Moskau erklĂ€rt wichtige ukrainische Stadt Pokrowsk fĂŒr erobert
01.12.2025 - 21:16:20Dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin sei die Eroberung von Pokrowsk gemeldet worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Journalisten. Aus Kiew gab es zunĂ€chst keine BestĂ€tigung. Ebenso sei die Stadt Wowtschansk in der benachbarten Region Charkiw eingenommen worden. UnabhĂ€ngig lassen sich die Angaben nicht prĂŒfen, allerdings hatte auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bei seinem Besuch in Paris gesagt, dass die IntensitĂ€t der KĂ€mpfe um Pokrowsk und auch im Charkiwer Gebiet hoch sei.
Beobachter verbinden die russische Erfolgsmeldung mit dem am Dienstag erwarteten Besuch des US-Sondergesandten Steve Witkoff in Moskau. Der Kreml wolle so dem UnterhĂ€ndler aus Washington vor GesprĂ€chen ĂŒber einen Friedensplan militĂ€rische Fortschritte prĂ€sentieren.
Vorher hatte Kremlchef Wladimir Putin bereits mehrfach angegeben, dass die ukrainischen Truppen in Pokrowsk eingekreist seien. Der ukrainische PrĂ€sident und der Generalstab wiesen dies wiederholt zurĂŒck. Allerdings wurde Selenskyj vorgeworfen, Ă€hnlich wie bei den bereits vorher verlorenen StĂ€dten Bachmut und Awdijiwka den RĂŒckzug aus politischen GrĂŒnden zu lange hinauszuzögern.
Warum Pokrowsk wichtig ist
Die Stadt, in der einmal rund 60.000 Menschen gelebt haben, gilt als ein Symbol fĂŒr den ukrainischen Widerstand gegen den seit mehr als dreieinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg. Mittlerweile ist sie stark zerstört.
Westlich von Pokrowsk gibt es keine groĂen Siedlungen, was die weitere Verteidigung fĂŒr die ukrainischen StreitkrĂ€fte erschwert. Russland kommt mit einer Einnahme seinem Kriegsziel nĂ€her, das Industriegebiet Donbass vollstĂ€ndig zu erobern. Allerdings ist es bis zur vollstĂ€ndigen Besetzung des Gebiets Donezk noch ein weiter und verlustreicher Weg fĂŒr Russland. Moskaus Truppen könnten sich nun auf die StĂ€dte Kramatorsk und Slowjansk im Nordosten konzentrieren, die eine wichtige, ĂŒber Jahre aufgebaute Verteidigungslinie bilden.
Dazu könnte der Kreml den Erfolg auch in Richtung des Gebietes Dnipropetrowsk und dem nur 90 Kilometer entfernten Verkehrsknotenpunkt Pawlohrad weiter entwickeln. Der Nachschub der um Kramatorsk und Slowjansk verbliebenen ukrainischen Truppen verlĂ€uft zu groĂen Teilen ĂŒber Pawlohrad. Im Gegensatz zum dicht besiedelten Bergbaugebiet Donezk finden sich in der agrarisch geprĂ€gten Steppenlandschaft nur wenig natĂŒrliche Hindernisse.
Die Eroberung von Pokrowsk gilt als gröĂte militĂ€rische Niederlage seit dem Fall von Awdijiwka im Februar 2024 - auch fĂŒr PrĂ€sident Selenskyj. Kiew wollte den USA und den EuropĂ€ern zeigen, dass die milliardenschweren Waffenlieferungen dem Land helfen, sein Gebiet zu verteidigen. Dagegen bemĂ€ngeln Kritiker schon lange, die Ukraine habe zu groĂe Verluste riskiert, um Pokrowsk möglichst lange zu halten - statt mit den Ressourcen andere Verteidigungslinien zu verstĂ€rken.
Zu Moskaus Kriegszielen gehört die Einnahme der ukrainischen Regionen, Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson, die Russland neben der bereits 2014 annektierten Krim zu seinen Gebieten erklÀrt hat. Allerdings kontrolliert das russische MilitÀr bis heute keines dieser Gebiete vollstÀndig.
Neue Taktik russischer Truppen
Kiews Truppen stehen an mehreren Frontabschnitten im SĂŒden und im Osten massiv unter Druck. Probleme bereiten der Ukraine der Soldatenmangel wegen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung und verbreiteter Fahnenflucht.
Moskaus StreitkrĂ€fte sind an der Front im Osten seit Herbst 2023 langsam und unter hohen Verlusten auf dem Vormarsch. Nach Pokrowsk drangen sie mit einer neuen Taktik in mehreren kleineren Infanteriegruppen ein und umgingen die ukrainischen Linien. Sie verzichteten auf Angriffe gröĂerer Einheiten und den Einsatz gepanzerter Technik, die ein leichtes Ziel fĂŒr ukrainische Drohnen sind.
Der ukrainische MilitĂ€rgeheimdienst HUR hatte noch ĂŒber eine Operation seiner SpezialeinsatzkrĂ€fte berichtet, die den Fall von Pokrowsk aufhalten sollten. Das Blatt fĂŒr die Ukraine wenden konnten sie nun augenscheinlich nicht mehr.
Aber auch nach einem Fall von Pokrowsk sind keine plötzlichen Ănderungen im Kriegsverlauf zu erwarten. Beide Seiten setzen in dem Abnutzungskrieg auf eine Erschöpfung des Gegners. Doch stehen die ukrainischen Chancen fĂŒr einen Erfolg ungleich schlechter als die der russischen Seite.

