Hochwasserwelle der Oder nÀhert sich Brandenburg
20.09.2024 - 15:58:55Denn die Hochwasserwelle der Oder bewegt sich aus Polen weiter flussabwÀrts Richtung Grenze.
Brandenburgs MinisterprÀsident Dietmar Woidke (SPD) will sich am Samstag - einen Tag vor der Landtagswahl - in Frankfurt (Oder) ein Bild von den Vorbereitungen machen und mit Vertretern aus der polnischen Nachbarstadt Slubice sprechen.
So ist die Lage in Brandenburg und den anderen Hochwasserregionen:
Brandenburg
Am Pegel Frankfurt (Oder) wird laut Staatskanzlei nach derzeitiger Prognose die zweithöchste Alarmstufe am Montag und Alarmstufe 3 am Dienstag erwartet. Richtwert dafĂŒr ist ein Wasserstand von sechs Metern. Der normale Stand ist dort etwa 2,10 Meter. Bei Alarmstufe 3 können GrundstĂŒcke, StraĂen oder Keller ĂŒberflutet werden. Bislang ist die niedrigste Alarmstufe 1 fĂŒr Frankfurt (Oder), EisenhĂŒttenstadt und Ratzdorf ausgerufen.
Am Pegel Ratzdorf, etwa 40 Kilometer sĂŒdlich von Frankfurt (Oder), wird laut bisheriger Prognose des Landesumweltamtes am spĂ€ten Montagabend mit dem Erreichen der Alarmstufe 3 gerechnet, am Dienstag mit der höchsten Stufe. Der Wasserstand soll dann auf ĂŒber sechs Meter steigen, derzeit liegt er noch unter fĂŒnf Metern. Im Jahr 1997 hatte die Ortschaft Ratzdorf, wo Oder und NeiĂe zusammenflieĂen, eine Hochwasser-Katastrophe mit schweren SchĂ€den erlebt.
Polen
Die Gebietsverwaltung der grenznahen Woiwodschaft Lebus hat Hochwasseralarm fĂŒr die an der Oder gelegenen Regionen ausgerufen. Es wird erwartet, dass der Hochwasserscheitel am Sonntag die Kreisstadt Nowa Sol rund 80 Kilometer östlich der Grenze erreicht. Auch in Westpommern laufen die Vorkehrungen. In der Hafenstadt Stettin (Szczecin) nahm Regierungschef Donald Tusk an einer Sitzung des örtlichen Krisenstabs teil. Derzeit deute nichts auf ein "schwarzes Szenario" hin, sagte Tusk. Man mĂŒsse aber gut vorbereitet sein.
Tusk ernannte den frĂŒheren polnischen Innenminister und jetzigen EU-Abgeordneten Marcin Kierwinski zum Sonderbeauftragten fĂŒr den Wiederaufbau der Ăberschwemmungsgebiete im SĂŒdwesten des Landes. Im vom Hochwasser stark betroffenen niederschlesischen Breslau sei der Pegelstand zuletzt leicht gefallen, sagte der Leiter des Meteorologischen Instituts.
Ăsterreich
In Ăsterreich ist AusmaĂ der SchĂ€den durch das Hochwasser nun langsam sichtbar - und enorm. Ersten Berechnungen der Versicherungsbranche zufolge könnte sich die Schadenshöhe auf 600 bis 700 Millionen Euro belaufen. Laut dem Versicherungsverband (VVO) könnte im Extremfall auch die Milliardengrenze ĂŒberschritten werden. Man sei nun vor allem um eine "rasche und unbĂŒrokratische Schadensabwicklung" bemĂŒht.
Die österreichische Bundesregierung hat unterdessen den Katastrophenfonds zur Beseitigung der SchÀden auf eine Milliarde Euro aufgestockt. Vonseiten der EU kann das Land mit etwa 500 Millionen Euro Hilfe rechnen.
Tschechien
In Tschechien entspannt sich die Hochwasserlage. Die höchste Alarmstufe, bei der Gefahren fĂŒr Leib und Leben oder gröĂere SachschĂ€den drohen, galt nur noch an wenigen Stellen in SĂŒdböhmen. In den von Ăberflutungen am stĂ€rksten betroffenen Gegenden im Nordosten des Landes waren noch rund 19.000 Haushalte ohne Strom. Soziologen des Instituts Syri warnten, dass die Naturkatastrophe das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich in Tschechien weiter verstĂ€rke. Die Unwetter hĂ€tten ausgerechnet die Ă€rmsten Regionen am stĂ€rksten getroffen.
Slowakei
Die Slowakei verzeichnet ihren ersten Hochwassertoten. Nachdem der Hochwasserpegel in Bratislava zurĂŒckgegangen war, wurde am Donnerstag in einem Altarm der Donau die Leiche eines ertrunkenen Mannes gefunden. Das bestĂ€tigte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur TASR. Der Fernsehsender TV Joj berichtete, bei dem Toten handle es sich um einen 53 Jahre alten Bewohner einer Ufersiedlung sogenannter Hausboote.

