Produktion/Absatz, Wettbewerb

EU-Behörde lehnt Empfehlung von Alzheimer-Medikament ab

26.07.2024 - 15:04:57

Es wĂ€re die erste zugelassene ursĂ€chliche Alzheimer-Therapie in der EU gewesen: Überraschend hat sich die EU-Arzneimittelbehörde EMA gegen eine Zulassung des Alzheimer-Wirkstoffs Lecanemab ausgesprochen.

Das Risiko schwerer Nebenwirkungen des Antikörpers sei höher zu bewerten als die erwartete positive Wirkung, teilte die EMA in Amsterdam mit. Dabei verwies die Behörde insbesondere auf mögliche Wassereinlagerungen und Blutungen im Gehirn von Menschen, die mit dem PrÀparat behandelt werden.

"Die Entscheidung hat mich ĂŒberrascht", sagte der Neurologe Wenzel Glanz, leitender Arzt der GedĂ€chtnissprechstunde der Uniklinik Magdeburg, der Deutschen-Presse Agentur. "Wir hatten uns schon auf die Infusionstherapien eingestellt." Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) kritisierte die Entscheidung: "Damit beschreitet Europa nicht nur einen Sonderweg, sondern befördert auch eine Zweiklassenmedizin", teilte sie in einer ErklĂ€rung mit. "Wer es sich leisten kann, wird das Medikament ĂŒber die internationale Apotheke beziehen und sich in Deutschland verabreichen lassen."

Die Therapie bremst Krankheitsverlauf in frĂŒhem Stadium

Lecanemab - Handelsname Leqembi - steht in den USA schon seit Anfang 2023 zur VerfĂŒgung, um die Alzheimer-Krankheit im FrĂŒhstadium zu behandeln. Die Therapie bessert zwar nicht die Symptome, kann den Krankheitsverlauf aber in diesem Stadium abbremsen, Studien zufolge um etwa 30 Prozent. Infrage kĂ€me der Antikörper somit nur fĂŒr einen sehr begrenzten Kreis von Alzheimer-Patienten, nach EinschĂ€tzung von Experten fĂŒr weniger als zehn Prozent. In Deutschland sind SchĂ€tzungen zufolge etwa eine Million Menschen von der Krankheit betroffen.

Zu den Nebenwirkungen zĂ€hlen Mikroblutungen und Ödeme im Gehirn. Daher muss eine Therapie regelmĂ€ĂŸig mit Untersuchungen per Kernspin (MRT) kontrolliert werden. Der zustĂ€ndige Ausschuss der EMA entschied nach Mitteilung der Behörde, "dass der beobachtete Effekt des PrĂ€parats beim Abbremsen des kognitiven Verfalls das Risiko von ernsthaften Nebenwirkungen (...) nicht aufwiegt".

Der Magdeburger Experte Glanz kann diese Entscheidung "bedingt nachvollziehen". "Ödeme und Blutungen gibt es bei etwa 30 Prozent der Behandelten", sagte er der dpa. "Daher erfordert die Therapie ein konstantes Monitoring, zum Beispiel durch regelmĂ€ĂŸige MRT-Untersuchungen."

Die Empfehlung der Behörde ist notwendig fĂŒr die Zulassung von Medikamenten in der EU. Das Unternehmen Eisai JP3160400002, das den Antrag auf Zulassung fĂŒr die EU gestellt hatte, darf nach Angaben der Behörde innerhalb von 15 Tagen eine erneute PrĂŒfung beantragen.

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