IndustrieprÀsident, Standort

IndustrieprÀsident sieht Standort 'im freien Fall'

02.12.2025 - 06:15:38

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht den Wirtschaftsstandort Deutschland im "freien Fall".

Die deutsche Industrie stehe am Ende des Jahres 2025 vor einem dramatischen Tiefpunkt, sagte BDI-PrÀsident Peter Leibinger der Deutschen Presse-Agentur. "Der Wirtschaftsstandort befindet sich in seiner historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik, doch die Bundesregierung reagiert nicht entschlossen genug."

In einem neuen Industriebericht wird fĂŒr dieses Jahr ein RĂŒckgang der Produktion in der Industrie um zwei Prozent erwartet. Damit wĂŒrde sie das vierte Jahr in Folge schrumpfen. "Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg", so Leibinger. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz. Der Wirtschaftsstandort befinde sich "im freien Fall".

In einer schwierigen Lage befindet sich zum Beispiel die Chemieindustrie. Zuletzt lag dem Bericht zufolge die Auslastung der Chemieanlagen nur noch bei 70 Prozent. Auch der Maschinenbau und die Stahlindustrie seien unter Druck. Die Lage in der Bauindustrie dagegen scheint sich zu stabilisieren. In der Autoindustrie wird mit einem Produktionsplus gerechnet, die KapazitÀtsauslastung ist gestiegen. Die BeschÀftigung in der Automobilindustrie aber sei unter Druck geraten.

Leibinger fordert Regierung zum Handeln auf

"Deutschland braucht jetzt eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren PrioritĂ€ten fĂŒr WettbewerbsfĂ€higkeit und Wachstum", sagte Leibinger. Jeder Monat ohne entschlossene Strukturreformen koste weitere ArbeitsplĂ€tze und Wohlstand und enge kĂŒnftige SpielrĂ€ume des Staates massiv ein. Konkret fordert der BDI-PrĂ€sident, die Bundesregierung mĂŒsse Investitionen Vorrang vor konsumtiven Ausgaben einrĂ€umen. Das Sondervermögen mĂŒsse transparent fĂŒr zusĂ€tzliche Investitionen genutzt werden.

Schon lĂ€nger gibt es Kritik daran, dass die Bundesregierung Vorhaben aus dem Kernhaushalt in das Milliarden-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und Klimaschutz verschiebt - um dann mit freigewordenen Mitteln Projekte wie die umstrittene Ausweitung der MĂŒtterrente zu finanzieren.

Leibinger fordert außerdem einen konsequenten BĂŒrokratieabbau. Zwar habe die Bundesregierung erste Schritte eingeleitet. Die Unternehmen brĂ€uchten aber weitreichende Entlastungen, die sie im Alltag wirklich spĂŒrten.

@ dpa.de