EU startet mit CO?-Grenzausgleich in die Finanzphase
19.04.2026 - 10:31:27 | boerse-global.deSie veröffentlichte den ersten Quartalspreis für Zertifikate: 75,36 Euro pro Tonne CO?-Äquivalent. Dieser Preis gilt für alle relevanten Importe aus dem ersten Quartal 2026 und wandelt das Instrument von einer Meldepflicht in einen echten Kostenfaktor um.
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Vom Berichten zum Bezahlen: Ein Wendepunkt
Bisher mussten Importeure nur ihre eingeführten Mengen melden. Seit Oktober 2023 lief diese Übergangsphase. Mit der Bekanntgabe des offiziellen Preises beginnt nun die finanzielle Umsetzung. Für jede Tonne CO?, die bei der Herstellung von Waren wie Stahl, Aluminium, Zement oder Dünger im Ausland entstanden ist, muss ab sofort ein Zertifikat erworben werden. Das Ziel ist klar: Europäische Hersteller, die bereits über den Emissionshandel (EU ETS) für ihren CO?-Ausstoß zahlen, sollen vor unfairem Wettbewerb geschützt werden.
Der Preis von 75,36 Euro ist kein willkürlicher Wert. Die Kommission berechnete ihn als volumengewichteten Durchschnitt der Auktionspreise im EU-ETS für das erste Quartal. Diese Methode stellt sicher, dass ausländische Produzenten denselben CO?-Preis zahlen wie europäische – eine Grundvoraussetzung für die WTO-Konformität des Mechanismus.
Volatile Märkte prägen ersten Preis
Die erste Bilanz zeigt: Der Kohlenstoffmarkt war turbulent. Zu Jahresbeginn schnellten die Preise für Emissionszertifikate (EUA) zeitweise über 90 Euro, um bis Mitte März auf etwa 60 Euro zu fallen. Analysten von S&P Global führen den Rückgang auf Unsicherheiten bei der anstehenden ETS-Reform und eine allgemein kühlere Konjunktur zurück. Der nun veröffentlichte Durchschnittspreis schafft trotz dieser Schwankungen Planungssicherheit.
Die Kommission wird die Preise 2026 weiter quartalsweise veröffentlichen. Die Rate für das zweite Quartal folgt am 6. Juli. Ab 2027 soll die Veröffentlichung dann wöchentlich erfolgen, um die Marktentwicklung noch genauer abzubilden.
Hohe Kostenunterschiede je nach Herkunft
Mit dem Referenzpreis können Importeure nun ihre maximale Belastung kalkulieren. Die Unterschiede sind enorm, besonders für die, die mit pauschalen Standardwerten rechnen müssen, statt mit nachgewiesenen betriebsspezifischen Emissionen.
- Stahl: Für aus der Türkei importiertes Warmband entstünden Kosten von etwa 100,55 Euro pro Tonne. Für Stahl aus Indien, der oft mit kohlenstoffintensiveren Methoden produziert wird, könnten es bis zu 254,13 Euro pro Tonne sein.
- Aluminium: Unlegiertes Rohaluminium aus China käme auf geschätzte 144,13 Euro pro Tonne. Die gleiche Ware aus der Türkei läge bei nur 36,37 Euro – ein Effekt unterschiedlicher Energiemixe und effizienterer Produktion.
Diese Werte sind jedoch eine Obergrenze. Wer nachweisen kann, dass die tatsächlichen Emissionen niedriger sind oder im Herkunftsland bereits ein CO?-Preis gezahlt wurde, erhält einen Abschlag. Genau darin liegt der Anreiz: Der CBAM soll Produzenten weltweit dazu bringen, ihre Prozesse zu dekarbonisieren.
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Langer Fahrplan bis zur ersten Zahlung
Trotz des feststehenden Preises fließen 2026 noch keine großen Summen. Die EU hat eine lange Einführungsphase geplant, um wirtschaftliche Schocks zu vermeiden. Für Importe des gesamten Jahres 2026 müssen faktisch nur 2,5 Prozent des errechneten CO?-Preises bezahlt werden. Dieser Anteil steigt in den Folgejahren schrittweise an, parallel zum Auslaufen der kostenlosen Zertifikate für EU-Industrien.
Der Zeitplan sieht vor, dass autorisierte CBAM-Erklärer die Zertifikate erst im Februar 2027 kaufen müssen. Die erste Abgabe dieser Zertifikate und die umfassende Jahreserklärung für alle Importe des Jahres 2026 sind dann bis zum 30. September 2027 fällig. Bei Verstößen drohen hohe Strafen: 100 Euro pro nicht abgegebener Tonne CO?, zuzüglich Inflationsausgleich. Die Zahlung der Strafe befreit jedoch nicht von der Pflicht, die fehlenden Zertifikate nachzureichen.
Ausblick: Erweiterung auf weitere Produkte geplant
Die Einführung des Preises fällt in eine Phase der Diskussion über die Zukunft des Instruments. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments empfahl Mitte April 2026, den CBAM ab dem 1. Januar 2028 auf rund 180 weitere Produkte auszuweiten. Betroffen wären dann auch weiterverarbeitete Stahl- und Aluminiumkomponenten für die Auto- und Elektroindustrie.
Damit sollen Schlupflöcher geschlossen werden, bei denen Rohstoffe außerhalb der EU nur deshalb verarbeitet werden, um die Abgabe zu umgehen. Zusätzlich plant die EU einen temporären Unterstützungsfonds für europäische Hersteller, die in Drittländern mit nicht regulierten Konkurrenten kämpfen müssen.
Für Unternehmen wird die genaue Erfassung und verifizierung ihrer Emissionen nun zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Wer weiter mit pauschalen Standardwerten arbeitet, muss ab 2027 einen Aufschlag von 20 Prozent und ab 2028 sogar von 30 Prozent hinnehmen. Der Startschuss für den finanziellen CO?-Grenzausgleich ist gefallen – die Anpassung der globalen Lieferketten hat begonnen.
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