ROUNDUP, Zölle

Zölle und starker Euro treffen Siemens Healthineers - Aktie stĂŒrzt ab

05.11.2025 - 10:11:36 | dpa.de

ERLANGEN - Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers DE000SHL1006 erwartet im laufenden GeschĂ€ftsjahr keine großen SprĂŒnge.

(neu: Aktienkurs, Analysten, Aussagen aus der Analystenkonferenz, Hintergrund)

ERLANGEN (dpa-AFX) - Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers DE000SHL1006 erwartet im laufenden GeschĂ€ftsjahr keine großen SprĂŒnge. Handelszölle und negative WĂ€hrungseffekte dĂŒrften das Ergebnis belasten, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Erlangen mit. Ihre Ziele fĂŒr das vergangene GeschĂ€ftsjahr erreichten die Erlanger - jedoch schwĂ€chte sich die Entwicklung im Schlussquartal ab.

FĂŒr das neue GeschĂ€ftsjahr 2025/26 (per Ende September) erwartet das Management um Konzernchef Bernd Montag ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 2,20 bis 2,40 Euro. Beide Faktoren dĂŒrften sich zusammen mit etwa 0,30 Euro je Aktie negativ niederschlagen, hieß es.

Allein die Zölle dĂŒrften das Ergebnis mit rund 400 Millionen Euro belasten und damit doppelt so stark wie im Vorjahr, schĂ€tzt der Vorstand. Im Vorjahr hatte Siemens Healthineers den entsprechenden Gewinn je Anteilsschein um sieben Prozent auf 2,39 Euro gesteigert. Analysten haben bislang im Schnitt eine Steigerung auf 2,48 Euro fĂŒr das neue GeschĂ€ftsjahr auf dem Zettel.

Die Healthineers-Aktie geriet am Morgen unter Druck. Zum Handelsstart stĂŒrzte das Papier zunĂ€chst um 12 Prozent ab, bevor sich das Minus etwas verringerte. Zuletzt betrĂ€gt der Kursverlust noch rund sieben Prozent. Analysten monierten den Ausblick, aber auch enttĂ€uschende Daten zum Schlussquartal. Die wichtigsten Kennziffern - Umsatz und operatives Ergebnis - hĂ€tten die Erwartungen verfehlt, kritisierte JPMorgan-Analyst David Adlington.

Der Medizintechnikkonzern habe nach drei Quartalen, in denen er besser abgeschnitten hatte als erwartet, in seinem Schlussquartal 2024/25 die Erwartungen leicht verfehlt, bemerkte Julien Dormois vom Analysehaus Jefferies. Die Umsatz- und Ergebnisprognose fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025/26 scheine angesichts der bekannten Gegenwinde durch Zölle, WĂ€hrungseffekte und einmalige Finanzeffekte bewusst vorsichtig gewĂ€hlt.

Dormois bleibt jedoch zuversichtlich und sieht den Ausblick als "mögliche Grundlage fĂŒr einen neuen (ambitionierten) Mehrjahresplan", der Mitte November vorgestellt werden soll.

Mittelfristig will Siemens Healthineers die Auswirkungen der Zölle ausgleichen. Dies soll durch Preiserhöhungen sowie Einsparungen geschehen. Dazu ĂŒberlegt das Management, Produktion in die USA verlagern - "wenn dies nötig ist und fĂŒr uns sinnvoll ist", wie Finanzvorstand Jochen Schmitz in einem Analystencall sagte.

Der vergleichbare Umsatz - bereinigt um WĂ€hrungs- und Portfolioeffekte - soll im neuen GeschĂ€ftsjahr erneut um fĂŒnf bis sechs Prozent zulegen. Auch hier hatten sich Marktexperten etwas mehr erhofft. Mit Ausnahme des Labordiagnostik-GeschĂ€fts, fĂŒr das eine Stagnation erwartet wird, sollen alle Bereiche zulegen.

Im vergangenen GeschÀftsjahr stieg der Umsatz vergleichbar um 5,9 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro, wobei sich die Entwicklung im vierten Quartal stÀrker abschwÀchte als von Analysten erwartet. Wachstumstreiber waren das GeschÀft mit der Bildgebung sowie der Krebsspezialist Varian. Regional legte das GeschÀft in Amerika den Angaben zufolge am deutlichsten zu.

Dagegen blieb die Entwicklung in China weiter unter Druck: Hier verzeichnete der Konzern einen UmsatzrĂŒckgang. Das Management zeigte sich in der Analystenkonferenz zurĂŒckhaltend, was eine schnelle Erholung im neuen GeschĂ€ftsjahr angeht. Konzernchef Montag ĂŒbte sich jedoch in Zuversicht, dass das GeschĂ€ft dort wieder auf den Wachstumspfad zurĂŒckkehren wird.

Insgesamt erreichte Siemens Healthineers seine eigenen Ziele. Das Ergebnis je Aktie lag auch innerhalb der Spanne seiner ursprĂŒnglich zu GeschĂ€ftsjahresbeginn abgegebenen Prognose. Der Medizintechnikhersteller hatte nach der ZollankĂŒndigung durch US-PrĂ€sident Donald Trump zunĂ€chst seine Ergebnisprognose gesenkt, spĂ€ter dann aber wieder angehoben. Zum Gewinnanstieg trugen nicht nur gute GeschĂ€fte mit der Bildgebung sowie Varian bei, sondern auch deutliche Verbesserung in lange schwĂ€chelnden GeschĂ€ft mit der Labordiagnostik, die Siemens Healthineers neu ausgerichtet hat.

"Trotz eines herausfordernden Umfelds haben wir ein weiteres erfolgreiches Jahr abgeschlossen", kommentierte Konzernchef Montag die Entwicklung. Das spiegelt sich auch in einer höheren Dividende wider. AktionĂ€r sollen fĂŒr das vergangene GeschĂ€ftsjahr 1,00 Euro je Aktie erhalten und damit fĂŒnf Cent mehr als im Vorjahr.

Montag sieht in der Entwicklung ein "solides Fundament fĂŒr unsere nĂ€chste Strategiephase". Am 17. November hĂ€lt Siemens Healthineers einen Investorentag ab, auf dem das Management neue Mittelfristziele setzen will.

Siemens Healthineers gehört mehrheitlich zum Technologiekonzern Siemens. Dieser hatte seine Beteiligung auf den PrĂŒfstand gestellt. Siemens hĂ€lt nach letzten offiziellen Angaben noch rund 71 Prozent an dem Unternehmen; die MĂŒnchner haben dabei ihren Anteil in diesem Jahr bereits abgeschmolzen.

Der Siemens-Konzern konzentriert sich zunehmend auf Industriesoftware und Digitalisierung und hĂ€lt in der kommenden Woche seinen Kapitalmarkttag ab. Hier erwarten sich Marktexperten Hinweise ĂŒber den weiteren Umgang mit der derzeit noch voll konsolidierten Healthineers.

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