Rote, Liste

Rote Liste: Forelle nun als gefÀhrdet eingestuft

03.01.2024 - 13:48:38

Die Forelle gilt in Deutschland erstmals als gefÀhrdeter Fisch.

Das geht aus der neuen Roten Liste fĂŒr SĂŒĂŸwasserfische und Neunaugen in Deutschland hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Insgesamt seien 21 Arten in einer GefĂ€hrdungskategorie hochgestuft worden, berichtete das Leibniz-Institut fĂŒr GewĂ€sserökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, das die Liste prĂ€sentierte. Damit gĂ€lten nun mehr als die HĂ€lfte der einheimischen Arten als "gefĂ€hrdet" oder bereits als "ausgestorben". Die Liste wurde erstmals seit 2009 aktualisiert. Neunaugen sind fischĂ€hnliche, stammesgeschichtlich sehr alte Wirbeltiere.

Die Forelle (Salmo trutta) wurde von "nicht gefĂ€hrdet" auf "gefĂ€hrdet" hochgestuft. Der Bestand wird laut IGB nun in fĂŒnf BundeslĂ€ndern als rĂŒcklĂ€ufig eingeschĂ€tzt - darunter seien Bayern und Baden-WĂŒrttemberg, wo es einst große BestĂ€nde gegeben habe.

Mit rund 10 Prozent ausgestorbenen Arten an SĂŒĂŸwasserfischen und Neunaugen liegt Deutschland laut IGB deutlich ĂŒber dem europĂ€ischen Durchschnitt von 2,5 Prozent. Zu den Ursachen gehörten der Verlust von LebensrĂ€umen durch GewĂ€sserverbauung und -verschmutzung sowie der Klimawandel, sagte IGB-Forschungsgruppenleiter Christian Wolter, einer der Hauptautoren der Roten Liste.

Nach IGB-Angaben fehlen vielerorts sogenannte Altarme und flach ĂŒberflutete Auen, in denen sich die Fischbrut ungestört entwickeln könne. Auch Wehre und DĂ€mme, die Fischwanderwege unterbrechen, seien eine Ursache fĂŒr den RĂŒckgang vieler Arten. Hinzu kĂ€men die Auswirkungen des Klimawandels wie höhere Wassertemperaturen und weniger Sauerstoff im GewĂ€sser.

Auf der Liste werden nun 38 Arten als "gefĂ€hrdet" eingestuft, 2009 waren es 22 Arten. "Wir sehen eine sehr deutliche Verschlechterung der GefĂ€hrdungssituation der einheimischen SĂŒĂŸwasserfische und Neunaugen in den letzten vierzehn Jahren", sagt Wolter.

Mehr als die HÀlfte der Arten gefÀhrdet oder ausgestorben

Derzeit gelten demnach 52 Prozent der Arten als "gefÀhrdet" oder bereits "ausgestorben oder verschollen". Das seien 47 der 90 etablierten einheimischen Arten. Nur 36 Prozent gelten als "ungefÀhrdet". Die restlichen Arten sind "extrem selten", stehen auf der Vorwarnliste oder können mangels Daten nicht eingestuft werden.

"FĂŒr die meisten SĂŒĂŸwasserfische und Neunaugen sind die wichtigsten GefĂ€hrdungsursachen und geeignete Hilfs- und Schutzmaßnahmen seit Langem bekannt", sagte Wolter. "Ein großes Problem ist, dass uns als Gesellschaft oft andere Funktionen vor allem der FließgewĂ€sser wichtiger sind: Hochwasserschutz, Schifffahrt, EntwĂ€sserung, Abwassereinleitung, Stromerzeugung, Wasserentnahme, WĂ€rmeeinleitung zĂ€hlen hier mehr als ökologische Kriterien."

Als besonders gefĂ€hrdet gelten auch die Störe: Sieben der acht in Europa vorkommenden Störarten sind europaweit "vom Aussterben bedroht", die achte gilt inzwischen als "stark gefĂ€hrdet", schreibt das IGB. Auch der Atlantische Lachs (Salmo salar) sei in Deutschland trotz Wiederansiedlungen weiterhin vom Aussterben bedroht. "Die DurchgĂ€ngigkeit der FlĂŒsse fĂŒr Wanderfische wie den Atlantischen Lachs muss weiter verbessert werden, allein schon um die GefĂ€hrdung dieser kĂ€lteliebenden Art durch den Klimawandel abzumildern", sagte Wolter.

@ dpa.de