Insolvenzwelle, Autozulieferer

Insolvenzwelle erfasst deutsche Autozulieferer

15.04.2026 - 10:01:48 | boerse-global.de

Die strukturelle Transformation zur E-Mobilität und hohe Kosten führen zu einer Insolvenzwelle im deutschen Automobilzulieferer-Sektor. Experten prognostizieren für 2026 einen weiteren Anstieg der Firmenpleiten.

Insolvenzwelle erfasst deutsche Autozulieferer - Foto: über boerse-global.de

Eine Welle von Insolvenzen mittelständischer und großer Betriebe erschüttert den Sektor und bedroht tausende Arbeitsplätze. Die strukturelle Transformation zur Elektromobilität und hohe Kosten setzen die Unternehmen unter massiven Druck.

Selbstverwaltung als letzter Rettungsanker

Ein prominenter Fall ist Winning BLW GmbH aus Remscheid. Der Zulieferer mit rund 1.000 Beschäftigten stellte bereits im Herbst 2025 einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Der Grund: ein Umsatzeinbruch, der alle Erwartungen deutlich unterschritt. Die Geschäftsführung hofft, das Unternehmen mit seinen hochwertigen Schmiedeteilen im laufenden Betrieb sanieren zu können.

Dies ist kein Einzelfall. Die Schlote Gruppe mit 1.350 Mitarbeitern an Standorten wie Harsum und Wernigerode musste nach der Kündigung von Kreditlinien in Höhe von 20 Millionen Euro am 1. Mai 2025 Insolvenz anmelden. Während die Produktion unter Aufsicht eines Sachwalters weiterläuft, wird fieberhaft nach einem Investor gesucht.

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Unterschiedliche Wege aus der Krise

Die Schicksale der betroffenen Unternehmen könnten unterschiedlicher nicht sein. Für Eissmann Automotive gab es nach 19-monatigem Insolvenzverfahren im Oktober 2025 eine Lösung. Die Schweizer Private-Equity-Firma Axent Capital Partners übernahm den Innenausstatter. Der Deal sicherte weltweit etwa 3.200 Jobs – doch der Preis war hoch. Der Standort Gera wurde geschlossen.

Ganz anders bei der AE Group. Der Spezialist für Aluminium-Druckgussteile fand trotz intensiver Suche keinen Käufer. Die Werke in Gerstungen und Nentershausen wurden Ende 2025 geschlossen. Rund 650 Beschäftigte wechselten in eine Transfergesellschaft, finanziert durch einen Sozialplan von 17 Millionen Euro, an dem sich auch Großkunden beteiligten.

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Dramatische Zahlen belegen den Trend

Die Dimension der Krise zeigt eine Analyse der Restrukturierungsberatung Falkensteg. Im ersten Halbjahr 2025 stieg die Zahl der Groß-Insolvenzen in Deutschland (Umsatz über 10 Millionen Euro) um 21 Prozent auf 207 Fälle. Im gesamten year 2025 verzeichnete der Autozulieferbereich allein 59 große Insolvenzen.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform bestätigt den Negativtrend. Mit rund 23.900 Firmenpleiten erreichte die Zahl 2025 einen Zehn-Jahres-Höchststand – ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber 2024. Der geschätzte finanzielle Schaden belief sich auf etwa 57 Milliarden Euro. Besonders hart traf es das verarbeitende Gewerbe, zu dem die Zulieferer zählen: Hier stiegen die Insolvenzen um 10,3 Prozent.

Struktureller Wandel als Hauptursache

Experten sehen eine fatale Mischung aus konjunkturellen und strukturellen Gründen. Der Umbau zur Elektromobilität fordert seinen Tribut. Lieferanten für Verbrennungskomponenten müssen hohe Investitionen in neue Technologien stemmen, während die Nachfrage nach klassischen Teilen sinkt und die Margen schrumpfen.

Hinzu kommen verschärfter internationaler Wettbewerb, vor allem aus Asien, hohe Energiekosten und Fachkräftemangel. Auch die Hersteller (OEMs) zeigen sich weniger kompromissbereit. Sie springen seltener als Retter in der Not ein und überlassen Zulieferer der zweiten und dritten Reihe zunehmend der Marktkonsolidierung.

Düstere Prognose für 2026

Besserung ist nicht in Sicht. Falkensteg-Analysten prognostizieren für das laufende Jahr sogar einen leichten Anstieg der Groß-Insolvenzen im Zulieferbereich auf etwa 62 Fälle. Das wäre ein weiteres Plus von fünf Prozent.

Erst 2027 könnte sich die Lage stabilisieren. Bis dahin wird sich der Markt weiter konsolidieren. Langfristig wettbewerbsfähig bleiben werden nur jene Zulieferer, die ihre Produktpalette erfolgreich diversifizieren oder sich eine starke Position in der Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge sichern können. Für traditionelle Automobilstandorte wie Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen bedeutet dies weiterhin die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten und wirtschaftlichem Niedergang.

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