Brenntag blickt vorsichtiger auf 2025 - Aktie dennoch gefragt
12.11.2025 - 11:48:50Umsatz und operatives Ergebnis gingen im Jahresvergleich deutlich zurĂŒck. FĂŒr das Gesamtjahr wurde das Unternehmen noch einmal vorsichtiger. "Meine ersten Monate waren von schwierigen Marktbedingungen geprĂ€gt, ohne dass kurzfristig Anzeichen fĂŒr eine Verbesserung zu erkennen waren", sagte der neue Unternehmenschef Jens Birgersson am Mittwoch laut einer Mitteilung. Der frĂŒhere Rockwool-Chef hat Anfang September das Ruder von Christian Kohlpaintner ĂŒbernommen, der das Unternehmen Ende August verlassen hatte.
An der Börse kam die Zahlenvorlage dennoch gut an. Die Papiere des ChemiekalienhĂ€ndlers kletterten kurz nach dem Handelsstart um bis zu neun Prozent. Zuletzt legte das Papier noch um rund 4,7 Prozent auf 49,30 Euro zu. Die Ergebnisse des dritten Quartals seien besser als befĂŒrchtet, kommentierte Analyst Chetan Udeshi von JPMorgan. Auch in einer ansonsten sehr pessimistischen Branchenanalyse des Barclays-Experten Gaurav Jain kommt Brenntag vergleichsweise gut weg. Er hĂ€lt den europĂ€ischen Chemiesektor fĂŒr strukturell angeschlagen, ChemikalienhĂ€ndler findet er allerdings vergleichsweise gut.
Der Essener Dax-Konzern DE0008469008 erwartet nun, beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (bereinigtes Ebita) im Gesamtjahr das untere Ende der im Sommer gesenkten Prognosespanne von 0,95 bis 1,05 Milliarden Euro zu erreichen. Zudem kĂŒndigte Birgersson an, Brenntag noch effizienter machen zu wollen. Zentrale Strukturen mĂŒssten vereinfacht sowie die Kostenbasis verbessert werden, erlĂ€uterte er. Eine neue Strategie will der Vorstand in der zweiten JahreshĂ€lfte 2026 vorstellen.
In dem schwierigen Umfeld tritt Brenntag schon lÀnger verstÀrkt auf die Kostenbremse. Das laufende Sparprogramm werde mit erhöhtem Tempo umgesetzt, sagte Finanzchef Thomas Reisten. Im dritten Quartal habe das Unternehmen 45 Millionen Euro eingespart. Damit sei der Konzern auf dem besten Weg, das Ziel einer Senkung der jÀhrlichen Kosten um 300 Millionen Euro bis 2027 zu erreichen.
Dabei will der Konzern etwa administrative Prozesse straffen sowie Doppelstrukturen beseitigen. Dies schlieĂt auch einen weltweiten Personalabbau ein. StandortschlieĂungen und der Abbau von ArbeitsplĂ€tzen zĂ€hlten bereits jetzt zum Sparprogramm.
Derweil will Birgersson die beiden Sparten Prozesschemikalien (Essentials) und Spezialchemikalien fĂŒr bestimmte Branchen (Specialties) nicht mehr voneinander trennen. "Ich schĂ€tze beide GeschĂ€ftsbereiche, und wir mĂŒssen in beiden wachsen und investieren", sagte er. Eine vollstĂ€ndige Trennung werde nicht weiterverfolgt. Beide Sparten profitierten von erheblichen Synergien in den Bereichen Kosten, Personal, operative Infrastruktur und Marktzugang. Das sei ein einzigartiger Wettbewerbsvorteil von Brenntag. Schon sein VorgĂ€nger Kohlpaintner hatte zuletzt die ursprĂŒnglichen PlĂ€ne zur Entflechtung der beiden Sparten angepasst.
Im dritten Quartal schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um 8,6 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Neben einer schwachen Nachfrage belasteten auch ungĂŒnstige Wechselkurse den Erlös. Beim Gewinn lief es noch etwas schlechter. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebita) ging um 13,6 Prozent auf 243 Millionen Euro zurĂŒck. Unter dem Strich blieb ein auf die AktionĂ€re anfallender Gewinn von 113,1 Millionen Euro nach 118,2 Millionen ein Jahr zuvor.
Brenntag handelt mit Industrie- und Spezialchemikalien sowie Inhaltsstoffen. Das Unternehmen kauft die Stoffe bei Chemiekonzernen in gröĂeren Mengen ein und verkauft sie in kleineren Mengen. In den vergangenen Jahren ist Brenntag durch zahlreiche kleinere Ăbernahmen gewachsen.
KonjunkturabschwĂŒnge treffen das Unternehmen in der Regel weniger stark als groĂe Chemiekonzerne, weil Kunden dann weniger Chemikalien benötigen und diese vermehrt beim HĂ€ndler statt beim Produzenten kaufen. Zuletzt beschĂ€ftigte Brenntag mehr als 18.100 Menschen.

