ROUNDUP, Jahrestag

Jahrestag von Butscha - EU-Außenminister zeigen SolidaritĂ€t

31.03.2026 - 17:52:16 | dpa.de

(durchgehend aktualisiert)KIEW - Mit einem SolidaritĂ€tsbesuch in der Ukraine haben Außenminister Johann Wadephul und zahlreiche seiner EU-Kollegen am vierten Jahrestag der Befreiung Butschas der Opfer russischer Massaker gedacht.

(durchgehend aktualisiert)

KIEW (dpa-AFX) - Mit einem SolidaritĂ€tsbesuch in der Ukraine haben Außenminister Johann Wadephul und zahlreiche seiner EU-Kollegen am vierten Jahrestag der Befreiung Butschas der Opfer russischer Massaker gedacht. Trotz der Herausforderungen durch den Iran-Krieg machten sie deutlich, dass sie die Ukraine nicht im Stich lassen wollen. Positive Neuigkeiten zu geplanten UnterstĂŒtzungspaketen hatten sie aber nicht im GepĂ€ck - vor allem weil Ungarns Regierungschef Viktor Orban neue Russland-Sanktionen und Finanzhilfen in Höhe von bis zu 90 Milliarden blockiert.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj ĂŒbte daran bei einem Treffen mit den EU-Vertretern scharfe Kritik. Konkret seien fĂŒnf Milliarden Euro fĂŒr "Schutz und Wiederaufbau" noch nicht verwendbar - dabei geht es schon um Vorbereitungen fĂŒr den nĂ€chsten Winter. "Hier geht es um Menschenleben. Wir hĂ€tten damit im MĂ€rz beginnen mĂŒssen, aber jemand hat diesen Monat blockiert", sagte er.

Wadephul forderte, Russlands PrĂ€sident Wladimir "Putin darf von der aktuellen Eskalation im Nahen Osten nicht profitieren". Der Kremlchef hoffe darauf, dass sich die UnterstĂŒtzer der Ukraine irgendwann abwendeten. "Aber wir werden ihm diesen Gefallen nicht tun", fĂŒgte der CDU-Politiker hinzu.

Der Bundesaußenminister bezeichnete Butscha als Symbol fĂŒr russische Kriegsverbrechen. "Wohin auch immer Putins Russland geht, dahin kommen Mord und Barbarei", sagte er. "Butscha steht aber auch fĂŒr die Kraft der ukrainischen Armee zur RĂŒckeroberung großer Landesteile, fĂŒr die WiderstandsfĂ€higkeit und den Mut der Ukrainerinnen und Ukrainer."

EU-Chefdiplomatin kritisch zu Gebietsabtretungen der Ukraine

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte in diesem Zusammenhang US-Forderungen, die Ukraine solle sich bei Gebietsfragen kompromissbereit zeigen. "Wer sagt, man solle einfach Territorium abtreten, verkennt, dass es nicht nur um Land geht, sondern um Menschen", sagte sie. In besetzten Gebieten werde getötet, gefoltert, und die Kultur der Menschen werde unterdrĂŒckt. "Das mĂŒssen wir uns immer vor Augen fĂŒhren."

Bei den GesprĂ€chen der EU-Vertreter mit Selenskyj und dessen Außenminister Andrij Sybiha ging es auch um die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass die russischen Kriegsverbrechen nach einem möglichen Waffenstillstand nicht straflos bleiben.

Was in Butscha geschehen ist

Die Kleinstadt Butscha nordwestlich von Kiew war in den ersten Kriegstagen im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt worden. Nach der Befreiung durch ukrainische StreitkrĂ€fte Ende MĂ€rz wurden in den Straßen getötete Zivilisten gefunden - manche mit gefesselten HĂ€nden. Die Stadt wurde zum Symbol fĂŒr russische Kriegsverbrechen. Die Vereinten Nationen bestĂ€tigten spĂ€ter in einem Bericht den Tod Dutzender Zivilisten. Russische Offizielle weisen den Vorwurf eines Kriegsverbrechens bis heute zurĂŒck und sprechen trotz der Gegenbeweise von einer Inszenierung.

Wadephul sagte, als GrĂŒndungsmitglied der Schadenersatzkommission, die ĂŒber ZulĂ€ssigkeit und Höhe von dokumentierten AnsprĂŒchen der Ukraine entscheiden wird, und mit dem Einsatz fĂŒr ein Sondertribunal fĂŒr das Verbrechen der Aggression setze sich Deutschland dafĂŒr ein, "dass Russlands Untaten nicht ungestraft bleiben". Er habe dem GeneralsekretĂ€r des Europarats heute offiziell mitgeteilt, dass Deutschland Mitglied des Verwaltungsrats des Sondertribunals werden wolle. "Damit ist ein nĂ€chster wichtiger Schritt getan."

Kallas nennt Selenskyjs Reise an den Golf Hoffungsschimmer

Zudem waren auch die Auswirkungen des Iran-Kriegs Thema in Kiew. Kallas bezeichnete dabei die GesprĂ€che des ukrainischen PrĂ€sidenten in der Nah- und Mittelost-Region als Hoffnungsschimmer. "Möglicherweise erkennen die Golfstaaten nun, dass die Ukraine ihnen hilft - obwohl sie selbst tĂ€glich angegriffen wird. Sie unterstĂŒtzt sie mit den dringend benötigten Drohnenabwehrsystemen. Vielleicht fĂŒhrt das dazu, dass diese LĂ€nder ihrerseits der Ukraine stĂ€rker helfen", sagte sie.

An die USA appellierte Kallas, neue Sanktionen gegen Russland in Betracht zu ziehen. "Wir wĂ€ren deutlich stĂ€rker, wenn wir geschlossen auftreten und gemeinsam Druck auf Russland ausĂŒben wĂŒrden", sagte sie. Man dĂŒrfe nicht zulassen, dass die Ukraine angesichts des Iran-Kriegs in den Hintergrund gerate, sagte die EU-Außenbeauftragte.

EU-intern hoffen Kallas & Co, dass es nach der ungarischen Parlamentswahl am 12. April einen Regierungswechsel gibt und die Blockaden Orbans dann Geschichte sind. Bleibt der Rechtspopulist mit seinen guten Kontakten zum Kreml im Amt, könnten schwierige Verhandlungen ĂŒber Alternativen zum Finanzierungskonzept fĂŒr das geplante Milliardendarlehen notwendig werden.

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