Jungheinrich kappt Gewinnziel - Sparprogramm und Stellenabbau
17.07.2025 - 14:48:30Die Prognosen fĂŒr Umsatz und Auftragseingang wurde angepasst, das Gewinnziel gesenkt. Zudem verkĂŒndete das Management ein Sparprogramm. Davon seien weltweit 1000 Stellen betroffen, teilte der Hamburger MDaxDE0008467416-Konzern am Donnerstag auf Nachfrage hin mit. Die Aktie sackte ab.
Der Kurs brach bis auf 34,14 Euro ein, was ein Abschlag von ĂŒber 15 Prozent bedeutete. Auch der Aktienkurs des Konkurrenten Kion DE000KGX8881 geriet kurzzeitig unter Druck, holte die Verluste aber wieder auf und drehte ins Plus.
Beide Papiere waren in den vergangenen Monaten stark gelaufen, in Erwartung einer Konjunkturbelebung Deutschlands durch die geplanten Milliardeninvestitionen des Bundes in Infrastruktur und RĂŒstung. FĂŒr 2025 steht trotz des Kursknicks vom Donnerstag fĂŒr Jungheinrich noch ein Anstieg von einem Drittel auf dem Kurszettel. Und Kion kommt sogar auf ĂŒber 60 Prozent.
Das Ziel des Sparprogramms ist Jungheinrich zufolge die "Sicherstellung der globalen WettbewerbsfÀhigkeit." Produktion, Management und Verwaltung sollen optimiert, Stellen sowohl abgebaut als auch verlagert werden. Welche Standorte von den Kosteneinsparungen betroffen sein werden, dazu wollte Jungheinrich keine Angaben machen. Ein Unternehmenssprecher verwies zudem auf die erforderlichen GesprÀche mit den Arbeitnehmervertretern. Der Konzern beschÀftigte Ende 2024 rund 21.000 Angestellte.
Durch das Sparprogramm sollen bei Jungheinrich die Kosten mittelfristig um rund 100 Millionen Euro pro Jahr sinken. Allerdings verursachen die PlÀne zunÀchst Einmalaufwendungen von rund 90 Millionen Euro im laufenden Jahr. Zwei Drittel davon sollen im aktuellen Quartal anfallen und rund ein Drittel im Schlussjahresviertel.
Im angestammten GeschĂ€ft mit Staplern und Lagertechnik belastet Jungheinrich wie auch seine Konkurrenz, dass die Kunden seit geraumer Zeit vermehrt Maschinen und GerĂ€te aus dem gĂŒnstigeren Einstiegssegment nachfragen - was nicht zuletzt den Wettbewerbern aus China zugutekommt. Zudem hĂ€lt die konjunkturelle SchwĂ€che in Europa und insbesondere dem Heimatmarkt Deutschland an.
FĂŒr 2025 rechnet der Jungheinrich-Vorstand nun mit einem Auftragseingang zwischen 5,3 und 5,9 Milliarden Euro, statt bisher mit 5,5 bis 6,1 Milliarden. Der Umsatz soll 5,3 bis 5,9 Milliarden Euro (alt 5,4 bis 6,0 Milliarden) erreichen und der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dĂŒrfte zwischen 280 und 350 Millionen Euro (alt 430 bis 500 Millionen) liegen. Das ist deutlich weniger Gewinn als von Analysten aktuell im Durchschnitt erwartet.
Anfang Mai hatte Jungheinrich sich ehrgeizige Wachstumsziele bis 2030 gesetzt. Die Hamburger wollen bis zum Ende des Jahrzehnts 10 Milliarden Euro Umsatz machen, wovon 10 Prozent als operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern hĂ€ngen bleiben soll. Analysten waren hingegen eher skeptisch, dass diese Ziele zu erreichen sind. Das nun verkĂŒndete Sparprogramm dĂŒrfte auf die höhere ProfitabilitĂ€t einzahlen.
Jefferies-Analyst Lucas Ferhani merkte an, dass Jungheinrich bislang nicht auf einen Restrukturierungsbedarf verwiesen habe. Er fĂŒhrte das Sparprogramm daher auf die anhaltende MarktschwĂ€che im GabelstaplergeschĂ€ft und den anhaltenden Wettbewerbsdruck zurĂŒck.
Er verglich die KostenmaĂnahmen von Jungheinrich mit jenen von Kion. Die Frankfurter hatten ihrerseits bereits Anfang Februar ein Sparprogramm verkĂŒndet. Ferhani kommt zu dem Schluss, dass die Gesamtkosten und die Dauer, bis die Kosten fĂŒr die Programme gedeckt sind, bei den beiden Unternehmen Ă€hnlich sind. Allerdings kĂ€men die Vorteile der Einsparungen bei Jungheinrich erst etwas spĂ€ter zum Tragen. Der Analyst hĂ€lt die Sparprogramme fĂŒr "die richtigen strategischen Schritte".

