Ergebnisse, Produktion/Absatz

Hella macht weniger GeschÀft als gedacht - Sparprogramm in Europa

16.02.2024 - 11:23:38

Der Scheinwerfer-Spezialist Hella DE000A13SX22 setzt nach einem ĂŒberraschend geringen Umsatzplus den Rotstift vor allem in Europa an.

Im neuen Jahr rechnen die LippstĂ€dter mit einer stagnierenden weltweiten Autoproduktion und wegen einer langsameren Erholung in Europa nur mit einer leichten Verbesserung des eigenen GeschĂ€fts. Europa sei die Region des Autozulieferers mit der niedrigsten ProfitabilitĂ€t, sagte Hella-Chef Bernard SchĂ€ferbarthold am Freitag in einer Konferenz mit Analysten. Er will nun Hand an das Produktionsnetzwerk legen und die Ausgaben fĂŒr Forschung und Entwicklung effizienter einsetzen.

Die im MDax DE0008467416 notierte Hella-Aktie fiel am Vormittag vorĂŒbergehend um rund vier Prozent auf 77,70 Euro und war damit so billig wie seit November nicht mehr. Zuletzt lag ihr Kurs noch mit einem halben Prozent im Minus. JPMorgan-Analyst Akshat Kacker schrieb in einem frĂŒhen Kommentar, seine SchĂ€tzungen lĂ€gen am oberen Ende der neuen Unternehmensprognose. Zudem habe sich die Marge im vierten Quartal teils schwach entwickelt. Der Kurs der Hella-Aktie pendelt seit Mitte Dezember in einem Korridor von 80 bis 85 Euro. Davor hatte sich er sich von teils unter 65 Euro im Herbst schwungvoll erholt.

Chef SchĂ€ferbarthold rechnet damit, dass sich die Markterholung im laufenden Jahr vor allem in Europa abschwĂ€cht. Die weltweite Autoproduktion dĂŒrfte im Gesamtjahr bei rund 90 Millionen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen stagnieren.

So geht das Management von einer leichten Verbesserung der eigenen GeschĂ€ftszahlen gegenĂŒber dem Vorjahr aus. Der wĂ€hrungs- und portfoliobereinigte Umsatz soll bei 8,1 bis 8,6 Milliarden Euro liegen, die operative Marge bei 6,0 bis 7,0 Prozent. Bei der Marge hatten Experten mehr erwartet, auch beim Umsatz liegt ihre durchschnittliche SchĂ€tzung im oberen Bereich der Spanne.

Ein Sparprogramm soll die Kosten bis Ende 2028 nun um brutto 400 Millionen Euro senken. Bis Ende 2025 sollen davon 150 Millionen erreicht sein. Den Spareffekt bezifferte SchĂ€ferbarthold netto auf insgesamt etwa 200 Millionen Euro. Einige Produkte sollen an kostengĂŒnstigeren Standorten hergestellt werden, die noch KapazitĂ€ten dafĂŒr haben. DafĂŒr wird an anderen Standorten die KapazitĂ€t gesenkt.

Hella erwartet fĂŒr das Sparprogramm insgesamt Aufwendungen von rund 200 Millionen Euro. Details etwa zu einem möglichen Stellenabbau wollte SchĂ€ferbarthold noch nicht nennen; diese wĂŒrden in den kommenden Monaten ausgearbeitet. Das Programm solle so sozialverantwortlich wie möglich gestaltet werden.

Die Branche insgesamt kĂ€mpft mit Kostensenkungen gegen die Flaute an. Der Autozulieferer Continental DE0005439004 hatte Mitte der Woche sein bereits angekĂŒndigtes Sparprogramm detailliert: Weltweit rund 7150 Stellen sollen in der Verwaltung sowie in Forschung und Entwicklung wegfallen.

Die Aussichten fĂŒr die Autobranche in Europa hĂ€tten sich drastisch eingetrĂŒbt, sagte SchĂ€ferbarthold. FĂŒr 2025 lĂ€gen die SchĂ€tzungen fĂŒr die Autoproduktion fast 30 Prozent unter denen von vor der Covid-19-Pandemie. Bis 2030 dĂŒrfte der europĂ€ische Markt auf einem Niveau von rund 17 Millionen Fahrzeugen stagnieren.

In diesem Jahr kÀmen schleppende VerkÀufe von Elektroautos hinzu. Diese zögen die Elektroniksparte der Westfalen in Mitleidenschaft. Der Wettbewerbs- und Kostendruck insgesamt nehme durch die wachsenden Marktanteile chinesischer Autobauer und durch den Markteintritt chinesischer Zulieferer zu.

Hella erzielte im abgelaufenen Jahr laut vorlÀufigen Zahlen ein Umsatzplus von 10,3 Prozent auf 8,0 Milliarden Euro. Analysten hatten sich im Schnitt mehr ausgerechnet. Laut SchÀferbarthold kam im vierten Quartal weniger Umsatz herein als auch vom Management selbst erwartet. ModellÀnderungen bei den Autobauern sowie eine schwÀchere Nachfrage nach Elektroautos belasteten.

Das operative Ergebnis verbesserte sich 2023 im Vergleich zum schwachen Vorjahr um 65 Prozent auf 486 Millionen Euro. Die entsprechende Marge fiel wie von Fachleuten erwartet mit 6,1 Prozent um zwei Prozentpunkte höher aus als ein Jahr zuvor.

Hella gehört seit Anfang 2022 zum französischen Autozulieferer Forvia FR0000121147 (ehemals Faurecia). Dieser hĂ€lt fast 82 Prozent der gelisteten Anteile des zuletzt mit rund neun Milliarden Euro bewerteten Unternehmens. Der vom US-MilliardĂ€r Paul Singer kontrollierte Hedgefonds Elliott hĂ€lt knapp zehn Prozent der Anteile direkt; ĂŒber Finanzinstrumente hat er Zugriff auf weitere gut fĂŒnf Prozent. Detaillierte Finanzzahlen legt Hella am 15. MĂ€rz vor.

@ dpa.de | DE000A13SX22 ERGEBNISSE