Italienische Paketgebühr löst Logistik-Chaos aus
11.02.2026 - 10:31:12Italiens Vorstoß mit einer nationalen Paketgebühr bringt die europäischen Lieferketten durcheinander. Die EU-weite Abschaffung des 150-Euro-Freibetrags steht bevor.
Rom – Die Europäische Union steht vor einer Zollrevolution. Noch in diesem Jahr soll der 150-Euro-Freibetrag für Importe aus Drittländern fallen. Doch schon jetzt zeigen erste nationale Alleingänge ihre disruptiven Folgen. Italien hat mit einer Vorab-Einführung einer Bearbeitungsgebühr einen logistischen Dominoeffekt ausgelöst, der andere EU-Staaten zum Umdenken zwingt.
Der teure italienische Sonderweg
Seit Anfang des Jahres kassiert Italien eine Gebühr von zwei Euro für jedes Paket aus Nicht-EU-Ländern unter 150 Euro Wert. Die Reaktion des Handels folgte prompt: Die direkten Niedrigpreis-Lieferungen nach Italien brachen in den ersten Wochen um 36 Prozent ein.
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Doch die Warenströme sind nicht verschwunden. Sie wurden lediglich umgeleitet. Logistiker fliegen ihre Fracht nun vermehrt nach Frankfurt, Paris oder Lüttich. Von dort gelangen die Pakete per Lkw oder Bahn nach Italien – und umgehen so die Gebühr. Ökonomen sprechen von einem „Waterbed-Effekt“: Drückt man das Problem an einer Stelle weg, quillt es an anderer Stelle wieder auf.
In Rom ist ein politischer Streit entbrannt. Unternehmensminister Adolfo Urso verteidigt die Maßnahme als Schutz für heimische Hersteller vor unfairem Wettbewerb. Finanzminister Giancarlo Giorgetti räumt hingegen ein, dass Anpassungen nötig sein könnten. Der aktuelle Zustand schade italienischen Flughäfen durch weniger Frachtaufkommen, ohne die erhofften Einnahmen zu bringen.
Niederlande und Österreich zögern
Die Turbulenzen in Italien wirken als abschreckendes Beispiel. Die Niederlande haben eine für den 1. Februar geplante, ähnliche Gebühr vorerst ausgesetzt. Die Regierung fürchtet, sonst selbst Opfer des Waterbed-Effekts zu werden und Paketströme an Nachbarländer wie Belgien oder Deutschland zu verlieren.
Auch Österreich debattiert über eine „Drittland-Paketabgabe“. Der heimische Handelsverband schätzt den jährlichen Steuerausfall durch nicht deklarierte Billig-Importe von Plattformen wie Shein oder Temu auf rund eine Milliarde Euro. Anders als Italien sucht Wien aber nach einem Modell, das sich nahtlos in die kommende EU-weite Regelung einfügt.
Countdown zum 1. Juli: Pauschale von 3 Euro
Diese nationalen Manöver sind nur das Vorspiel. Am 1. Juli 2026 tritt die große EU-Reform in Kraft. Der 150-Euro-Freibetrag fällt endgültig. Ersetzt wird er durch ein Übergangssystem mit einer pauschalen Zollgebühr von 3 Euro für Waren unter 150 Euro.
Die Gebühr ist unabhängig von der Mehrwertsteuer. Entscheidend ist die Anzahl der „Produktarten“ im Paket. Drei gleiche T-Shirts lösen eine Gebühr aus. Enthält das Paket jedoch ein T-Shirt, ein Ladekabel und ein Spielzeug, fallen drei mal 3 Euro an. Dieses vereinfachte System soll bis zur vollständigen Einführung des EU-Zolldaten-Hubs 2028 gelten.
Was bedeutet das für Händler und Verbraucher?
Die letzten Wochen waren ein Weckruf für den E-Commerce. Die blitzschnelle Umleitung der Lieferströme zeigt die extreme Preissensibilität des grenzüberschreitenden Online-Handels. Experten warnen: Wenn die EU-weite Umsetzung am 1. Juli nicht reibungslos verläuft, drohen ähnliche Engpässe.
Die nächsten fünf Monate werden zeigen, wie die Mitgliedsstaaten den Übergang managen. Während Italien mit den Folgen seines Frühstarts kämpft, werden andere Länder wahrscheinlich auf den harmonisierten EU-Rahmen warten, um ihre Logistikstandorte nicht zu benachteiligen.
Die EU-Kommission arbeitet derweil an einer EU-weiten Bearbeitungsgebühr, die möglicherweise ab November 2026 kommt. Sie soll die Kosten angleichen und die aktuellen Umgehungslücken schließen. Bis dahin bleibt Händlern nur eins: die sich ständig ändernden nationalen Regelungen genau im Blick zu behalten.
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