Drei Viertel der Kunden fĂŒr Kennzeichnung europĂ€ischer Waren
30.03.2025 - 14:13:40Eine Dreiviertelmehrheit der Menschen in Deutschland wĂŒnscht sich so etwas auch hierzulande. Das zeigt eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.
Demnach befĂŒrworten eine Kennzeichnung von Produkten aus Europa 47 Prozent "voll und ganz", 30 Prozent "eher". 11 Prozent lehnen so etwas ab, weitere 12 Prozent machen keine Angabe. YouGov hat 2.055 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland reprĂ€sentativ befragt.
Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln, Kai Hudetz, sagt: "Bei vielen Menschen sind Wut und Verunsicherung ein Treiber. RegionalitĂ€t ist schön lĂ€nger ein wichtiges Verkaufsargument im Supermarkt. Der Handelsstreit dĂŒrfte den Trend verstĂ€rken."
Edeka: Nur sehr wenige Anfragen von Kunden
Die deutschen LebensmittelhĂ€ndler planen derzeit nicht, Waren aus Europa zusĂ€tzlich auszuzeichnen. "Boykotte oder Sonderkennzeichnungen lehnen wir ab, da sie ungewollt unbeteiligte Erzeuger und Betriebe treffen. Letztlich entscheiden unsere Kunden durch ihre Nachfrage ĂŒber das Sortiment", sagt eine Sprecherin der Rewe-Gruppe. Informationen zur Herkunft der Produkte seien auf Verpackungen bereits ersichtlich.
Ein Sprecher der Edeka-Zentrale berichtet: "Bislang haben wir nur sehr wenige Anfragen von unseren Kundinnen und Kunden erhalten. Sollte sich das in Zukunft verstĂ€rken, wĂŒrden wir prĂŒfen, inwieweit eine solche Kennzeichnung europĂ€ischer Produkte sinnvoll und umsetzbar ist." Die Handelskette Kaufland hat nach eigenen Angaben nicht vor, ihre Preisauszeichnung anzupassen. Der Discounter Lidl teilt mit: "Wir bieten unseren Kunden eine groĂe Auswahl an regionalen und deutschen Produkten. AusgewĂ€hlte, internationale Artikel ergĂ€nzen unser Sortiment."
Offener Ă€uĂern sich die Unternehmen hinter vorgehaltener Hand. EuropĂ€ische Waren zu kennzeichnen, sei angesichts der GröĂe der Sortimente nicht einfach umsetzbar, heiĂt es etwa. In vielen Produkten fĂ€nden sich Bestandteile aus HerkunftslĂ€ndern in und auĂerhalb der EU. Zudem gebe es zahlreiche amerikanische Marken, die auch in Europa produziert wĂŒrden.
DÀnische SupermÀrkte mit Sternen auf dem Preisschild
Nach Anfragen zahlreicher Kunden werden europĂ€ische Waren bei den dĂ€nischen Supermarktketten FĂžtex, Netto und Bilka seit einigen Tagen mit einem Stern auf dem Preisschild ausgezeichnet. Damit soll es fĂŒr die Verbraucher leichter sein, von europĂ€ischen Firmen hergestellte Lebensmittel einzukaufen.
Die Ketten gehören jeweils zum Dachkonzern Salling Group, dessen Chef Anders Hagh die MaĂnahme Ende Februar auf LinkedIn angekĂŒndigt hatte. Den Handelsstreit zwischen Europa und der Trump-Regierung erwĂ€hnte er in dem Beitrag zwar nicht. Der EinfĂŒhrung der Sterne war in DĂ€nemark jedoch eine Debatte ĂŒber den Boykott amerikanischer Produkte aufgrund von Trumps Handelspolitik sowie seiner wiederholten BesitzansprĂŒche hinsichtlich Grönland vorangegangen.
Mehrheit will US-Produkte boykottieren
Viele Verbraucher in Deutschland sind auch offen dafĂŒr, nicht nur Lebensmittel, sondern amerikanische Waren allgemein zu boykottieren. Das geht aus einer anderen YouGov-Umfrage hervor, fĂŒr die mehr als 2.000 Menschen reprĂ€sentativ befragt wurden.
Auf die Frage, ob sie sich in Bezug auf den Zollstreit vorstellen könnten, weiterhin Produkte aus den USA zu kaufen, antworteten 53 Prozent mit "Nein, bestimmt nicht" oder mit "Nein, wahrscheinlich nicht". Als Hauptgrund nannten die Befragten politische BeweggrĂŒnde - viele (48 Prozent) wollen die USA bewusst boykottieren.

