TikTok, Designs

EU greift TikTok wegen süchtig machenden Designs an

12.02.2026 - 09:09:12

Die EU wirft TikTok vor, mit endlosem Scrollen die Selbstkontrolle zu untergraben. Gleichzeitig zeigt eine Studie, dass Jugendliche das Smartphone als Alltagsinfrastruktur sehen.

Die EU-Kommission geht mit einem harten Vorstoß gegen süchtig machende App-Designs vor. Sie wirft TikTok vor, mit Funktionen wie endlosem Scrollen bewusst die Selbstkontrolle von Nutzern zu untergraben – besonders von Minderjährigen. Der Vorwurf könnte den chinesischen Mutterkonzern ByteDance Milliarden kosten.

„Addictive Design“: Das endlose Scrollen im Visier

Konkret stehen Design-Elemente wie „Infinite Scroll“, Autoplay-Videos und aggressive Push-Benachrichtigungen im Fokus der Brüsseler Ermittler. Die Kommission argumentiert, diese Mechanismen versetzten Nutzer in einen „Autopilot-Modus“ und untergruben die Selbstkontrolle.

Sollten sich die vorläufigen Feststellungen bestätigen, drohen TikTok Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Branchenbeobachter deuten den Schritt als klares Signal: Die Zeit bloßer Selbstverpflichtungen der Tech-Konzerne ist vorbei.

Jugend-Studie zeigt: Smartphone ist Alltags-Infrastruktur

Fast zeitgleich liefert eine neue Jugend-Digitalstudie der Postbank Einblicke in die Lebensrealität der Generation Z. Die Daten zeigen eine klare Diskrepanz zum regulatorischen Willen.

  • Eine Mehrheit von 56 Prozent der 16- bis 18-Jährigen lehnt generelle Handyverbote an Schulen ab.
  • Als Hauptgründe nennen sie die schnelle Kommunikation und die Nützlichkeit für schulische Recherchen.
  • Für die Jugend ist das Smartphone keine reine Unterhaltungsquelle, sondern essentielle Infrastruktur ihres Alltags.

Die Studie macht deutlich: Frontale Verbotsstrategien gehen an der Lebenswirklichkeit vorbei.

Phantom-Vibrationen: Die klinische Seite der Sucht

Dass die Sorgen der EU nicht aus der Luft gegriffen sind, belegen medizinische Einschätzungen. Ärzte verzeichnen einen globalen Anstieg von Verhaltensauffälligkeiten durch exzessive Handynutzung.

Ein markantes Phänomen ist das „Phantom-Vibrations-Syndrom“. Betroffene spüren ein Vibrieren, obwohl das Gerät nicht da ist – ein neurologisches Indiz für die tiefe Konditionierung auf ständige Erreichbarkeit. Auch Schlafstörungen bleiben ein dominantes Problem, verursacht durch nächtliche Nutzung.

Paradigmenwechsel: Von der Selbstkontrolle zum „Safety by Design“

Die aktuellen Entwicklungen markieren einen fundamentalen Widerspruch. Während Schulen oft auf Verbote setzen, verschiebt der EU-Vorstoß die Verantwortung auf die Anbieter.

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Experten vergleichen die Logik mit dem Verbraucherschutz: Statt nur vor Zucker zu warnen, werden nun die Rezepturen reguliert, die das Verlangen künstlich steigern. Könnte eine Entschärfung der Algorithmen der Kompromiss sein? Nutzer könnten ihre Geräte behalten, ohne in stundenlange Scroll-Schleifen zu geraten.

Die Branche reagiert bereits erwartsvoll. Analysten gehen davon aus, dass auch Konkurrenten wie Instagram oder YouTube Shorts ihre Designs nun proaktiv überprüfen werden, um ähnlichen Verfahren zuvorzukommen.

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