Tarifvertrag bei der Bahn steht - Warnstreiks abgewendet
16.02.2025 - 14:13:28Das teilte die Bahn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin mit. Der nĂ€chste Warnstreik im Konzern kommt damit frĂŒhestens im MĂ€rz 2026 auf die FahrgĂ€ste zu.
Ăber die Details des neuen Tarifvertrags wollen Bahn und Gewerkschaft gemeinsam am Nachmittag informieren. Die GesprĂ€che liefen seit Mittwoch. Mit dem Tarifabschluss haben beide Seiten das Ziel erreicht, noch vor der Bundestagswahl zu einer Einigung zu kommen. EVG-VerhandlungsfĂŒhrerin Cosima Ingenschay hatte vor Beginn dieser dritten Tarifrunde gesagt, es liege ein hartes StĂŒck Arbeit vor den Tarifparteien.
Seit Mittwoch wurde im Berliner Osten verhandelt
Inwieweit die Gewerkschaft nun ihre Forderungen durchsetzen konnte, blieb zunĂ€chst offen. Die EVG hatte unter anderem 7,6 Prozent mehr Einkommen sowie zusĂ€tzlich 2,6 Prozent fĂŒr Schichtarbeiter gefordert. Ein Teil dieses Zusatzgeldes sollte in freie Tage umgewandelt werden können. AuĂerdem wollte die Gewerkschaft eine BeschĂ€ftigungsgarantie bis Ende 2027.
Der aktuelle Tarifvertrag zwischen Bahn und EVG gilt noch bis Ende MĂ€rz, deshalb wĂ€ren Warnstreiks bei einem Scheitern der Verhandlungen frĂŒhestens im April möglich gewesen. Dass der neue Vertrag zwischen Bahn und EVG nun ohne einen einzigen Warnstreik steht, ist ungewöhnlich. Zuletzt hat es das nach Gewerkschaftsangaben 2016 gegeben.
NĂ€chster Warnstreik nicht vor MĂ€rz 2026
Nun ist der nĂ€chste Ausstand bei der Deutschen Bahn erst in gut einem Jahr möglich. Ende Februar 2026 lĂ€uft der Tarifvertrag zwischen der Bahn und der deutlich kleineren, aber streikerprobten Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer (GDL) aus.
Die Einigung wurde in der dritten Verhandlungsrunde erzielt. Beide Seiten hatten von Beginn an auf einen raschen Abschluss gedrungen. Auf Wunsch der EVG war der Verhandlungsbeginn sogar auf Ende Januar vorgezogen worden. Die Gewerkschaft befĂŒrchtet unter einer unionsgefĂŒhrten Bundesregierung wirtschaftliche und strukturelle Unsicherheiten fĂŒr den Konzern.
Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz hatte zuletzt noch einmal betont, Netz und Betrieb bei der Deutschen Bahn voneinander trennen zu wollen. Die EVG lehnt das strikt ab und spricht von einem "fundamentalen Angriff auf unsere ArbeitsplÀtze".
Bahn will mit Sanierung bis 2027 die Trendwende schaffen
Die Bahn wiederum hat mit sich selbst genug zu tun und wollte deshalb ebenfalls möglichst schnell einen Tarifabschluss erzielen. Zugleich strebte sie eine lange Laufzeit an - im ersten Angebot waren es 37 Monate. Dadurch versprach sich der Konzern sich Planungssicherheit fĂŒr die laufende Sanierung des Unternehmens. Mit dem Programm "S3" will die Bahn, die sowohl wirtschaftlich als auch betrieblich in der Krise steckt, bis 2027 die Trendwende schaffen.
So sollen bis 2027 wieder 75 bis 80 Prozent der FernverkehrszĂŒge pĂŒnktlich fahren. Im vergangenen Jahr lag der Wert auf einem historischen Tiefstwert von 62,5 Prozent. Allerdings hatte die Bahn sich zuletzt hĂ€ufig neue PĂŒnktlichkeitsziele gesteckt - und sie regelmĂ€Ăig verfehlt.
Nun soll aber zugleich das marode Schienennetz in Deutschland wieder auf Vordermann gebracht werden. Bis 2030 sollen dazu 41 vielbefahrene Korridore grundlegend saniert werden. Allerdings ist unklar, ob eine unionsgefĂŒhrte Bundesregierung den Plan in dieser Form weiterverfolgen wird. Auch sollen die Bahn-Töchter DB Cargo und Fernverkehr in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Umgang mit der angeschlagenen GĂŒterverkehrstochter Cargo, bei der bis 2029 rund 5.000 Stellen wegfallen sollten, war einer der Knackpunkte in den Verhandlungen.

