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Bayer muss um positives PCB-Urteil in den USA bangen - Aktie fÀllt

09.10.2024 - 13:33:36

Im US-Rechtsstreit um angebliche Gesundheitsfolgen der seit Jahrzehnten verbotenen Chemikalie PCB bleibt die Unsicherheit fĂŒr Bayer DE000BAY0017 groß.

Das oberste Gericht des Bundesstaates Washington, der Washington Supreme Court, entschied laut Gerichtsunterlagen vom Dienstag, den Fall Erickson anzunehmen. Damit wird eine vorangegangene und fĂŒr Bayer gĂŒnstig ausgefallene Entscheidung eines Berufungsgerichts nun geprĂŒft. Die Bayer-Aktien sackten zur Wochenmitte als Schlusslicht im Dax um mehr als sieben Prozent ab.

Im Falle einer Ablehnung der ÜberprĂŒfung hĂ€tte Bayer wohl einen Großteil der PCB-Streitigkeiten zu den Aktien legen können, hatte Analyst Sachin Jain von der Bank of America bereits im September erklĂ€rt und dabei auf Äußerungen eines Rechtsexperten verwiesen. Im Fall einer Verhandlung schĂ€tzte der Experte die Siegchance fĂŒr Bayer auf 50 Prozent.

Konkret geht es beim Fall Erickson um eine angebliche PCB-Belastung im Sky Valley Education Center im US-Bundesstaat Washington. Das Berufungsgericht hatte im Mai ein Urteil aus dem Jahr 2021 aufgehoben, das drei Lehrern Schadenersatz in Höhe von insgesamt 185 Millionen US-Dollar (168,5 Mio Euro) zugesprochen hatte.

Die Lehrer hatten PCB im SchulgebĂ€ude fĂŒr HirnschĂ€digungen verantwortlich gemacht. Das Berufungsgericht fand MĂ€ngel im Urteil der Vorinstanz und verwies den Fall an diese zurĂŒck. Bayer hatte hiernach auf eine Signalwirkung auch fĂŒr andere FĂ€lle in der Schule gesetzt.

Zum Fall Erickson Ă€ußerte sich Bayer am Mittwoch. Der Konzern setzt laut einer Mitteilung nun darauf, dass der Washington Supreme Court zu keinem anderen Urteil als das Berufungsgericht im Mai kommen wird. Zudem hoffen die Leverkusener auf eine grundsĂ€tzliche KlĂ€rung zum Thema Strafschadensersatz, der von Geschworenen-Jurys oftmals deutlich höher festgesetzt wird als der regulĂ€re Schadensersatz.

So argumentiert Bayer, dass das Berufungsgericht beim Thema des Strafschadenersatzes "nicht weit genug gegangen" sei. Der Washington Supreme Court solle "die falsche Anwendung des Rechts des Bundesstaates Missouri ausschließen und klarstellen", dass in dem Fall das Recht des Staates Washington gelte. Damit wĂ€re der Strafschadenersatz nicht zulĂ€ssig.

Die PCB-Verfahren sind wie auch der milliardenschwere Streit rund um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat ein teures Erbe des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Diesen hatte Bayer im Jahr 2018 ĂŒbernommen. In den PCB-Verfahren wird Monsanto vorgeworfen, jahrzehntelang verheerende Folgen der toxischen Schadstoffe verschwiegen zu haben. Das Unternehmen hatte das Mittel bis 1977 hergestellt. 1979 wurde die Chemikalie in den USA verboten.

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