Produktion/Absatz, Wettbewerb

EMA empfiehlt Zulassung von weiterem Alzheimer-Medikament

25.07.2025 - 15:25:11

Die europĂ€ische Arzneimittelbehörde EMA hat den Weg fĂŒr ein weiteres Medikament gegen Alzheimer frei gemacht.

Nach einer erneuten PrĂŒfung werde eine EU-Marktzulassung fĂŒr den Antikörper Donanemab zur Behandlung der Krankheit in der FrĂŒhphase empfohlen, teilte der EMA-Ausschuss fĂŒr Humanarzneimittel (CHMP) in Amsterdam mit.

Allein in Deutschland leiden schĂ€tzungsweise 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer, allerdings kommt der Wirkstoff SchĂ€tzungen zufolge nur fĂŒr etwa zehn Prozent von ihnen infrage. Das Medikament kann Alzheimer weder stoppen noch heilen, sondern nur den Verlauf der Krankheit im FrĂŒhstadium etwas verlangsamen.

Zweiter Antikörper-Wirkstoff in der EU

Ob und wann Donanemab in der EuropĂ€ischen Union verwendet werden darf, entscheidet nun die EU-Kommission in BrĂŒssel. In den USA, Japan, China und Großbritannien ist der Wirkstoff unter dem Produktnamen Kisunla des Herstellers Eli Lilly US5324571083 bereits zugelassen.

Sollte BrĂŒssel der EMA-Empfehlung folgen, wĂ€re Donanemab der zweite in der EuropĂ€ischen Union zugelassene Antikörper-Wirkstoff gegen Alzheimer. Erst im April hatte die EU-Kommission das Ă€hnlich strukturierte Medikament Lecanemab (Handelsnamen Leqembi) unter strengen Auflagen zugelassen.

Bis ein halbes Jahr Verlangsamung des Krankheitsverlaufs

Beide PrĂ€parate arbeiten im Grunde Ă€hnlich: Der Antikörper richtet sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und soll dadurch den Verlauf der Krankheit im frĂŒhen Stadium verlangsamen. Donanemab entferne diese Ablagerungen sogar noch etwas deutlicher als Lecanemab, sagte der GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN), Peter Berlit, der Deutschen Presse-Agentur. Der Antikörper könne das Voranschreiten der Krankheit um bis ein halbes Jahr verlangsamen. "Das ist natĂŒrlich fĂŒr Personen, die eine ganz frĂŒh beginnende Alzheimer-Demenz haben, ein wichtiger Zeitraum."

Allerdings nĂŒtzt diese Behandlung lediglich zu Beginn der Krankheit: "Wir wissen, dass diese Antikörper nur in den ganz, ganz frĂŒhen Stadien der Erkrankungen helfen, wenn es nur leichte kognitive EinschrĂ€nkungen gibt", erlĂ€utert der Experte. Sprich: Zu diesem frĂŒhen Zeitpunkt mĂŒsse schon festgestellt sein, dass es Alzheimer ist - und nicht etwa eine vaskulĂ€re Demenz oder eine beginnende Parkinson-Krankheit.

Nur wenige Tausende kommen infrage

Ähnlich wie Lecanemab kommt auch Donanemab nach Angaben der EMA-Experten zudem nur fĂŒr einen bestimmten Personenkreis infrage: Die Betroffenen dĂŒrfen höchstens eine Kopie des ApoE4-Gens haben, das die Informationen zum Bau des Proteins Apolipoprotein E trĂ€gt.

Dieser genetische Marker komme bei Alzheimer-Betroffenen gehÀuft vor, erlÀutert Berlit. Studien zeigten, dass als Nebenwirkungen der Antikörper Schwellungen oder Blutungen im Gehirn entstehen können - "vor allem Menschen, die bei diesem ApoE-Gen eine oder zwei Kopien haben", so Berlit. "Wenn man gar keine Kopie hat, ist das Risiko der Komplikationen bei solchen Therapien verschwindend gering." Mit einer Kopie des Gens sei das Risiko noch vertretbar, mit zwei Kopien jedoch nicht mehr.

Zulassungskriterien wurden verschÀrft

Donanemab erhielt nach einer anfĂ€nglichen Ablehnung nun doch die Empfehlung zur Zulassung. "Bei der ersten Bewertung durch die EMA waren die Fachleute zum Schluss gekommen, dass das Risiko von diesen Ödem-Bildungen und Blutungen im Gehirn zu hoch sei" im Vergleich zum Nutzen, erklĂ€rte Berlit. Nun wurde die Zulassungsregelung verschĂ€rft, unter anderem mit dem Ausschluss bestimmter ApoE4-TrĂ€ger und der Nachweispflicht, dass bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) etwa keine GefĂ€ĂŸverengungen gefunden wurden. Nach DGN-SchĂ€tzungen dĂŒrften nur rund 10 Prozent der 1,2 Millionen Betroffenen in Deutschland fĂŒr diese Behandlung infrage kommen.

Eine Therapie mit Kisunla sollte von Ärzten durchgefĂŒhrt werden, die Erfahrung in der Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Krankheit und stets Zugang zu MRT hĂ€tten, erlĂ€utert die EMA. Zudem sollte das Mittel unter Aufsicht eines multidisziplinĂ€ren Teams verabreicht werden. Diese solle in der Erkennung, Überwachung und Behandlung von Anomalien im Hirn geschult sein.

@ dpa.de | US5324571083 PRODUKTION/ABSATZ