EuropÀer wollen Trumps Zolldrohung gemeinsam kontern
18.01.2026 - 18:15:07Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen kĂŒndigten am Sonntag eine geeinte und koordinierte Reaktion an.
"Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation", heiĂt es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung Deutschlands mit DĂ€nemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und GroĂbritannien. Man sei entschlossen, die eigene SouverĂ€nitĂ€t zu wahren. Merz meldete sich mit Ă€hnlichem Wortlaut auch auf der Plattform X.
Trump will die zu DĂ€nemark gehörende Arktisinsel Grönland den USA einverleiben und hatte zusĂ€tzliche Zölle gegen diese acht europĂ€ischen Nato-Partner angekĂŒndigt, um seinen Plan durchzusetzen.
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte bei einem Termin in Rheinland-Pfalz: "Wir dĂŒrfen uns nicht erpressen lassen von dem, was da gerade passiert." Den Weg, den Trump einschlage, könne man nicht mitgehen. "FĂŒr mich ist wichtig, dass es eine gemeinsame deutliche Antwort der EuropĂ€er gibt. Sie muss klar in den USA gehört werden."
Trump kommt nach Davos
Erwogen wird nun wohl ein EU-Sondergipfel, möglicherweise als Online-Schalte. ZunĂ€chst wurden fĂŒr Sonntagnachmittag die stĂ€ndigen Vertreter der 27 EU-LĂ€nder in BrĂŒssel zusammengerufen. Gelegenheit zum KrisengesprĂ€ch könnte auch das Weltwirtschaftsforum in Davos sein: Trump wird dort am Mittwoch erwartet, ebenso wie Merz.
Ebenfalls diese Woche steht im Europaparlament eine Abstimmung ĂŒber den schon vor Monaten zwischen EU und USA ausgehandelten Zolldeal an, der fĂŒr die USA sehr gĂŒnstige Bedingungen brĂ€chte. DafĂŒr ist nun keine Mehrheit mehr in Sicht - womöglich ein Hebel fĂŒr die EuropĂ€er in dem Konflikt.
Trump setzt EuropÀer unter Druck
Hintergrund sind die AnsprĂŒche von PrĂ€sident Trump auf das zu DĂ€nemark gehörende Grönland. Seine europĂ€ischen Nato-Partner sind strikt dagegen.
Die am Samstag in einem beispiellosen Schritt angekĂŒndigten US-Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen ĂŒber den vollstĂ€ndigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, wie Trump auf seiner Plattform Truth Social schrieb. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10 Prozent fĂŒr in die USA gesendete Waren fĂ€llig werden, ab dem 1. Juni 25 Prozent.
Trump begrĂŒndet seine Forderung mit der Sicherheit fĂŒr die Region und die US-Bevölkerung, er macht eine Bedrohung durch China und Russland geltend. AnstoĂ nahm Trump an der militĂ€rischen Erkundungsmission der acht von der Zoll-Drohung betroffenen LĂ€nder auf Grönland. Diese soll Bedingungen fĂŒr gemeinsame Ăbungen vorbereiten und wohl auch ein Engagement fĂŒr die von Trump herausgestellte Sicherheit in der Arktis demonstrieren. Die erst am Freitag gelandeten 15 beteiligten Bundeswehr-Soldaten reisten nach offiziellen Angaben am Sonntag wieder ab - das Team habe den Auftrag erfĂŒllt, die Ergebnisse wĂŒrden in den nĂ€chsten Tagen ausgewertet.
"FĂŒr niemanden eine Bedrohung"
In der gemeinsamen ErklĂ€rung der acht Staaten hieĂ es: "Als Alliierte der Nato sind wir der StĂ€rkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet. Dies ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse." Die von DĂ€nemark koordinierte Ăbung "Arctic Endurance" diene der Sicherheit in der Arktis. "Die Ăbung stellt fĂŒr niemanden eine Bedrohung dar", erklĂ€rten die acht LĂ€nder.
Und weiter: "Wir stehen in voller SolidaritÀt an der Seite des Königreichs DÀnemark und der Bevölkerung Grönlands. Aufbauend auf dem letzte Woche begonnenen Prozess sind wir bereit, in einen Dialog einzutreten, auf Grundlage der Prinzipien der SouverÀnitÀt und territorialen IntegritÀt. Wir stehen fest zu diesen Prinzipien."
DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen begrĂŒĂte die UnterstĂŒtzung und sagte, man suche keinen Konflikt mit den USA. Aber: "Europa lĂ€sst sich nicht erpressen."
"WĂŒrde die Beziehungen untergraben"
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef AntĂłnio Costa warnten, "Zölle wĂŒrden die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefĂ€hrliche AbwĂ€rtsspirale riskieren". Auch sie sprachen von einer geeinten Antwort.
Die Eskalation ist fĂŒr die EuropĂ€er sehr heikel, weil sie im Rahmen der Nato auf VerteidigungsunterstĂŒtzung der USA angewiesen sind und Washington nicht verprellen wollen. Das gilt insbesondere fĂŒr Deutschland, das keine eigenen Atomwaffen besitzt. Doch steht Merz auch innenpolitisch unter Druck, Trump nicht in allem nachzugeben.
Maschinenbauer: "Nicht erpressen lassen"
Die GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte, mit der Androhung von Gegenzöllen zu antworten. Die Linken-AuĂenpolitikerin Lea Reisner sagte: "Auch Friedrich Merz sollte doch endlich erkennen, dass die USA kein VerbĂŒndeter mehr sind."
Selbst der deutsche Maschinenbauverband VDMA, dessen Mitgliedsfirmen unter höheren Zöllen leiden könnten, forderte eine entschlossene Reaktion: "Europa darf sich nicht erpressen lassen, auch nicht von den Vereinigten Staaten", sagte VDMA-PrĂ€sident Bertram Kawlath. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer betonte, nötig sei eine klare und gemeinsame Haltung der EU. Scharfe GegenmaĂnahmen seien aber nur das letzte Mittel, sagte ihr AuĂenwirtschaftschef Volker Treier.
Fraktionen im EU-Parlament wollen Zoll-Deal nicht mehr
Die EU und die USA hatten im vergangenen Jahr ihren Konflikt ĂŒber Trumps Zollpolitik vorlĂ€ufig mit einem Abkommen ausgerĂ€umt. Diesem muss das EU-Parlament aber noch zustimmen. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent fĂŒr die meisten europĂ€ischen Produkte gelten. Zölle auf US-IndustriegĂŒter dagegen sollen vollstĂ€ndig abgeschafft werden, und Barrieren fĂŒr den Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.
Nach Trumps Drohung erklĂ€rte der Chef der EuropĂ€ischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, eine Zustimmung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. "Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte mĂŒssen ausgesetzt werden", erklĂ€rte der CSU-Politiker. Die EVP ist die gröĂte Fraktion im EuropĂ€ischen Parlament. Da auch andere Fraktionen das Zollabkommen ablehnen, scheint eine Zustimmung des Parlaments in der kommenden Woche nun ausgeschlossen.
Widerstand auch in den USA
Auch im US-Kongress in Washington regt sich von den oppositionellen Demokraten Widerstand gegen Trumps Zollandrohung. Der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im Senat, Chuck Schumer, will die angedrohten Zölle nach eigenen Worten per Gesetz blockieren, "bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren VerbĂŒndeten in Europa weiteren Schaden zufĂŒgen", wie er erklĂ€rte.

