ROUNDUP, Merz

Merz lÀsst die 'Handels-Bazooka' stecken

19.01.2026 - 15:55:53 | dpa.de

Im Streit um Grönland hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Zolldrohungen von US-PrĂ€sident Donald Trump zwar kritisiert, sich aber mit der AnkĂŒndigung von Gegenmaßnahmen zurĂŒckgehalten.

Man wolle als EuropÀer "besonnen und auch angemessen" auf "solche Herausforderungen" agieren, sagte er nach Beratungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. "Wir sind uns einig, dass wir möglichst jede Eskalation in diesem Streit vermeiden wollen."

Anders als Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron verzichtete Merz darauf, das EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung - die sogenannte Handels-Bazooka - als Gegenmaßnahme ins Spiel zu bringen. Er sagte lediglich, dass Instrumente zur VerfĂŒgung stĂŒnden fĂŒr den Fall, dass es nötig werde.

Zolldrohung nach Erkundungsmission - EU-Gipfel am Donnerstag

Trump hatte am Samstag angekĂŒndigt, dass er ab dem 1. Februar Strafzölle auf Waren aus Deutschland und anderen europĂ€ischen Nato-LĂ€ndern verhĂ€ngen will, die Soldaten zu einer Erkundungsmission nach Grönland geschickt hatten. Damit will er seiner Forderung Nachdruck verleihen, die grĂ¶ĂŸte Insel der Welt von DĂ€nemark zu kaufen. Dagegen gibt es massiven Widerstand der wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten. Am Donnerstagabend wird sich ein EU-Sondergipfel damit befassen.

Macron fĂŒr die harte Tour - Merz schlĂ€gt sanftere Töne an

Frankreich hatte bereits am Sonntag einen Antrag angekĂŒndigt, ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung zu aktivieren. Konkret geht es um das Anti-Coercion-Instrument (ACI). Es ermöglicht der EU Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher Druck ausgeĂŒbt wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen. Macron sei damit beschĂ€ftigt, die europĂ€ische Reaktion auf die "inakzeptablen Drohungen von PrĂ€sident Trump" zu koordinieren, hieß es aus dem ElysĂ©e-Palast.

Merz schlug sanftere Töne an. Er werde versuchen, sich am Mittwoch am Rande des Weltwirtschaftsforums mit Trump zu treffen. "Wir wollen einfach versuchen, dieses Problem gemeinsam zu lösen", sagte er.

Kanzler vermeidet Konfrontation mit Trump wegen Ukraine

Er setzt damit seinen Kurs fort, eine direkte Konfrontation mit Trump zu vermeiden. Merz hat den US-PrĂ€sidenten in den vergangenen Monaten zwar an der einen oder anderen Stelle kritisiert, aber stets vermieden, ihn vor den Kopf zu stoßen - vor allem um die Amerikaner bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland nicht zu verlieren.

Diese Strategie sei bisher "vollumfĂ€nglich aufgegangen", sagte Merz. Er verwies auf die gemeinsamen Beratungen der EuropĂ€er und der Ukraine mit den USA ĂŒber ein Ende des Krieges in Berlin und Paris.

"Wir sind hier zusammen darum bemĂŒht, eine Lösung dieses schrecklichen Kriegs in der Ukraine herbeizufĂŒhren", sagte Merz. "Deswegen werde ich nichts tun, was diese Chancen mindert. Ich werde alles tun, was diese Chancen vergrĂ¶ĂŸert. Dazu gehört auch der Umgang mit den Zolldrohungen."

Kanzler: Amerikanische Konsumenten werden zahlen

Merz wies aber auch darauf hin, dass die amerikanischen BĂŒrger am ehesten unter den Zöllen zu leiden haben werden. "Zölle werden in der Regel von denen bezahlt, in deren Land die Importe gehen. In diesem Falle wĂŒrden die amerikanischen Konsumenten die Zölle bezahlen", sagte er. "Aber sie wĂŒrden natĂŒrlich auch unsere Wirtschaft, die Wirtschaft der EuropĂ€er und insbesondere die deutsche Wirtschaft, schaden und deswegen wollen wir hier eine Lösung finden."

Der Kanzler hofft darauf, dass der US-PrĂ€sident doch noch einlenkt. Die Erfahrungen der letzten zwölf Monate hĂ€tten gezeigt, dass Trump hĂ€ufig mit Zöllen drohe, diese teils aber auch nach GesprĂ€chen wieder zurĂŒcknehme. "Und genau das ist meine Strategie der letzten (...) acht Monate gewesen, seitdem ich im Amt bin. Und ich werde sie genauso fortsetzen", sagte Merz.

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