Börse Frankfurt-News: Wochenausblick: Hoffnungsvoller Start in den September
02.09.2024 - 10:47:59In der ersten Septemberwoche stehen vor allem die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag im Fokus.
2. September 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wer hĂ€tte das vor wenigen Wochen gedacht? Obwohl die AktienmĂ€rkte Anfang August deutlich unter Druck gerieten, gelang dem DAX zum Ende des abgelaufenen Monats noch der Sprung auf neue RekordstĂ€nde. Das bis auf weiteres gĂŒltige Allzeithoch liegt bei rund 18.971 Punkten. Die Spanne zwischen Tief und Hoch im August betrug damit fast 2.000 Punkte. Am Montagmorgen wird der deutsche Aktienindex bei 18.915 Punkten gesehen, nachdem er am Freitag bei 18.906 Punkten (Wochenbilanz: +1,5 Prozent) geschlossen hatte. Die groĂen US-Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 hatten am Freitag in den letzten beiden Handelsstunden ins Plus gedreht und liefern damit grundsĂ€tzlich gute Vorgaben fĂŒr den Wochenstart. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und ThĂŒringen gelten indes als potenzielle Belastungsfaktoren.
Goldilocks-Szenario versus SaisonalitÀt
Als Grund fĂŒr die zuletzt so positive Entwicklung der AktienmĂ€rkte nennen die Analysten der Helaba das so genannte "Goldilocks-Szenario". Darunter versteht man die Kombination aus einem moderaten, aber stetigen Wachstum der Weltwirtschaft, einer nachlassenden Inflation und einer Geldpolitik, die am Beginn ihres Zinssenkungszyklus steht. "An den Börsen wird dieses bereits gefeiert", konstatieren die Strategen. DemgegenĂŒber steht das PhĂ€nomen SaisonalitĂ€t, die fĂŒr den September im Durchschnitt vergleichsweise schlechte Ergebnisse fĂŒr den DAX anzeigt. Das könnte nach Ansicht der Redakteure von Wellenreiter Invest auch der Grund fĂŒr Gewinnmitnahmen an den Börsen zum Ende der abgelaufenen Woche gewesen sein.
Der September steht ĂŒbergeordnet in diesem Jahr aller Voraussicht nach im Zeichen der Notenbanken. Sowohl die EZB als auch die Fed dĂŒrften mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei ihren Sitzungen Mitte September die Leitzinsen senken. Nach den jĂŒngsten Aussagen der Verantwortlichen und den gesunkenen Inflationsraten in der Vorwoche wĂ€re alles andere eine sehr groĂe Ăberraschung. FĂŒr die AktienmĂ€rkte sind niedrigere Zinsen grundsĂ€tzlich positiv, weil die fĂŒr die Zukunft erwarteten Cashflows der Unternehmen im Zuge der Diskontierung durch die Analysten dann "einen höheren Gegenwartswert annehmen", wie die LBBW betont.
Zinssenkungen zu Beginn oftmals kein Kurstreiber
Gleichzeitig verweisen die Experten darauf, dass die sich eintrĂŒbende Konjunktur als "eigentlicher Grund fĂŒr die Leitzinswende" niedrigere erzielte Cashflows befĂŒrchten lĂ€sst. Zudem habe die Vergangenheit gezeigt, dass "zumindest die frĂŒhe Leitzinssenkungsphase eher von sinkenden als von steigenden Aktienkursen geprĂ€gt ist". Die LBBW mahnt zudem an, dass die Big Six Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Nvidia als "Protagonisten der KI-Welle und Motoren der Hausse" allmĂ€hlich die Gunst der Anleger zu verlieren scheinen. So sind die Kurse dieser Aktien nach den jeweiligen Q2-Zahlen im Durchschnitt gesunken, nachdem es im Q1 noch deutlich nach oben gegangen war. "In dieses Bild passt, dass der KI-Darling Nvidia an der Börse abgestraft wurde, obwohl er die an ihn gesteckten hohen Erwartungen ĂŒbertraf", konstatieren die Analysten.
Die Volkswirte der Commerzbank betonen derweil, dass die allgemeine Marktstimmung "noch immer auf wackeligen Beinen steht". Eine EnttĂ€uschung bei den Stimmungsindikatoren könnte die fragile Laune der Anlegerinnen und Anleger daher schnell wieder belasten. Als wichtigste Veröffentlichung der laufenden Woche bezeichnen sie den US-Arbeitsmarktbericht am kommenden Freitag. GröĂere KurssprĂŒnge seien im Vorfeld "wohl eher nicht zu erwarten".
