Frankfurt-News, Schwache

Börse Frankfurt-News: Schwache MÀrkte - und ein Allzeithoch (Rohstoffe 2023)

28.12.2023 - 13:19:49

Die Rohstoffpreise gaben 2023 insgesamt nach, speziell die Erdgas-, aber auch die ?-l- und Industriemetallpreise.

Der Goldpreis kletterte indessen auf neue Höhen. ETCs waren nicht beliebt, auch Gold-ETCs nicht.

28. Dezember 2023. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Ein Jahr fĂŒr Rohstoffinvestments war 2023 nicht - anderswo war mehr zu holen. WĂ€hrend die AktienmĂ€rkte Gewinne im zweistelligen Prozentbereich einfuhren, verlor der 20 Rohstoffe abbildende Bloomberg Commodity Index fast 11 Prozent. Auch ETC-Investor*innen wendeten sich ab: Aus europĂ€ischen Rohstoff-ETCs flossen dieses Jahr (bis Ende November) 3,5 Milliarden Euro ab, wie das MĂŒnchner Analyse- und Handelshaus Crossflow berichtet. Auf Dreijahressicht summiert sich das Minus damit auf 5,9 Milliarden Euro.

"AufwÀrtspotenzial bei Gold ausgereizt"

Schwerpunkt der VerkĂ€ufe dieses Jahr: Gold-ETCs mit AbflĂŒssen von 7,3 Milliarden Euro, vergleichsweise gut an kamen lediglich Rohstoffkörbe mit ZuflĂŒssen von netto 2,8 Milliarden Euro. Dabei hat der Goldpreis 2023 ein neues Allzeithoch erreicht: Anfang des Jahres wurde die Feinunze noch zu 1.820 US-Dollar gehandelt, Anfang Dezember waren es dann 2.135 US-Dollar, so viel wie noch nie. Aktuell sind es immer noch 2.073 US-Dollar. Der Auslöser: die Aussicht auf wieder fallende Zinsen. Da Gold keine Zinsen abwirft, wird es bei fallenden Zinsen attraktiver.

Über die weitere Goldpreisentwicklung gehen die Meinungen auseinander: "Wir halten die Markterwartungen an die Leitzinssenkung der Fed fĂŒr ĂŒberzogen und sehen das AufwĂ€rtspotenzial beim Goldpreis zunĂ€chst als ausgereizt an", kommentiert Rohstoffanalystin Dora BorbĂ©ly von der DekaBank. Sie sieht den Goldpreis im Dezember 2024 nur noch bei 1.920 US-Dollar. Nach EinschĂ€tzung von Imaru Casanova, Portfoliomanagerin Gold und Edelmetalle bei VanEck, sind die Aussichten fĂŒr den Goldpreis hingegen weiter positiv - 2024 und darĂŒber hinaus. Casanova erwartet, dass die hohen Zinsen sowie Ukraine- und Nahostkrieg die US-Wirtschaft belasten werden, wovon Gold profitieren werde. "2024 könnte Gold die jĂŒngsten Allzeithochs austesten und durchbrechen."

Im ETC-Handel auf Xetra drehte sich dieses Jahr - wie ĂŒblich - das meist um Gold-ETCs, vor allem um Xetra-Gold (DE000A0S9GB0). Hohe UmsĂ€tze verzeichneten den ETC-HĂ€ndlern zufolge außerdem regelmĂ€ĂŸig Gold-ETCs von Xtrackers (DE000A2T5DZ1), Amundi (FR0013416716), WisdomTree (JE00B1VS3770, GB00B00FHZ82) und iShares (IE00B4ND3602). Immer wieder höhere UmsĂ€tze gab es auch in Silberpreis-Trackern (IE00B43VDT70).

Der Bestand an Xetra-Gold ist etwas zurĂŒckgegangen, liegt mit aktuell 199 Tonnen aber noch auf hohem Niveau. Zur Erinnerung: Ende 2022 waren es 231 Tonnen, Ende 2021 238 Tonnen.

