Telekom bringt Smartphone ohne sichtbare Apps auf den Markt
03.03.2025 - 07:35:18 | dpa.de"Es ist ein App-freies Erlebnis", sagt Telekom-TechnikvorstĂ€ndin Claudia Nemat ĂŒber das "KI-Phone", das eine Weiterentwicklung des konzerneigenen T-Phones ist und heute auf der Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona vorgestellt werden soll.
Die Idee hatte Nemat bereits vor einem Jahr als "Designkonzept" prÀsentiert. Nun ist das GerÀt weitgehend fertig - nach letzten technischen Arbeiten soll es in der zweiten JahreshÀlfte in den Verkauf kommen.
Bei dem KI-Phone berĂŒhrt der Nutzer das Display und kann dann mit dem KI-Assistenten sprechen, der die KI-Suchmaschine Perplexity nutzt. "Nach den Sprachbefehlen des Nutzers oder der Nutzerin kann der KI-Assistent Anrufe beginnen, Mails schreiben, KalendereintrĂ€ge machen, ein Taxi bestellen oder auf dem Display Hinweise zu guten Restaurants in der NĂ€he geben oder VorschlĂ€ge zu passenden Geschenken machen", sagt Nemat. Auch Wegbeschreibungen könne der KI-Assistent anzeigen oder abfotografierte Dokumente ĂŒbersetzen. AuĂerdem könnten Podcasts einfach erstellt werden.
Apps verschwinden aus dem Blickfeld
Das Besondere an dem Handy ist, dass Nutzer nicht mehr auf verschiedene Apps zugreifen mĂŒssen, um sich Informationen kleinteilig bei Diensten zusammenzusuchen. "Niemand muss sich mehr in einem Wust an Apps zurechtfinden, die er auf seinem Handy hat - der KI-Assistent ĂŒbernimmt das", sagt Nemat. "Er orchestriert die App-Nutzung."
Ganz neu ist das nicht: Inzwischen setzen auch Google US02079K1079 mit Gemini und Apple US0378331005 mit "Apple Intelligence" darauf, Apps im Hintergrund per KI auszulösen.
Ohne Apps kommt das Smartphone allerdings nicht aus: Sie sind auf dem Handy gespeichert, aber hinter der OberflÀche des KI-Assistenten verborgen. Wer will, kann die OberflÀche wegwischen und dann auf Apps zugreifen.
Mit dem Vorhaben des KI-Phones forciert der Bonner Konzern seine BemĂŒhungen, im Hardware-Markt etwas stĂ€rker FuĂ zu fassen und dabei ein innovatives Image zu pflegen, mit dem man mehr Kunden gewinnt. Bislang fĂŒhrt das T-Phone ohne den nun entwickelten KI-Assistenten eher ein Schattendasein, Verkaufszahlen dazu publiziert das Unternehmen nicht.
Vergangenes Jahr hatte die Telekom zwei mögliche Versionen des KI-Phones vorgestellt: Das nun finalisierte Mittelklasse-Smartphone und eine teurere Version mit einem Highspeed-Prozessor von Qualcomm. Bei dieser Smartphone-Version sollte die KI auch Antworten geben, wenn der Nutzer offline ist. Diese Version sei nicht weiterverfolgt worden, sagt Nemat.
Konkurrenten gehen andere Wege
Und was sagt die Konkurrenz zu dem Telekom-Vorhaben? O2 Ă€uĂert sich zurĂŒckhaltend. O2-Chef Markus Haas rechnet weiter mit einer hohen Nachfrage nach direkter App-Nutzung. "Wir werden sehen, ob sich die Sprachassistenten auf dem Smartphone so stark durchsetzen, dass sie letztendlich die Apps verdrĂ€ngen." Der Netzbetreiber sieht sich angesichts verĂ€nderter Konsumentengewohnheiten auf der Gewinnerseite. Neue KI-Anwendungen brĂ€uchten mehr Daten, also werde das Datenvolumen pro Nutzer steigen.
Vodafone GB00BH4HKS39 möchte ebenfalls kein eigenes KI-Smartphone auf den Markt bringen. KĂŒnstliche Intelligenz könne die Handybedienung zwar vereinfachen. Aber: "Um hilfreiche KI-Dienste auf die Handys zu unseren Kunden zu bringen, setzen wir auf Partnerschaften, beispielsweise mit Google", sagt Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot.
Positives Feedback von Branchenexperten
UnabhÀngige Fachleute werten das Telekom-Vorhaben positiv. Analyst Ben Wood vom Marktforschungsinstitut CCS Insight sieht KI-Assistenten, auch KI-Agenten genannt, als einen Trend auf der diesjÀhrigen Mobilfunkmesse MWC. Damit solle die Smartphone-Nutzung intuitiver werden.
"Das ist ein lobenswertes Ziel, wenngleich es in der RealitĂ€t nur schwer zu erreichen ist", sagt Wood. "KI ist ein Game-Changer, und sie wird wahrscheinlich die zukĂŒnftige Art der Interaktion mit Smartphones tiefgreifend verĂ€ndern." Wood sieht das Telekom-Vorhaben als weiteren Beleg, dass die Preise fĂŒr umfangreiche KI-FunktionalitĂ€ten in Smartphones sinken.
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