Technisches Bild: Kursziel 20.000 Punkte
Aus technischer Sicht hat der DAX mit dem neuen Rekordhoch erst mal alle wichtigen WiderstÀnde hinter sich gelassen. Rein rechnerisch resultiert aus dem temporÀren Einbruch im August laut Jörg Scherer von HSBC damit nun ein "langfristiges Kursziel von 20.000 Punkten". Die Bedeutung dieser runden Anlaufmarke werde durch die 161,8%-Fibonacci-Projektion der gesamten DAX-Korrektur von Mitte Mai bis Anfang August (20.047 Punkte) zusÀtzlich untermauert. Auf der Unterseite gelte es vor allem die Nackenlinie der "V-Umkehr" bei 18.564 Punkten zu beachten.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche
Montag, 2. September
USA. Labor Day: MĂ€rkte geschlossen
Dienstag, 3. September
16.00 Uhr. USA.ISM-Index verarbeitendes Gewerbe: Bei den Juli-Daten hatte der Index mit einem Wert von 46,8 Punkten einen massiven RĂŒckgang der US-Renditen ausgelöst. FĂŒr den Monat August deuten bereits vorliegende regionale Unternehmensumfragen nach Ansicht der Deka an, dass der ISM-Index wieder leicht auf 47,5 Punkte steigen sollte.
Mittwoch, 4. September
Deutschland: IndexĂŒberprĂŒfung fĂŒr die Auswahlindizes DAX, Euro Stoxx, MDAX, etc. Die turnusmĂ€Ăige ĂberprĂŒfung der Deutschen Börse erfolgt viermal im Jahr, jeweils am dritten Arbeitstag im MĂ€rz, Juni, September und Dezember. Veröffentlicht werden die beschlossenen ?"nderungen nach US-Börsenschluss, wirksam werden sie rund drei Wochen spĂ€ter.
Donnerstag, 5. September
8.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingang Industrie: Die Zahlen dĂŒrften nach Ansicht der Helaba kaum zur Stimmungsaufhellung hierzulande beitragen. Allerdings werde das aktuell auch von kaum jemanden erwartet. Konkret rechnen die Volkswirte mit einem RĂŒckgang der AuftrĂ€ge um 1,5 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat. Im Konsens wird sogar ein Minus von 2,0 Prozent erwartet.
16.00 Uhr. USA.ISM-Index Dienstleistungen: Die Strategen der Helaba gehen bei dem zuletzt ungewöhnlich volatilen Index fĂŒr August mit einem "Verharren im Expansionsbereich" (ĂŒber 50 Punkte) aus. Das wĂ€re nach Ansicht der Experten insofern bemerkenswert und Ausdruck der soliden US-Wirtschaft, da frĂŒher der Index bei schweren Hurrikanen - wie zuletzt zwei - auch schon mal temporĂ€r in den Rezessionsbereich gefallen ist. Konkret wird ein Stand von 50,5 Punkten erwartet, die KonsensschĂ€tzungen liegen bei 50,9 Punkten.
Freitag, 6. September
8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion: Angesichts der schwachen Entwicklung der entsprechenden Komponenten des Ifo-GeschĂ€ftsklimaindex und des Einkaufsmanagerindex rechnen die Strategen der Commerzbank sowohl fĂŒr die AuftragseingĂ€nge (siehe Donnerstag; SchĂ€tzung: -1,0 Prozent ggĂŒ. Vormonat) als auch fĂŒr die Produktion (-0,5 Prozent ggĂŒ. Vormonat) mit schwĂ€cheren Daten.
14.30 Uhr. USA. Arbeitsmarktbericht: Nach Ansicht der Commerzbank muss die vor vier Wochen auf einen Mehrjahreshöchststand von 4,3 Prozent gestiegene Arbeitslosenquote angesichts der Auswirkungen des Hurrikans "Beryl" sowie einer steigenden Nachfrage nach ArbeitsplĂ€tzen relativiert werden. Demnach sollten sich die Daten im August nicht noch weiter verschlechtert haben. Der BeschĂ€ftigungszuwachs dĂŒrfte laut den Volkswirten mit 150.000 Stellen sogar wieder höher ausfallen, da die wegen des Hurrikans aus der Statistik herausgefallen Arbeitnehmer nun wieder an ihre Arbeitsstellen zurĂŒckkehren.
Von Thomas Koch, 2. September 2024, © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

