Iran-Konflikt weitet sich aus - Hisbollah greift Israel an
02.03.2026 - 06:35:13 | dpa.deDie libanesische Hisbollah-Miliz feuerte in der Nacht mehrere Raketen auf Israel ab und greift damit an der Seite Teherans in den Kampf gegen den Erzfeind ein. Israel reagierte mit Bombardements in sĂŒdlichen Vororten der Hauptstadt Beirut und anderen Teilen des nördlichen Nachbarlandes. Zugleich startete Israels Luftwaffe nach Armeeangaben eine neue Angriffswelle im Herzen Teherans. Auch das US-MilitĂ€r greift laut PrĂ€sident Donald Trump weiter im Iran an.
Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im November 2024, dass die vom Iran unterstĂŒtzte Schiiten-Miliz Israel mit Raketen angreift. Sie begrĂŒndete dies mit der Tötung Chameneis bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Teheran. Israels Armee fing nach eigenen Angaben ein Geschoss ab, andere seien in offenem GelĂ€nde niedergegangen. Die Hisbollah trage "die volle Verantwortung fĂŒr jede Eskalation", erklĂ€rte der israelische Generalstabschef Ejal Zamir in der Nacht.
Israel warnt vor Eskalation
Israels Armee griff in Reaktion darauf in Beirut nach eigenen Angaben ranghohe Mitglieder der Hisbollah an. Ein weiteres sei im SĂŒden des Libanons getroffen worden. Die Angriffe im Libanon wĂŒrden fortgesetzt, "ihre IntensitĂ€t wird zunehmen", kĂŒndigte der zustĂ€ndige israelische Kommandeur Rafi Milo heute Morgen nach der ersten Angriffswelle an. Israel und die Hisbollah fĂŒhrten bis Ende 2024 Krieg, seither gilt eigentlich eine Waffenruhe. Die Miliz ist zwar stark geschwĂ€cht, soll jedoch noch ĂŒber groĂe militĂ€rische FĂ€higkeiten verfĂŒgen.
Eine weitere mit dem Iran verbĂŒndete Miliz im Irak griff nach eigenen Angaben einen StĂŒtzpunkt der US-Truppen in der Hauptstadt Bagdad an. Sie habe heute am frĂŒhen Morgen den US-StĂŒtzpunkt nahe dem Flughafen mit einer Drohne attackiert, teilte Saraja Aulija al-Dam mit. Auch sie sprach von "Vergeltung" fĂŒr Chameneis Tod und "UnterstĂŒtzung" fĂŒr den Iran. Eine BestĂ€tigung von offizieller irakischer Seite oder vom US-MilitĂ€r gab es zunĂ€chst nicht.
Israel und die USA attackieren seit Samstag Ziele im Iran. In den ersten 24 Stunden griff allein das US-MilitÀr nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Ziele in der Islamischen Republik an. Dazu gehörten unter anderem das Hauptquartier der Revolutionsgarden, Luftabwehrsysteme, Kriegsschiffe, U-Boote, militÀrische Kommunikationseinrichtungen, Kommandozentren sowie Stellungen mit ballistischen Raketen, wie das Regionalkommando des MilitÀrs (Centcom) mitteilte.
Teheran reagiert mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen die USA StĂŒtzpunkte unterhalten. Die Staaten in der Region des Persischen Golfs verurteilten Irans "ungerechtfertigte" Angriffe auf ihre Territorien. Man werde "alle nötigen MaĂnahmen" ergreifen, Sicherheit und StabilitĂ€t zu gewĂ€hren sowie alle BĂŒrger zu schĂŒtzen, "einschlieĂlich der Option, auf die Aggression zu antworten", erklĂ€rten die AuĂenminister des Golfkooperationsrats (GCC).
Golfstaaten verurteilen Irans Gegenangriffe
Bislang haben die Staaten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Angriffe des Irans nur abgewehrt, aber nicht zurĂŒckgeschlagen. Die USA und eine Gruppe arabischer Staaten verurteilten Irans Gegenangriffe in einer gemeinsamen ErklĂ€rung. Diese stellten eine gefĂ€hrliche Eskalation dar, die die SouverĂ€nitĂ€t mehrerer Staaten verletze und die regionale StabilitĂ€t gefĂ€hrde, erklĂ€rte das US-AuĂenministerium.
Die Emirate schlieĂen nach eigenen Angaben ihre Botschaft in Teheran und ziehen ihren Botschafter sowie sĂ€mtliches diplomatisches Personal aus dem Iran ab. Das MilitĂ€r des Landes wehrte nach eigenen Angaben inzwischen unter anderem 152 ballistische Raketen und 506 Drohnen aus dem Iran ab. In Bahrain stĂŒrzten TrĂŒmmer einer abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten ein Feuer aus. Dabei starb ein Arbeiter, wie das Innenministerium auf X mitteilte.
Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien forderten den Iran auf, die Angriffe zu stoppen und behalten sich militĂ€rische AbwehrmaĂnahmen vor. Die Angriffe seien "wahllos und unverhĂ€ltnismĂ€Ăig", hieĂ es in einer in Berlin verbreiteten gemeinsamen ErklĂ€rung von Kanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer.
Der britische LuftwaffenstĂŒtzpunkt Akrotiri auf Zypern wurde derweil in der Nacht von einer mutmaĂlichen Drohne getroffen. Das bestĂ€tigte das Verteidigungsministerium in London laut der Nachrichtenagentur PA. Bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden. Wer die Drohne abgefeuert hatte, war zunĂ€chst nicht bekannt.
USA und Israel greifen weiter an
Derweil greifen die USA und Israel den Iran weiter an. Dabei werden vor allem Mitglieder der Staats- und MilitĂ€rfĂŒhrung ins Visier genommen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Sonntagabend die Namen von sieben getöteten GenerĂ€len. Darunter sind Mohammed Schirasi, der Stabschef des getöteten Chamenei und dessen Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh.
"Die Kampfhandlungen werden derzeit mit voller Kraft fortgesetzt und werden so lange andauern, bis alle unsere Ziele erfĂŒllt sind", sagte US-PrĂ€sident Trump. Das US-MilitĂ€r setzt dabei nach eigenen Angaben auch Tarnkappenbomber vom Typ B-2 ein. Sie griffen mit gut 900 Kilogramm (2.000 Pfund) schweren Bomben Irans besonders gut geschĂŒtzte Einrichtungen fĂŒr ballistische Raketen an, wie das zustĂ€ndige Regionalkommando Centcom auf X mitteilte.
Der Iran sieht seine FĂ€higkeiten, Krieg zu fĂŒhren, durch die amerikanisch-israelischen Bombardierungen nicht eingeschrĂ€nkt. Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten seinem Land, den Krieg nach Belieben in die LĂ€nge zu ziehen, schrieb Irans AuĂenminister Abbas Araghtschi auf X.
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