Brent-Preis: Von 83 auf 79 US-Dollar

Ziemlich volatil zeigte sich dieses Jahr der ?-lpreis: Das Barrel der Nordseesorte Brent wurde zwischen 70 und 96 US-Dollar gehandelt. Unter dem Strich ging es leicht abwĂ€rts: Aktuell kostet das Barrel 79 US-Dollar nach 83 US-Dollar vor einem Jahr. Treiber waren immer wieder Spekulationen ĂŒber die ?-lnachfrage in Zeiten hoher Zinsen und AngebotsĂŒberschĂŒsse oder -engpĂ€sse.

"Der globale ?-lmarkt startet nicht - wie noch vor wenigen Monaten erwartet - mit einem ausgeprĂ€gten Angebotsdefizit ins Jahr 2024", erklĂ€rt BorbĂ©ly. 2024 könne es sogar zu einem AngebotsĂŒberschuss kommen. Das liege vor allem am ĂŒberraschend krĂ€ftigen Anstieg der ?-lproduktion, etwa in den USA und in Brasilien. Auf der Nachfrageseite wĂŒrden sich zunĂ€chst noch die Bremsspuren durch die weltweite KonjunkturschwĂ€che zeigen, die aber nachlassen wĂŒrden. Alles in allem werde der globale ?-lkonsum allerdings nur moderat zunehmen, nicht zuletzt aufgrund des schwachen Wachstums Chinas. Die Bank prognostiziert 85 US-Dollar Ende 2024.

Preissturz bei Erdgas

Richtig viel Bewegung gab es beim Erdgaspreis, der sich 2023 mehr als halbiert hat. Der fĂŒr Europa relevante Terminkontrakt fĂŒr niederlĂ€ndisches Erdgas (Dutch TTF) lag Anfang des Jahres noch bei ĂŒber 80 Euro/MWh, aktuell sind es 35 Euro/MWh. Die Hochs aus dem Sommer 2022, als es kurzzeitig ĂŒber 300 Euro/MWh waren, sind ganz weit entfernt.

FĂŒr Energie-ETCs meldet Crossflow fĂŒr dieses Jahr kleinere NettozuflĂŒsse von 173 Millionen Euro. Von immer wieder regen UmsĂ€tzen berichten die ETC-HĂ€ndler fĂŒr den WisdomTree WTI Crude Oil (GB00B15KXV33), den WisdomTree Brent Crude Oil (JE00B78CGV99), den WisdomTree Natural Gas (JE00BN7KB334), aber auch Short- und gehebelte Produkte wie den WisdomTree Brent Crude Oil 3x Daily Short (IE00BLRPRK35), den WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged (JE00BDD9Q840) oder den WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged Long und Short (IE00BLRPRG98, IE00B76BRD76).

Industriemetalle: Keine großen SprĂŒnge

Was europĂ€ische Industriemetall-ETCs angeht, gab es Crossflow zufolge dieses Jahr NettozuflĂŒsse von 860 Millionen Euro. Dabei gingen die Industriemetallpreise nach einem kleinen Anstieg zu Jahresanfang im Jahresverlauf zurĂŒck. Der WisdomTree Industrial Metals (GB00B15KYG56) kommt 2023 auf ein Minus von 14 Prozent, der ebenfalls viel gehandelte WisdomTree Copper (GB00B15KXQ89) steht zum Jahresende auf dem Niveau von Ende 2022.

Aktuell profitieren die Metallpreise von der Aussicht auf schnellere Zinssenkungen, wie Barbara Lambrecht von der Commerzbank feststellt. "GrundsĂ€tzlich sind aber an den MetallmĂ€rkten auch die Nachfrageperspektiven in China sowie die metallspezifische Produktionsentwicklung von Bedeutung." Der DekaBank zufolge wird sich die Weltwirtschaft als Ganzes in den kommenden Jahren auf einem flachen Wachstumspfad bewegen. "Somit ist insgesamt mit einer nur moderaten Zunahme der globalen Rohstoffnachfrage zu rechnen", betont BorbĂ©ly. "Dies gilt insbesondere fĂŒr konjunktursensible Rohstoffbereiche wie die Industriemetalle."

von: Anna-Maria Borse, 28. Dezember 2023, © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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