ROUNDUPWohnungsbaukrise, Einheiten

Unter 200.000 neue Einheiten dieses Jahr

26.03.2026 - 13:03:57 | dpa.de

In Deutschland werden nach SchÀtzung der Baubranche dieses Jahr weniger als 200.000 neue Wohnungen fertig - nur die HÀlfte des angenommenen Bedarfs und gut 100.000 Einheiten weniger als noch 2020.

Dies erklĂ€rten Branchenvertreter beim Wohnungsbau-Tag in Berlin. Der Iran-Krieg berge neue Risiken mit steigenden Kosten fĂŒr Baustoffe und Zinsen. Als Lösung sieht die Branche billigeres Bauen mit vereinfachten Standards - den sogenannten "GebĂ€ude-Typ E", den auch Bauministerin Verena Hubertz (SPD) in Planung hat.

Das Problem

Weil es zu wenig neues Angebot gebe, sei der Wohnungsmarkt eingefroren: "Wer umzieht, hat verloren", erklĂ€rte das BĂŒndnis von sieben VerbĂ€nden und Gewerkschaften, die den Wohnungsbau-Tag organisieren. Auch wer im Alter statt einer großen eine kleinere Wohnung wolle, zahle drauf.

Familien mit Kindern fĂ€nden hingegen keine ausreichend große Bleibe. "Fast jedes fĂŒnfte Kind in Deutschland wĂ€chst in einer zu kleinen Wohnung auf", heißt es in einer Studie, die zum Wohnungsbau-Tag vorgestellt wurde. Insgesamt hĂ€tten 9,9 Millionen Menschen nach EU-Definition zu wenig Platz in ihrem Zuhause.

"Der Druck auf dem Wohnungsmarkt wird hoch bleiben", erklÀrte Arnt von Bodelschwingh vom Forschungsinstitut Regiokontext zu den Ergebnissen der Studie. "Vielen neuen Haushalten werden gar keine Wohnungen mehr angeboten werden können."

Wolfgang Schubert-Raab vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes erinnerte daran, dass lahmender Wohnungsbau die Konjunktur dÀmpfe. Die Branche erwirtschafte 530 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr. "Es ist eine Wirtschaftslokomotive, und sie darf nicht stillstehen", sagte der ZDB-PrÀsident. Noch im Jahr 2020 waren 306.000 Wohnungen fertig geworden, im Jahr 2024 immerhin noch gut 250.000.

Die Forderungen

Die Lösung aus Sicht des Wohnungsbau-BĂŒndnisses: einfacher und damit schneller bauen. Der sogenannte GebĂ€ude-Typ E ist schon lĂ€nger im GesprĂ€ch und wird in Pilotprojekten in mehreren BundeslĂ€ndern erprobt. Dabei geht es darum, nur die gesetzlichen Standards einzuhalten und nicht das, was bautechnisch möglich oder inzwischen ĂŒblich ist. Beispiele sind Schallschutz, Zahl der Steckdosen oder StellplĂ€tze.

"So könnten die durchschnittlichen Kosten im Wohnungsbau von rund 4.650 Euro pro Quadratmeter auf etwa 3.500 Euro gesenkt werden", sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt, Robert Feiger, der Deutschen Presse-Agentur.

Angesichts steigender Bauzinsen forderte Feiger zudem: "Ankurbeln lĂ€sst sich der Wohnungsbau ganz kurzfristig ĂŒber reduzierte Zinsen. Konkret fordern wir ein Förderprogramm der KfW, das die Bauzinsen auf maximal ein Prozent senkt." Profitieren sollten davon Sozialwohnungen oder Quartiere mit einer Mietpreisbindung von 8 bis 12 Euro je Quadratmeter. Das BaubĂŒndnis drĂ€ngt Bund und LĂ€nder, jĂ€hrlich 100.000 neue Sozialwohnungen zu fördern. DarĂŒber hinaus soll schneller geplant und genehmigt werden.

Die politischen Antworten

Bauministerin Hubertz betonte im Deutschlandfunk, das GebĂ€udetyp-E-Gesetz sei in Vorbereitung. "Meine Kollegin, die Justizministerin Stefanie Hubig, und ich arbeiten da mit Hochdruck dran", sagte die SPD-Politikerin. Man habe einen Beteiligungsprozess aufgesetzt, damit der neue Vertragstyp auch in der Praxis funktioniere. DarĂŒber hinaus solle mehr seriell und modular gebaut werden, also mit vorgefertigten Bauteilen. "NatĂŒrlich ist das ein großes Thema, die Baukosten mĂŒssen runter, wir sind zu teuer", sagte Hubertz.

Sie warnte aber auch: "Wir haben hohe Zinsen, wir haben Krieg, wir haben Unsicherheiten, und deswegen gibt es nicht den einen Knopf, den wir drĂŒcken mĂŒssen, und die Wohnungen sind schwuppdiwupp da. Deswegen arbeiten wir konzentriert an Gesetzen, aber auch an Investitionen in den Wohnungsbau."

Linken-Chef Jan van Aken sagte, wichtig sei bezahlbarer Wohnraum: "Teure Eigenheime lösen hier kein einziges Problem. Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Investitionsprogramm vorzulegen, um soziale und gemeinnĂŒtzige Wohnungen zu bauen." Nur kommunaler und gemeinnĂŒtziger Wohnungsbau könne dafĂŒr sorgen, dass Mieten bezahlbar blieben, meinte der Linken-Politiker.

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