wir liefern mĂŒssen, wenn wir unsere Freiheit und unsere Demokratie erhalten wollen."

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer jahrelangen SchwĂ€chephase. Auch im neuen Jahr wird kein spĂŒrbarer Aufschwung erwartet.

Vertrauensvorschuss aufgebraucht?

Die Bundesregierung sei mit einem hohen Erwartungsdruck, aber auch mit einem erheblichen Vertrauensvorschuss gestartet, sagte der HandwerksprĂ€sident. "Von dieser Euphorie ist, vorsichtig formuliert, viel verloren gegangen. Wir sind in der MĂŒhe der Ebene angekommen. Umso wichtiger ist es, dass sich Politik und Gesellschaft bewusst machen, dass die Dringlichkeit von Reformen nicht nachgelassen hat." Deutschland stehe international in einem knallharten Wettbewerb.

Warnung vor "VerteilungskÀmpfen"

"Es geht um ein Gesamtpaket, das wir entschlossen angehen mĂŒssen", forderte Dittrich. "SpĂ€testens 2026 dĂŒrfen wir uns nicht lĂ€nger davor drĂŒcken. Wenn wir jetzt nicht handeln, verschĂ€rfen sich die Verteilungskonflikte weiter mit spĂŒrbaren Wohlstandsverlusten, die wir bereits heute erleben: ArbeitsplĂ€tze gehen verloren, und die Finanzierung unserer Krankenkassen gerĂ€t zunehmend unter Druck."

Deshalb seien jetzt alle gefordert, die Verantwortung tragen, dieser auch gerecht zu werden, Reformentschlossenheit zu zeigen und wahrzunehmen. "Wir alle mĂŒssen raus aus einer gewissen Bequemlichkeit und Vollkasko-MentalitĂ€t. Denn wenn wir nichts Ă€ndern, drohen weiterer Abschwung, hĂ€rtere VerteilungskĂ€mpfe", sagte Dittrich. Das stĂ€rke am Ende Populismus.

"FĂŒr die innere Verfasstheit unserer Gesellschaft und Demokratie ist es wichtig, dass die Wirtschaft wieder ins Wachstum kommt, damit wir die ökonomische Basis haben, um unsere Werte und AnsprĂŒche an ein Sozialsystem umsetzen zu können", sagte Dittrich.

Flexiblere Arbeitszeiten

"Wir mĂŒssen insgesamt flexibler werden. Ein Beispiel ist die Arbeitszeit-Flexibilisierung. Ich kenne die Sorgen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Aber mein Ansatz ist: "Lassen Sie es uns einfach mal ausprobieren"", sagte der VerbandsprĂ€sident. "Und wenn wir sehen, dass es zu Fehlentwicklungen kommt, dann mĂŒssen wir gegensteuern."

Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD angekĂŒndigt, die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer tĂ€glichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Gewerkschaften lehnen dies ab und warnen vor einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes.

Dittrich nannte Vertrauen als weiteren Punkt: "Davon wird in der Politik jetzt hÀufig gesprochen, aber in den Amtsstuben ist es oft nicht angekommen. Dort wird an Kontrollen, Nachweisen und Dokumentationspflichten festgehalten. Wir brauchen wieder mehr Vertrauen in unternehmerisches Arbeiten und Handeln."

"Stilles Sterben von Betrieben"

Im Handwerk gebe es derzeit eher eine SeitwÀrtsbewegung. "Der BeschÀftigungsabbau ist nicht so stark wie in der Industrie, aber auch im Handwerk verlieren wir ArbeitsplÀtze, in der Regel nur leiser und schleichend durch das stille Sterben von Betrieben. Die Sorgenfalten sind in vielen Handwerksbranchen genauso tief." Das Handwerk gewinne aber weiter an AttraktivitÀt. Das zeige sich in den im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbereichen leicht steigenden Ausbildungszahlen.

Das Lohnniveau werde weiter steigen, nicht nur wegen des Mindestlohns, sondern auch durch den Wettbewerb um FachkrĂ€fte infolge des demografischen Wandels, sagte der ZDH-PrĂ€sident. "Das wird sich auch auf die Preisentwicklung auswirken. Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass Handwerkerleistungen kĂŒnftig gĂŒnstiger werden."

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