Zeuge: 'Enormes Geldverbrennen' bei Wirecard
17.10.2024 - 12:39:46 | dpa.deVor und nach der Pleite im Juni 2020 fand die auf die Rettung von Krisenfirmen spezialisierte Unternehmensberatung FTI Andersch keine Hinweise auf den Verbleib von 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in SĂŒdostasien eingezahlt sein sollten. "Das Verbrennen von Geld bei Wirecard war enorm", sagte der Zeuge, der bei FTI Andersch in leitender Funktion arbeitete. Der Berater bezifferte den damaligen Kapitalschwund bei Wirecard auf etwa 10 Millionen Euro pro Woche.
GroĂteil der Wirecard-Gesellschaften machte keinen Gewinn
Der Krisenspezialist schilderte, wie die Beratung im Sommer 2020 die Wirecard-Finanzen durchforstete. Der AnstoĂ dazu ging von den Wirecard-GlĂ€ubigerbanken aus. Die Untersuchung ergab dann, dass zwischen 2015 und 2020 netto knapp 500 Millionen Euro aus dem Unternehmen abgeflossen waren, wie der Zeuge berichtete. Der GroĂteil der in den Bilanzen verbuchten Gewinne wurde demnach von den sogenannten "Drittpartnern" (TPA) im Mittleren Osten und SĂŒdostasien erzielt, die laut Wirecard dort Kreditkartenzahlungen im Auftrag des deutschen Zahlungsdienstleisters abwickelten.
"Wir haben fast ĂŒberall reingeschaut." Andere Wirecard-Gesellschaften hĂ€tten "nahezu kein Ergebnis gemacht". "Das bedeutet, ohne das TPA-GeschĂ€ft hĂ€tte man Verluste gemacht", fragte der Vorsitzende Richter Markus Födisch. "Ja, richtig", bestĂ€tigte der Zeuge am 155. Prozesstag in dem unterirdischen Gerichtssaal in der JVA Stadelheim, Bayerns gröĂtem GefĂ€ngnis.
Stumme GeschÀftspartner
Die - laut Anklage erfundenen - TPA-Erlöse waren es auch, die auf den sĂŒdostasiatischen Treuhandkonten verbucht wurden. AuffĂ€llig erschien dem Berater damals auch, dass der Wirecard-Insolvenz keine Reaktionen dieser GeschĂ€ftspartner folgten: "Es hat sich niemand gemeldet von den TPA-Partnern oder von den HĂ€ndlern."
Insolvenzverwalter Michael JaffĂš hat bislang die vermissten 1,9 Milliarden nicht aufspĂŒren können. Der mittlerweile seit ĂŒber vier Jahren in Untersuchungshaft sitzende frĂŒhere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun bestreitet sĂ€mtliche AnklagevorwĂŒrfe und beschuldigt seinerseits eine Gruppe um den abgetauchten Vertriebsvorstand Jan Marsalek und den in MĂŒnchen mitangeklagten Kronzeugen Oliver Bellenhaus, Milliarden aus echten GeschĂ€ften veruntreut zu haben.
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