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EZB lÀsst Leitzinsen trotz Inflationsgefahren konstant

19.03.2026 - 16:28:32 | dpa.de

FRANKFURT - Die EuropÀische Zentralbank (EZB) hÀlt die Leitzinsen trotz Sorgen vor einer neuen Inflationswelle wegen des Iran-Kriegs unverÀndert.

(Neu: Aussagen von EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde, EinschĂ€tzungen von Ökonomen)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) hĂ€lt die Leitzinsen trotz Sorgen vor einer neuen Inflationswelle wegen des Iran-Kriegs unverĂ€ndert. Der fĂŒr Sparer und Banken wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Damit tastet die EZB zum sechsten Mal in Folge die Zinsen nicht an.

Allerdings erwartet die Notenbank wegen des Ölpreisschocks und steigender Energiekosten einen Inflationsschub im Euroraum: "Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten gefĂŒhrt", sagte EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde. Er drohe die Inflation anzuheizen und die Wirtschaft zu bremsen.

Neue Inflationswelle?

Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank fĂŒr 2026 eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent im Euroraum. FĂŒr Verbraucher hĂ€tte das Folgen: Je höher die Inflationsrate, umso weniger können sie sich fĂŒr einen Euro leisten.

Noch vor wenigen Wochen sah sich die EZB in einer komfortablen Lage im Kampf gegen die Inflation. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar lag die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent.

Vom Anstieg der Inflation dĂŒrfte Deutschland nicht verschont bleiben. Das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation hierzulande in der ersten JahreshĂ€lfte von zuletzt knapp zwei Prozent "merklich ĂŒber 2,5 Prozent" steigen wird.

Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg

Die EZB will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spÀt reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand sie in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschÀtzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch.

Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland, die Inflation kletterte 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB GlaubwĂŒrdigkeit. "Bei hohen Energiepreisen ist die EZB ein gebranntes Kind", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Heute sei die Lage anders als 2022, sagt Kater: "Damals lag die Inflation bereits vor dem Energiepreisschock bei ĂŒber vier Prozent, heute sind es unter zwei Prozent." Sollte der Krieg im Nahen Osten lĂ€nger dauern, könnte die Inflation Richtung drei bis vier Prozent klettern. "Das ist zu hoch, aber weit entfernt von der Horror-Inflation vor drei Jahren."

Somit könne die EZB bis Herbst mit Zinserhöhungen abwarten, ob steigende Energiepreise auch andere Preise in die Höhe treiben. Höhere Zinsen wĂŒrden Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dĂ€mpfen kann.

Lagarde betonte, die Notenbank sei in einer guten Ausgangslage. Aber ein langfristiger Krieg könne zu einem deutlichen Preisanstieg fĂŒhren. Die EZB beobachte die Energiepreise und mögliche EngpĂ€sse in den Lieferketten genau.

Sprit und Gas bereits deutlich teurer

Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas lĂ€ngst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg ĂŒber Monate hin, wĂŒrde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone "schĂ€tzungsweise auf mindestens 3 Prozent", sagt Commerzbank DE000CBK1001-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer.

Einige Experten wie Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank LBBW, vermuten, dass die EZB im Ernstfall reagieren wird: "Bleibt die Straße von Hormus zu, wird ein deutlicher Zinsanstieg die Konsequenz sein."

Sparzinsen steigen - aber Gefahr durch Inflation

FĂŒr Sparer bedeutet die Inflationsgefahr Chancen und Risiken zugleich. Der Geldratgeber Finanztip beobachtet bei Tagesgeld steigende Aktionszinsen fĂŒr Neukunden. "Banken nutzen die aktuelle Phase, um sich mit befristeten Angeboten neue Einlagen zu sichern." Grund sei, dass Banken immer weniger an Zinssenkungen der EZB glaubten.

Auch laut dem Vergleichsportal Verivox nimmt der Konkurrenzkampf der Banken Fahrt auf. Aktuell böten 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von 3 Prozent oder mehr. Im Schnitt wĂŒrden bundesweit Tagesgelder mit 1,3 Prozent verzinst. Wegen des Iran-Kriegs "könnten die Realzinsen allerdings schnell wieder ins Minus fallen", warnt Verivox. Die jĂŒngsten moderaten Zinsanstiege dĂŒrften den kriegsbedingten Anstieg der Verbraucherpreise bei Weitem nicht ausgleichen. Erst Leitzinserhöhungen der EZB könnten dann wieder zu steigenden Sparzinsen fĂŒhren.

EZB vor schwieriger AbwÀgung

Hebt die EZB aber die Zinsen an, wĂŒrde das die Wirtschaft im Euroraum bremsen, die dieses Jahr ohnehin nur leicht wachsen dĂŒrfte und nun vom Iran-Krieg getroffen wird. Die EZB erwartet 2026 nur noch 0,9 Prozent Wachstum im Euroraum.

Selbst wenn die Energiepreise lĂ€ngerfristig erhöht bleiben, wĂ€re es fĂŒr die EZB schwierig, ihre Geldpolitik zu straffen, sagt Berenberg-Ökonom Felix Schmidt. "Denn in diesem Szenario wĂŒrde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen."

Dann wĂŒrde das gefĂŒrchtete Szenario einer Stagflation RealitĂ€t: steigende Preise bei zugleich stagnierender Wirtschaft - ein Alptraum fĂŒr die Notenbank. Sie hĂ€tte dann kaum Optionen zum Gegensteuern.

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