Witkoff in Moskau - Selenskyj in Davos?
22.01.2026 - 06:35:03Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos will sich US-PrÀsident Donald Trump heute mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj treffen. Nannte er zunÀchst den gestrigen Mittwoch als Termin, korrigierte er die Aussage spÀter vor Journalisten und erklÀrte, das Treffen werde am Donnerstag stattfinden, wie der US-Fernsehsender CNN berichtete.
Er glaube, dass Selenskyj einen Deal machen wolle, behauptete Trump in Davos. "Ich denke, ich kann sagen, dass wir einigermaĂen nah dran sind." Der Republikaner wiederholte seine Forderung, dass der seit fast vier Jahren andauernde Ukraine-Krieg enden mĂŒsse.
UrsprĂŒnglich keine ReiseplĂ€ne bei Selenskyj
Aus Kiew gab es zunĂ€chst keine BestĂ€tigung fĂŒr eine Anreise Selenskyjs. Der Ukrainer hatte im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels erklĂ€rt, dass er nicht plane, in die Schweiz zu reisen. Angesichts der schweren russischen Angriffe aus der Luft habe er im eigenen Land genĂŒgend Probleme zu klĂ€ren. Er werde höchstens fahren, wenn es VertrĂ€ge zu unterzeichnen gelte oder es neue Hilfszusagen gebe etwa bei der Flugabwehr.
Allerdings publizierte Selenskyj am Mittwoch nicht wie gewöhnlich seine abendliche Videoansprache an die Ukrainer, was ein Indiz fĂŒr eine Reise in die Schweiz sein könnte. Um nach Davos zu kommen, mĂŒsste Selenskyj aus Kiew zunĂ€chst mit dem Zug ĂŒber die Grenze nach Polen, von wo aus er dann weiterfliegen könnte.
Witkoff kommt wieder einmal nach Moskau
Derweil wird in Moskau der US-Sondergesandte Steve Witkoff nach mehreren GesprĂ€chen zwischen Amerikanern, EuropĂ€ern und Ukrainern nun erneut bei Kremlchef Wladimir Putin erwartet. Witkoff hatte dem US-Sender CNBC ein Treffen mit dem russischen PrĂ€sidenten am Donnerstag angekĂŒndigt. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner werde ihn erneut begleiten, sagte er. Die beiden waren bereits im Dezember zu einem GesprĂ€ch mit Putin nach Moskau gereist. Am Dienstagabend sprachen sie am Rande des Wirtschaftsforums in Davos mit dem Moskauer UnterhĂ€ndler Kirill Dmitrijew.
GesprĂ€che ĂŒber Geld fĂŒr Wiederaufbau
Putin bestĂ€tigte am Abend das geplante Treffen. Dabei deutete er an, bereit zu sein, auch ĂŒber eine Bezahlung des Wiederaufbaus nach Kriegsende zu verhandeln. So sagte er zunĂ€chst, dass Russland eine Milliarde Dollar aus dem in den USA festgehaltenen Geld fĂŒr eine Beteiligung am von Trump ins Leben gerufenen sogenannten Friedensrat verwenden könne - und schob dann nach: "Die ĂŒbrig bleibenden Mittel der in den USA eingefrorenen Vermögenswerte könnten ĂŒbrigens nach einem Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine auch zur Wiederherstellung der Territorien genutzt werden, die von den Kampfhandlungen in Mitleidenschaft gezogen wurden."
Bei der Formulierung blieb unklar, ob es sich um Zahlungen an Kiew handeln soll oder ob damit Aufbauarbeiten in jenen ukrainischen Territorien bezahlt werden sollen, die Russland fĂŒr sich beansprucht.
Positionen sind verhÀrtet
Die US-Regierung versucht, ein Ende des Kriegs zu vermitteln. Bei grundsĂ€tzlichen Fragen wie russischen GebietsansprĂŒchen in der Ukraine liegen die Positionen von Moskau und Kiew aber weit auseinander. Russland beharrt bislang auf seinen weitreichenden Forderungen. So verlangt der Kreml als Voraussetzung fĂŒr einen Friedensschluss neben den bereits besetzten Landstrichen den RĂŒckzug der ukrainischen Truppen aus weiteren Gebieten, die als Teil der Russischen Föderation anerkannt werden sollen.
Verzichten soll die Ukraine demnach auch auf einen Beitritt zur Nato und eine starke Armee, obwohl sich Kiew genau davon Abschreckung und wirksamen Schutz vor weiteren Aggressionen Russlands erhofft. Russlands AuĂenminister Sergej Lawrow forderte am Montag faktisch auch einen Austausch der Regierung in Kiew. Die jetzige FĂŒhrung des Landes unter Selenskyj wird von Moskau immer wieder als faschistisch bezeichnet.
Zuletzt gab es intensive GesprĂ€che im BemĂŒhen um ein Ende des seit Februar 2022 andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die US-Seite spricht dabei einerseits mit der Ukraine und deren europĂ€ischen VerbĂŒndeten und andererseits mit Russland. Direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew gibt es derzeit nicht.

