Unternehmensstimmung sinkt - 'Alarmglocken' wegen Iran-Krieg
24.03.2026 - 11:07:23 | dpa.deBei der Umfrage unter Einkaufsmanagern konnte erstmals der Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten mit einem starken Anstieg von Energiepreisen voll berĂŒcksichtigt werden. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel um 1,4 Punkte auf 50,5 Punkte, wie S&P am Dienstag in London nach einer ersten SchĂ€tzung mitteilte.
Der Stimmungsindikator kann sich knapp ĂŒber der Expansionsschwelle von 50 Punkten halten. Werte ĂŒber dieser Marke deuten auf eine Zunahme der wirtschaftlichen AktivitĂ€ten hin. Volkswirte hatten mit einer StimmungseintrĂŒbung gerechnet, sie waren aber im Schnitt von einem schwĂ€cheren RĂŒckgang des Indikators auf 51,0 Punkte ausgegangen.
Allerdings zeigte sich in den einzelnen Bereichen der Wirtschaft ein unterschiedliches Bild. WĂ€hrend der Indikator fĂŒr die Industriebetriebe ĂŒberraschend gestiegen ist, ist er fĂŒr den Dienstleistungsbereich unerwartet deutlich bis knapp oberhalb der Expansionsschwelle gefallen.
Nach EinschĂ€tzung von Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global, "lĂ€uten die Alarmglocken fĂŒr eine mögliche Stagflation". Er sieht den Grund fĂŒr eine Konjunkturflaute bei gleichzeitig hoher Inflation bei den Folgen des Kriegs im Nahen Osten, "der die Preise spĂŒrbar in die Höhe treibt und gleichzeitig das Wachstum drosselt".
Noch sind die Antworten aus dem Unternehmerlager "verhĂ€ltnismĂ€Ăig gelassen ausgefallen", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Es hĂ€tte durchaus schlimmer kommen können." Allerdings wies der Experte auch darauf hin, dass Unternehmen geplante EinkĂ€ufe aus Furcht vor einer Unterbrechung von Lieferketten vorgezogen haben. Dies habe den Auftragseingang verbessert.
So zeigte sich in den deutschen Industriebetrieben trotz des Iran-Kriegs eine bessere Stimmung. Hier stieg der Indikator weiter ĂŒber die Expansionsschwelle. In Frankreich, der zweitgröĂten Volkswirtschaft der Eurozone nach Deutschland, konnte die Stimmung in den Industriebetrieben den Auswirkungen des Iran-Kriegs ebenfalls trotzen. Der Stimmungsindikator ist ĂŒberraschend gestiegen und hielt sich ĂŒber der Expansionsschwelle.
Nach EinschĂ€tzung von Robin Winkler, Chefvolkswirt fĂŒr Deutschland bei der Deutschen Bank, deuten die Umfragedaten darauf hin, dass sich die Unternehmen auf eine langfristige Störung der globalen Lieferketten vorbereiten. Ăhnlich wie wĂ€hrend des Handelskonflikts mit den USA vor einem Jahr seien AuftrĂ€ge vorgezogen worden.
Die Entwicklung im Ăberblick:
Region/Index MĂ€rz Prognose Vormonat EURORAUM Gesamt 50,5 51,0 51,9 Industrie 51,4 49,6 50,8 Dienste 50,1 51,1 51,9 DEUTSCHLAND Industrie 51,7 49,5 50,9 Dienste 51,2 52,5 53,5 FRANKREICH Industrie 50,2 49,5 50,1 Dienste 48,3 49,0 49,6
(Angaben in Punkten)
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