Immobilienmarkt, HĂ€lfte

Immobilienmarkt: Mehr als die HĂ€lfte der HĂ€user ist sanierungsbedĂŒrftig

27.02.2026 - 05:31:16 | boerse-global.de

Eine Analyse zeigt, dass 52 Prozent der zum Verkauf stehenden EinfamilienhĂ€user in den schlechtesten Energieklassen liegen. Der Sanierungsstau fĂŒhrt zu deutlichen PreisabschlĂ€gen und stellt KĂ€ufer vor hohe finanzielle Risiken.

Immobilienmarkt: Mehr als die HĂ€lfte der HĂ€user ist sanierungsbedĂŒrftig - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Immobilienmarkt: Mehr als die HĂ€lfte der HĂ€user ist sanierungsbedĂŒrftig - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Eine neue Analyse zeigt ein alarmierendes Bild: Über die HĂ€lfte der zum Verkauf stehenden EinfamilienhĂ€user in Deutschland hat eine miserable Energiebilanz. Das Portal immowelt veröffentlichte diese Woche die Daten fĂŒr 2025.

Demnach fallen 52 Prozent aller inserierten EinfamilienhĂ€user in die schlechtesten Energieeffizienzklassen F, G oder H. Bei Eigentumswohnungen liegt der Anteil mit 13 Prozent deutlich niedriger. Insgesamt weisen 36 Prozent aller Kaufimmobilien diese schlechten Werte auf – ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber 2021 (28 Prozent).

FĂŒr KĂ€ufer wird der energetische Zustand damit zum zentralen Finanzrisiko. Neben dem Kaufpreis mĂŒssen sie oft sechsstellige Sanierungskosten einplanen.

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Der Sanierungsstau wÀchst weiter

Warum landen immer mehr unsanierte Objekte auf dem Markt? Branchenbeobachter vermuten eine strategische Reaktion der EigentĂŒmer. Angesichts hoher Energiekosten und drohender Wertverluste trennen sie sich von ihren energetischen Sorgenkindern.

Das GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) verschĂ€rft den Druck zusĂ€tzlich. Es verpflichtet neue EigentĂŒmer, innerhalb von zwei Jahren bestimmte Sanierungen vorzunehmen – etwa die DĂ€mmung der obersten Geschossdecke oder den Einbau einer klimafreundlicheren Heizung.

Die Unsicherheit ĂŒber die genauen Kosten und lange Wartezeiten beim Handwerk erschweren die Kalkulation. Die Sanierungspflicht ist lĂ€ngst zum festen Verhandlungspunkt geworden.

Überraschendes Ost-West-GefĂ€lle

Die Analyse offenbart ein starkes regionales GefĂ€lle. Überraschenderweise schneiden viele ostdeutsche StĂ€dte deutlich besser ab. In Rostock liegt der Anteil der schlechtesten Energieklassen bei nur einem Prozent, in Dresden und Leipzig unter zehn Prozent.

Der Grund: Nach der Wiedervereinigung rollte eine umfassende Modernisierungswelle durch den Osten.

Den höchsten Sanierungsstau gibt es dagegen in lĂ€ndlichen Regionen Westdeutschlands. Im saarlĂ€ndischen Landkreis St. Wendel weisen 73 Prozent der Immobilien eine miserable Energiebilanz auf. Ähnlich hoch sind die Werte im rheinland-pfĂ€lzischen Bernkastel-Wittlich (72 Prozent) und im nordrhein-westfĂ€lischen Siegen-Wittgenstein (70 Prozent).

Hier steht oft ein hoher Bestand an NachkriegsgebÀuden, die nie energetisch modernisiert wurden.

„Brown Discount“: Der Preisabschlag fĂŒr unsanierte HĂ€user

Der Markt reagiert bereits auf die neuen RealitĂ€ten. FĂŒr sanierungsbedĂŒrftige Objekte verlangen KĂ€ufer deutliche PreisnachlĂ€sse – Experten sprechen vom „Brown Discount“.

Studien zeigen: Der Preisunterschied zwischen HĂ€usern der Energieklasse A und denen der Klassen G oder H kann ĂŒber 25 Prozent betragen. In lĂ€ndlichen Gebieten sind sogar AbschlĂ€ge bis zu 50 Prozent möglich.

Kaufinteressenten rechnen die erwarteten Sanierungskosten direkt in ihre Gebote ein. Das spaltet den Markt: WĂ€hrend „grĂŒne“, energieeffiziente Immobilien wertstabil bleiben, stehen „braune“ Objekte unter massivem Preisdruck.

FĂŒr VerkĂ€ufer bedeutet das klare Konsequenzen. Ohne vorherige Modernisierung drohen erhebliche finanzielle Einbußen.

Gesellschaftliche Herausforderung mit sozialem Sprengstoff

Der massive Sanierungsstau ist mehr als ein Problem fĂŒr einzelne KĂ€ufer. Er stellt Deutschland vor eine gewaltige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Klimaziele sind ohne eine energetische Modernisierung des GebĂ€udebestands nicht zu erreichen.

Doch die hohen Anforderungen treffen auf eine angespannte Lage: Baukosten und Materialpreise sind gestiegen, im Handwerk fehlen ĂŒberall FachkrĂ€fte. Selbst Sanierungswillige sehen sich mit langen Wartezeiten und schwer kalkulierbaren Kosten konfrontiert.

Staatliche Förderprogramme können die finanzielle Last fĂŒr viele Haushalte nur teilweise abfedern. Die Situation birgt sozialen Sprengstoff, wenn die Kosten fĂŒr den klimagerechten Umbau die LeistungsfĂ€higkeit der BĂŒrger ĂŒbersteigen.

Was kommt auf KĂ€ufer und EigentĂŒmer zu?

Die Trends werden sich voraussichtlich weiter verschĂ€rfen. Der Preisabstand zwischen sanierten und unsanierten Immobilien wird grĂ¶ĂŸer. FĂŒr KĂ€ufer wird eine grĂŒndliche PrĂŒfung der Energiebilanz zur Pflicht – inklusive professioneller Energieberatung.

Sie mĂŒssen die Sanierungskosten wie einen zweiten Kaufpreis betrachten. FĂŒr EigentĂŒmer unsanierter HĂ€user steigt der Druck: investieren oder mit deutlichen Wertverlusten verkaufen.

Der politische Druck zur Einhaltung der Klimaziele bleibt hoch. Weitere VerschÀrfungen der gesetzlichen Anforderungen sind wahrscheinlich. Langfristig werden nur Immobilien mit hohem energetischem Standard ihren Wert halten. Der Traum vom Eigenheim ist damit stÀrker denn je eine Frage der Investitionsbereitschaft in Energieeffizienz.

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