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Digital Networks Act: EU will Telekom-Markt revolutionieren

25.01.2026 - 00:31:12

Die EU-Kommission legt den Digital Networks Act vor, um einen harmonisierten Binnenmarkt für Telekommunikation zu schaffen und Investitionen in Glasfaser sowie 5G/6G zu beschleunigen.

Die EU-Kommission stellt die Weichen für Europas digitale Zukunft – mit einem Gesetz, das den Telekom-Markt radikal vereinheitlichen soll. Der Digital Networks Act (DNA) soll Investitionen in ultraschnelle Netze ankurbeln und die Grundlage für eine souveräne KI- und Cloud-Ökonomie legen.

Ein Pass für ganz Europa: Ende des Flickenteppichs

Herzstück des am Mittwoch vorgelegten Entwurfs ist die Schaffung eines echten Binnenmarkts für Konnektivität. Statt 27 nationaler Regulierungen soll ein harmonisiertes Umfeld entstehen. Ein zentrales Instrument: ein „einheitlicher Pass“ für Anbieter. Wer sich in einem Mitgliedstaat registriert, kann damit in der gesamten Union operieren – ein massiver Bürokratieabbau.

Zudem will die Kommission die Vergabe von Funkfrequenzen stärker auf EU-Ebene koordinieren. Längere, vorhersehbare Lizenzdauern sollen Mobilfunkbetreiber zu langfristigen Investitionen in 5G- und 6G-Netze motivieren. Verpflichtend wird auch der Abschied vom Kupferkabel: Bis 2029 müssen die Staaten Pläne für den vollständigen Umstieg auf Glasfaser vorlegen, der zwischen 2030 und 2035 abgeschlossen sein soll.

Infrastruktur für den „KI-Kontinent“

Das Gesetzespaket ist explizit als Fundament für Europas KI-Ambitionen gedacht. Hochleistungsnetze sind eine Grundvoraussetzung für komplexe KI-Modelle und Cloud-Dienste. Der DNA ergänzt damit andere Großprojekte wie die geplanten „KI-Gigafabriken“ – Rechenzentren mit enormer Leistung für das Training von KI.

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Erst die Kombination aus Rechenkraft und nahtloser Datenanbindung soll europäischen Start-ups und Konzernen ermöglichen, mit Konkurrenten aus den USA und Asien gleichzuziehen. „Robuste Netze sind für unsere digitale Souveränität so strategisch wie Energieversorgung“, so ein EU-Diplomat.

Souveränität ja, „Fair Share“ nein

Der Entwurf betont digitale Resilienz und Sicherheit. Ein EU-weiter Notfallplan soll Netze vor Naturkatastrophen oder ausländischer Einflussnahme schützen. Satellitenkonnektivität wird als Schlüssel für entlegene Regionen und sichere Kommunikation hervorgehoben.

Doch eine Forderung der Telekom-Branche blieb unerfüllt: Der DNA verpflichtet Großkonzerne wie Google oder Netflix nicht, sich an den Infrastrukturkosten zu beteiligen („Fair Share“). Diese Entscheidung sorgt bereits für Konfliktstoff. Auch Netzneutralitäts-Befürworter sind alarmiert: Sie fürchten, dass Änderungen an den Grundregeln diesen Kernschutz aushöhlen könnten.

Langer Weg bis zur Umsetzung

Der DNA ist der nächste logische Schritt nach dem KI-Gesetz. Zuerst wurden Nutzung und Risiken reguliert, nun soll die physische Infrastruktur folgen. Der Vorschlag muss nun das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen und wird im Europäischen Parlament und im Rat der Mitgliedstaaten verhandelt.

Angesichts unterschiedlicher nationaler Interessen und starker Lobbys könnte die endgültige Fassung noch stark vom aktuellen Entwurf abweichen. Gelingt das Vorhaben, würde es die digitale Landschaft Europas für Jahrzehnte prägen. Scheitert es, droht der Kontinent im technologischen Wettlauf weiter zurückzufallen.

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