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Frankfurt Eröffnung: Kurssprung nach Trumps Zoll-Aussetzung

10.04.2025 - 10:15:17 | dpa.de

Der Dax DE0008469008 hat am Donnerstag angesichts von Donald Trumps vorlÀufiger Kehrtwende im Zollstreit eine Erholungsrally gestartet.

In der ersten Handelsstunde sprang der deutsche Leitindex um rund sechs Prozent auf 20.847,86 Punkte hoch. "Die Situation ist nicht chaotisch, sie ist verrĂŒckt", kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt fĂŒr Deutschland und Österreich bei der niederlĂ€ndischen Bank ING mit Blick auf Trump und die FinanzmĂ€rkte.

Damit kehrte der Dax nicht nur ĂŒber die fĂŒr den langfristigen Trend wichtige 200-Tage-Durchschnittslinie zurĂŒck, sondern kĂ€mpfte sich zeitweise auch an die mittelfristig bedeutsame 100-Tage-Linie heran. Gleichwohl war ein wenig Luft nach rund einer Handelsstunde schon wieder raus, nachdem es anfangs bis auf 21.300 Punkte nach oben gegangen war.

FĂŒr den MDax DE0008467416 der mittelgroßen Unternehmen ging es am Donnerstagvormittag um 5,98 Prozent auf 26.354,08 Punkte hoch. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 machte mit einem Plus von 6,5 Prozent ebenfalls ordentlich Boden gut.

Laut dem charttechnisch orientierten Wertpapieranalysten Marcel Mußler "ist nach gestern erst einmal Aufatmen angesagt". Ähnlich wie andere Experten sieht er aber keinen Grund zur Euphorie. Denn schließlich sei der Zollkrieg nicht beendet, sondern nur fĂŒr Verhandlungen ausgesetzt worden. "Dabei wird Trump aber weiterhin nicht den Samariter geben", so Mußlers Prognose. "Er wird vielmehr weiter mit markigen SprĂŒchen die Stimmung anheizen. Und das Vertrauen in Trump bleibt zerstört." Dazu bedeute der anhaltende Handelskrieg mit China schwer zu kalkulierende Risiken.

Am Mittwoch hatten die New Yorker Börsen mit einer regelrechten Kursexplosion auf die Entscheidung des US-PrĂ€sidenten reagiert, die jĂŒngst verhĂ€ngten, lĂ€nderspezifischen Sonderzölle fĂŒr 90 Tage auszusetzen. WĂ€hrend dieses Zeitraumes greift nun ein pauschaler Zollsatz von 10 Prozent. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial US2605661048 schloss daraufhin fast 8 Prozent im Plus, und fĂŒr den technologielastigen Nasdaq 100 US6311011026 ging es sogar um 12 Prozent bergauf.

An den asiatischen HandelsplĂ€tzen zogen die Kurse ebenfalls krĂ€ftig an. Das galt vor allem fĂŒr den Nikkei-225 XC0009692440JP9010C00002JP9010C00002XC0009692440-Index, das wichtigste Börsenbarometer des exportstarken Landes Japan. Er hatte zuvor auch besonders stark unter dem von Trump losgetretenen Handelskonflikt gelitten.

Dagegen verschĂ€rfte Trump den Konfrontationskurs mit China, indem er die Zölle fĂŒr chinesische Einfuhren nochmals anhob. Dennoch legten die wichtigsten Indizes der chinesischen Börsen zu, wobei sich der Hang-Seng-Index HK0000004322 der Sonderverwaltungszone Hongkong noch etwas stĂ€rker prĂ€sentierte. An diesem Donnerstag treten auch die chinesischen Gegenzölle fĂŒr US-Waren in Kraft. Dazu werden ab der kommenden Woche Gegenzölle der EU wirksam. Sie sind eine Reaktion auf bereits vor rund einem Monat verhĂ€ngte US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte.

Am deutschen Aktienmarkt griffen die Anleger vor allem bei zuletzt gebeutelten Papieren zu. Aus dem Halbleitersektor sprangen Infineon DE0006231004 an der Dax-Spitze um gut 12 Prozent hoch. Im MDax belegten Wacker Chemie DE000WCH8881 mit plus 10,7 Prozent und im Nebenwerte-Index SDax DE0009653386 SĂŒss Microtec, Siltronic DE000WAF3001 und Elmos DE0005677108 mit Gewinnen von bis zu 12 Prozent vordere PlĂ€tze. Gefragt waren auch Finanzaktien wie Deutsche Bank DE0005140008 und deren Fondstochter DWS DE000DWS1007 sowie Industrietitel wie MTU DE000A0D9PT0, Siemens DE0007236101 und Siemens Energy DE000ENER6Y0.

Mit am SDax-Ende lagen derweil die moderat schwĂ€cheren Aktien von ProSiebenSat.1 DE000PSM7770, nachdem die US-Bank JPMorgan US46625H1005 sie abgestuft hatte und nur noch ein neutrales Anlagevotum ausspricht. Analyst Daniel Kerven begrĂŒndete dies mit dem Risiko, dass Media for Europe (MFE) NL0015000N09 seine Übernahmeofferte zurĂŒckzieht. Die Aktien des Medienkonzerns und ProSieben-GroßaktionĂ€rs hĂ€tten enorm unter der Aussicht gelitten, im wirtschaftlich unsicheren Terrain auch noch die Refinanzierung der Schulden seines Branchenkollegen stemmen zu mĂŒssen. Dieses Risiko könnte MFE zunĂ€chst zu hoch sein. Die Italiener könnten wieder auf den Plan treten, wenn der volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) der ProSieben-Aktien deutlich gesunken sei. Hieran orientiert sich die Offerte.

Volkswagen DE0007664039-Aktien verteuerten sich nach vorlĂ€ufigen Quartalszahlen um unterdurchschnittliche 5 Prozent. Der Autobauer verfehlte die Erwartungen, hĂ€lt aber an seinen Jahreszielen fest. Die Papiere haben eine dreiwöchige Talfahrt hinter sich. FĂŒr die zuletzt Ă€hnlich gebeutelten Titel der Wettbewerber BMW DE0005190003 und Mercedes DE0007100000-Benz DE0007100000 ging es am Donnerstag um 6,8 beziehungsweise 5,8 Prozent hoch.

Bei Nordex DE000A0D6554 stand mit dem Markt ein Kursplus von 5,2 Prozent zu Buche. Zahlen zum Auftragseingang im ersten Quartal gaben den seit Jahresbeginn gut gelaufenen Aktien des Windturbinenbauers keine Impulse. StÀrker gefragt waren Titel des Solarkonzerns SMA Solar DE000A0DJ6J9 mit plus 11 Prozent.

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