DIHK-Studie, Exporteure

DIHK-Studie: Deutsche Exporteure kämpfen mit Rekord-Hürden

24.03.2026 - 17:32:43 | boerse-global.de

Eine DIHK-Umfrage zeigt, dass 69 Prozent der deutschen Unternehmen unter massiven Handelshemmnissen leiden. Besonders der US-Markt wird zum Risiko, während Indien und Lateinamerika an Attraktivität gewinnen.

DIHK-Studie: Deutsche Exporteure kämpfen mit Rekord-Hürden - Foto: über boerse-global.de
DIHK-Studie: Deutsche Exporteure kämpfen mit Rekord-Hürden - Foto: über boerse-global.de

Deutsche Unternehmen sehen sich weltweit mit einem historischen Höchststand an Handelshemmnissen konfrontiert. Das zeigt die aktuelle DIHK-Untersuchung „Going International 2026“. Die Folge: Eine dramatische Neuausrichtung der globalen Strategien.

Der Anteil der Firmen, die über erhebliche Handelsbarrieren klagen, liegt bei 69 Prozent – ein Plus von elf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2005. Für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist dies ein Beleg für den fundamentalen Erosion des regelbasierten Welthandelssystems. Die internationale Geschäftsumgebung wird von vielen als zunehmend volatil und unberechenbar wahrgenommen.

USA vom Partner zum Risikofaktor

Eine der auffälligsten Entwicklungen ist der Stimmungssturz beim traditionell wichtigsten Absatzmarkt. Für 86 Prozent der deutschen Unternehmen in den USA wirken sich Zölle und Handelsbeschränkungen bereits negativ aus. Die aktuelle Geschäftslage wird mit minus 23 Punkten bewertet, die Erwartungen für die Zukunft fallen auf minus 27 Punkte.

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Verantwortlich sind politische Volatilität und rechtliche Unsicherheit. Ein Grundsatzurteil des Obersten US-Gerichtshofs vom 20. Februar 2026, das die Rechtsgrundlage bestimmter Handelspolitiken infrage stellte, hat die Planungssicherheit weiter untergraben. Die Konsequenz: Rund die Hälfte der befragten Firmen mit US-Engagement plant, Investitionen zu strecken oder Expansionspläne auf Eis zu legen. Aus der einstigen Wachstumslokomotive ist ein bedeutender Risikofaktor geworden.

Bürokratie-Wust und versteckte Protektion

Neben klassischen Zöllen werden nicht-tarifäre Handelshemmnisse zum immer größeren Problem. 51 Prozent der Exporteure kämpfen mit lokalen Zertifizierungsvorschriften, 37 Prozent mit verschärften Sicherheitsanforderungen. Exportkontrollen, besonders im Handel mit den USA und China, behindern 35 Prozent der Firmen.

Doch der Druck kommt auch von innen: 83 Prozent der Befragten sehen EU-Regularien wie Berichtspflichten, Verpackungsvorschriften und Klimaschutzauflagen als Belastung für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. DIHK-Experten sprechen von einer wachsenden „Un-Kultur“ in den Handelsbeziehungen, bei der protektionistische Maßnahmen oft als technische Standards oder Umweltauflagen getarnt werden. Vor allem für den Mittelstand wird es so immer schwieriger, in mehreren Märkten parallel präsent zu bleiben.

Flucht in neue Märkte: Indien und Lateinamerika im Fokus

Angesichts der Risiken in den USA und der anhaltenden Komplexität des chinesischen Marktes suchen deutsche Unternehmen aktiv nach Alternativen. Zum Hauptprofiteur dieser strategischen Wende wird Indien, wo die Geschäftserwartungen ein Plus von 17 Punkten erreichen. Auch Teile Lateinamerikas gewinnen als alternative Produktions- und Absatzstandorte an Attractivität.

Diese Diversifizierung ist für den DIHK keine bloße Expansionsstrategie, sondern ein notwendiger Schritt zur Risikominimierung. Ziel ist es, die Abhängigkeit von einzelnen geopolitischen Machtblöcken zu verringern. Der jüngst ausgebrochene Konflikt im Iran mit seinen Folgen für Frachtkosten und Energiepreise unterstreicht diese Dringlichkeit zusätzlich.

Appell an die Politik: Handelspakt mit Australien beschleunigen

Die Studie ist ein klarer Weckruf an die europäische Handelspolitik. Die Wirtschaft fordert den raschen Abschluss neuer Freihandelsabkommen und nennt konkret das seit langem diskutierte Abkommen mit Australien. Gleichzeitig warnt der DIHK vor den Folgen einer zu nach innen gerichteten Politik: Initiativen wie „Buy European“ oder der geplante Industrieverbündungs-Akt (IAA) müssten sorgfältig austariert werden, um keine weiteren Vergeltungsmaßnahmen von Handelspartnern zu provozieren.

Für die Compliance-Verantwortlichen in den Unternehmen bedeutet der Schritt in neue Märkte eine doppelte Herausforderung: Sie müssen sich in unterschiedlichen regulatorischen Umgebungen zurechtfinden und gleichzeitig strenge EU-Vorgaben zur Sorgfaltspflicht in der Lieferkette einhalten. Die „China-plus-one“- oder „USA-plus-one“-Strategie entwickelt sich zum Standardmodell für den deutschen Mittelstand.

Ausblick: Anpassungsfähigkeit wird entscheidend

Für 2026 und 2027 rechnet der DIHK weiter mit historisch hohen Handelshemmnissen. Der Übergang zu einer fragmentierten Weltwirtschaft mit regionalen Handelsblöcken scheint sich zu beschleunigen. Der „Exportmotor“ der deutschen Wirtschaft werde weiter Gegenwind spüren.

Entscheidend für den künftigen Erfolg wird die Fähigkeit der Unternehmen sein, ihre Lieferketten anzupassen und zu innovieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung von Handelsdokumenten wie dem digitalen Carnet ATA oder elektronischen Ursprungszeugnissen, um bürokratische Lasten zu verringern. Die Politik in Berlin und Brüssel ist gefordert, mit einer aktiven Handelsdiplomatie den Abbau offener Märkte zu verhindern – sie bleiben die Grundlage des europäischen Wohlstands. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Rekordbarrieren des Frühjahrs 2026 ein Ausreißer oder der Beginn einer neuen Ära des wirtschaftlichen Isolationismus sind.

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