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Aufschwung bleibt aus

09.04.2026 - 11:08:34 | dpa.de

Hoffnungsschimmer fĂŒr den Export, aber enttĂ€uschende Februar-Bilanz der Industrie: Der erhoffte Aufschwung der Exportnation Deutschland nach drei mageren Konjunkturjahren kommt nicht in Schwung.

Es bleibt schwierig fĂŒr Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft, denn der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs ist nicht verdaut. Und ob die kurz nach Ostern von den USA und Iran verkĂŒndete Waffenruhe in eine dauerhafte Lösung des Nahost-Konflikts mĂŒndet, muss sich erst noch zeigen.

Die weitere konjunkturelle Entwicklung hĂ€nge "entscheidend vom Fortgang der Konfliktsituation im Nahen Osten" ab, fasst das Bundeswirtschaftsministerium die Lage zusammen. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) rechnet damit, dass die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges, der am 28. Februar begonnen hatte, fĂŒr den europĂ€ischen Groß- und Außenhandel noch lĂ€ngere Zeit spĂŒrbar bleiben werden.

"Wir dĂŒrfen uns hier nichts vormachen: Das ist keine Trendwende, sondern bestenfalls eine Atempause", sagt BGA-PrĂ€sident Dirk Jandura. Auch die positiven Februarzahlen dĂŒrften "nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass der deutsche Außenhandel auf einem zunehmend fragilen Fundament steht - und das bereits vor der jĂŒngsten geopolitischen Eskalation im Iran".

Aufatmen fĂŒr Exporteure

Immerhin haben Deutschlands Exporteure nach dem DÀmpfer zu Jahresbeginn im Februar wieder bessere GeschÀfte gemacht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in dem Monat Waren "Made in Germany" im Gesamtwert von 135,2 Milliarden Euro ins Ausland verkauft und damit 3,6 Prozent mehr als im Januar des laufenden Jahres. Auch im Vergleich zum Februar 2025 gab es ein Plus, wie die Wiesbadener Statistiker mitteilten: Die Ausfuhren lagen anhand vorlÀufiger Daten 2,9 Prozent höher.

WĂ€hrend jedoch die GeschĂ€fte mit den PartnerlĂ€ndern der EuropĂ€ischen Union von Januar auf Februar kalender- und saisonbereinigt zulegten, gab es sowohl auf dem besonders wichtigen US-Markt als auch im Handel mit China RĂŒckschlĂ€ge. Zwar gingen auch im Februar die meisten deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten, allerdings war deren Wert mit 12,2 Milliarden Euro 7,5 Prozent niedriger als im Januar 2026 und sogar 13,3 Prozent geringer als im Vorjahresmonat.

"Wenn die Ausfuhren in den wichtigsten Abnehmerstaat deutscher GĂŒter rĂŒcklĂ€ufig sind, ist dies jedenfalls kein gutes Signal", kommentierte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. Insgesamt kĂ€men vom Außenhandel bislang "keine nennenswerten Impulse".

Da im Februar auch die Einfuhren nach Deutschland krĂ€ftig zulegten - binnen Monatsfrist gab es ein Import-Plus von 4,7 Prozent auf 115,4 Milliarden Euro - ging der HandelsbilanzĂŒberschuss im Vergleich zum Januar etwas zurĂŒck.

Industrieproduktion sinkt ĂŒberraschend

Da zugleich die Industrieproduktion im Februar entgegen den Erwartungen gesunken ist und im MĂ€rz die in Höhe geschnellten Energiepreise den privaten Konsum gebremst haben dĂŒrften, rechnen Ökonomen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal auf der Stelle trat.

Von Januar auf Februar 2026 ging die Fertigung im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 0,3 Prozent zurĂŒck. Analysten hatten mit 0,7 Prozent Anstieg gerechnet. Zumindest fielen die Januar-Zahlen nach neuen Berechnungen nicht so schwach aus: Statt eines Minus von 0,5 Prozent ergab sich eine Stagnation der Industrieproduktion.

Die Produktion habe schon vor dem Iran-Krieg wegen hohen Kostendrucks auf dem schwachen Vorjahresniveau verharrt, ordnet der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, ein. Mit einer Trendwende sei vorerst nicht zu rechnen: "Der Energiepreisschock ist eine Hypothek fĂŒr die Industriekonjunktur in Deutschland."

Trotz aller Risiken Zuversicht

Trotz der erneuten Krise rechnet eine deutliche Mehrheit der deutschen Exporteure mit weiterem Wachstum. Laut einer Umfrage des Kreditversicherers Allianz Trade, an der in zwei Wellen im Februar und MĂ€rz weltweit etwa 6.000 Unternehmen teilnahmen, erwarten 83 Prozent der in Deutschland befragten Unternehmen fĂŒr das laufende Jahr steigende ExportumsĂ€tze.

Auf den Waffenstillstand hÀtten die MÀrkte sehr euphorisch reagiert, stellte Allianz-Experte Björn Griesbach fest. Doch er warnt: "Das Risiko ist keineswegs vom Tisch." Mit den aktuellen Kursgewinnen sei erst rund ein Drittel des Risikos wieder ausgepreist, zwei Drittel blieben aber noch.

Im Gesamtjahr 2025 waren die deutschen Exporte erstmals seit zwei Jahren wieder leicht gewachsen - trotz des Zollstreits mit der US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump. FĂŒr das laufende Jahr erwartet der Außenhandelsverband BGA bisher in Plus von 0,6 Prozent.

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