Iran-Krieg zieht immer weitere Kreise - Neue Angriffe
05.03.2026 - 06:39:59 | dpa.deEine ballistische Rakete fliegt Richtung Nato-Land TĂŒrkei, Israel greift weiter Hisbollah-Stellungen im Libanon an, in den Golfstaaten gibt es Drohnen-Attacken auf zivile Ziele, die USA versenken vor Sri Lanka ein Kriegsschiff und durch die StraĂe von Hormus kommt kaum mehr Ăl und Gas: Der noch keine Woche alte Iran-Krieg zieht immer weitere Kreise.
In der Nacht auf den heutigen Donnerstag flogen die USA und Israel weiter Angriffe im Iran, Teheran griff erneut kurdische Gruppen im benachbarten Irak an und das israelische MilitĂ€r bombardierte weiter Ziele im Libanon. Zudem nahmen die BefĂŒrchtungen zu, dass Israel erneut eine Bodenoffensive in seinem nördlichen Nachbarland beginnen könnte.
Experte: Teheran will Kriegskosten fĂŒr Washington erhöhen
"Iran versucht, den Konflikt zu regionalisieren", sagt der Leiter des Iran-Programms der International Crisis Group, Ali Vaez. "Die Angriffe auf die Golfstaaten und US-StĂŒtzpunkte zeigen, dass Teheran davon ausgeht, dass die beste Option ist, die Kosten fĂŒr Washington uns seine VerbĂŒndeten so schnell wie möglich zu erhöhen."
Das Abfeuern einer ballistischen Rakete auf die TĂŒrkei am Mittwoch stellte eine neue Eskalationsstufe dar. Das iranische Geschoss hĂ€tte den wichtigen Nato-LuftwaffenstĂŒtzpunkt Incirlik treffen sollen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf US-MilitĂ€rkreise. Die Rakete war von einem Nato-Abwehrsystem abgefangen worden.
IOM-Chefin warnt vor Migrationskrise durch Iran-Krieg
Die Chefin der UN-Organisation fĂŒr Migration (IOM) warnte Europa unterdessen vor einer Migrationskrise, die sich binnen Tagen entwickeln könnte. "Schauen Sie sich das Beispiel der Ukraine an, wo innerhalb weniger Tage Millionen Menschen die Grenze ĂŒberquert haben", sagte IOM-Chefin Amy Pope im Interview der Deutschen Presse-Agentur in BrĂŒssel.
Bei Konflikten nicht weit entfernt von Europa sei es entscheidend, die Migrationsbewegungen der Menschen genau zu beobachten. "Wir sehen Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben werden. Wir beobachten, ob und wann diese Vertreibung auf andere LĂ€nder ĂŒbergreifen wird", sagte die US-Amerikanerin. "Was wir in der Vergangenheit bei Angriffen im Iran beobachtet haben, ist, dass sie zunĂ€chst die groĂen StĂ€dte verlassen und zu Familienangehörigen gehen." Entscheidend sei, ob der Konflikt andauere, sich ausweite und dabei auch zivile Infrastruktur getroffen werde. Das könnte dann zu mehr Fluchtbewegungen fĂŒhren, sagte sie.
Irans MilitÀr greift kurdische Gruppen im Irak an
Die iranischen StreitkrĂ€fte griffen nach eigenen Angaben erneut kurdische Gruppen im benachbarten Irak an. Es seien drei Raketen auf das Hauptquartier oppositioneller VerbĂ€nde abgefeuert worden, meldete die staatlichen Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf die MilitĂ€rfĂŒhrung in Teheran.
Der regierungstreue Sender Press TV veröffentlichte Videos, auf denen EinschlĂ€ge in den Stellungen "anti-iranischer Separatisten" zu sehen sein sollen. US-Medien berichteten zuletzt, PrĂ€sident Donald Trump erwĂ€ge, kurdische Gruppen fĂŒr einen Aufstand gegen Irans Regierung zu bewaffnen. Das WeiĂe Haus wies diese Darstellung zurĂŒck.
Macron warnt Netanjahu vor Bodenoffensive im Libanon
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron rief den israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu dazu auf, von einer Bodenoffensive im Nachbarland Libanon abzusehen. Es sei wichtig, dass die territoriale IntegritĂ€t des Libanon gewahrt werde und die proiranische Hisbollah-Miliz ihre Angriffe auf Israel einstelle, teilte Macron nach GesprĂ€chen mit Netanjahu und dem libanesischen PrĂ€sidenten Joseph Aoun auf der Plattform X mit. Die Parteien sollten zum Waffenruheabkommen zurĂŒckkehren.
Israels Armee lobte unterdessen ihr Vorgehen gegen Irans Stellungen mit ballistischen Raketen als erfolgreich. "Wir glauben, dass unsere EinsĂ€tze gegen diese Raketenwerfer und gegen die RaketenbestĂ€nde wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Anzahl der tĂ€glich abgefeuerten Raketen zurĂŒckgeht", sagte MilitĂ€rsprecher Nadav Schoschani. Dennoch wurde in der Nacht auf Donnerstag in Israel erneut mindestens dreimal Raketenalarm ausgelöst.
Explosion an Tanker im Persischen Golf gemeldet
Vor der KĂŒste von Kuwait im Persischen Golf kam es zu einer Explosion an einem Tanker. Der KapitĂ€n des rund 55 Kilometer sĂŒdöstlich von Mubarak al-Kabir vor Anker liegenden Schiffs habe eine groĂe Explosion an der Backbordseite bemerkt, bevor ein kleines Boot davongefahren sei, berichtete die britische Behörde fĂŒr Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO). Ăl aus dem Ladetank laufe ins Meer aus. Ein Brand sei zunĂ€chst nicht gemeldet worden, der Besatzung gehe es gut.
Zuletzt wurden im Persischen Golf, der StraĂe von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Die Eskalation hat dazu gefĂŒhrt, dass durch die strategisch bedeutende Meerenge von Hormus aktuell kaum mehr Ăltanker und Schiffe mit FlĂŒssiggas fahren, weshalb die Weltmarktpreise bereits gestiegen sind.
Nachbarschaft der US-Botschaft in Katar evakuiert
Die Umgebung der US-Botschaft in Katar wurde evakuiert. Die Bewohner der umliegenden GebĂ€ude seien vorĂŒbergehend und vorsorglich in Sicherheit gebracht worden, teilte das Innenministerium des Golfstaats mit. Ihnen seien anderweitige UnterkĂŒnfte gestellt worden.
Seit Beginn des Iran-Kriegs am Samstag feuern die iranischen StreitkrÀfte immer wieder Raketen und Drohnen auf Katar ab.
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