Carl Zeiss Meditec kappt Ausblick wegen trÀger Nachfrage - Kursrutsch
17.06.2024 - 14:05:14(neu: mehr Analystenstimmen, Kursentwicklung)
JENA (dpa-AFX) - Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec DE0005313704 hat wegen einer unerwartet langsamen Erholung des GerĂ€tegeschĂ€fts seine Prognosen gesenkt. Die GeschĂ€fte im April und Mai blieben hinter dem Vorjahr zurĂŒck, wie das im MDax DE0008467416 notierte Unternehmen am Montag in Jena mitteilte. FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr (bis Ende September) rechnet Carl Zeiss deshalb nun mit rund 2 Milliarden Euro Umsatz. Zuvor wurden 2,1 bis 2,15 Milliarden angepeilt. Das operative Ergebnis (Ebit) dĂŒrfte 215 bis 265 Millionen Euro erreichen und damit deutlich unter dem bisherigen Ziel eines vergleichbaren Niveaus zum Vorjahr von gut 348 Millionen liegen. Der Aktienkurs brach ein.
Am frĂŒhen Nachmittag weiteten die Papiere ihre Verluste aus und gaben mehr als 16 Prozent auf 70,60 Euro nach. Damit beschleunigten sie ihre Mitte MĂ€rz eingeleitete Talfahrt und fielen auf den tiefsten Stand seit MĂ€rz 2020 - dem Beginn der Corona-Pandemie. Im laufenden Jahr hat Carl Zeiss schon rund 28 Prozent an Börsenwert verloren. Vom Rekordhoch im September 2021 jenseits der 200 Euro sind die Aktien weit entfernt.
RBC-Analyst Jack Reynolds-Clark bezeichnete die Prognosesenkung als enttĂ€uschend, allerdings hĂ€tten viele Investoren bereits damit gerechnet. Auch aus Sicht von Analyst Graham Doyle von der Schweizer GroĂbank UBS kam die Nachricht nicht ganz unerwartet. Allerdings sei das AusmaĂ der Zielsenkung fĂŒr das operative Ergebnis gröĂer als befĂŒrchtet. Carl Zeiss habe ErklĂ€rungsbedarf, wie die finanziellen Prognosen noch vor wenigen Wochen so weit von den aktuellen Erwartungen abweichen konnten. JPMorgan-Analystin Anchal Verma erwartet nun, dass der Analystenkonsens fĂŒr das operative Ergebnis in diesem Jahr um mehr als 30 Prozent sinken werde. Obendrauf drohten niedrigere SchĂ€tzungen fĂŒr 2025.
Dutch Ophthalmic Research Center (D.O.R.C.) ist in den Prognosen von Carl Zeiss ausgeklammert, die jĂŒngste Ăbernahme soll in der zweiten HĂ€lfte des GeschĂ€ftsjahres weiterhin zusĂ€tzlich 100 Millionen Euro zu den Erlösen beisteuern. Im kommenden GeschĂ€ftsjahr 2024/25 rechnet Carl Zeiss mit erneutem Wachstum. Mut mache die EinfĂŒhrung neuer Produkte in SchlĂŒsselmĂ€rkten. An den Mittelfristzielen hĂ€lt das Unternehmen fest und will demnach mindestens so schnell wachsen wie die zugrundeliegenden MĂ€rkte. AuĂerdem soll die operative Marge nachhaltig ĂŒber 20 Prozent steigen.
Zuletzt litt Carl Zeiss vor allem unter einer schwĂ€cheren Nachfrage im GerĂ€tegeschĂ€ft. Insbesondere in Nordamerika bekam das Unternehmen ein "restriktives Investitionsklima bei wichtigen Kundengruppen" zu spĂŒren. DarĂŒber hinaus sei auch die wichtige Sommersaison fĂŒr refraktive Operationen in China bisher nur langsam angelaufen. Die Bestellungen fĂŒr entsprechende Verbrauchsmaterialien blieben daher hinter den Vorjahreswerten zurĂŒck. ZusĂ€tzlicher Gegenwind kam durch die langsamer als gedacht verlaufende EinfĂŒhrung der neuen staatlichen Vergabesysteme fĂŒr Intraokularlinsen in China.
In den ersten acht Monaten des laufenden GeschĂ€ftsjahrs ging der Umsatz von Carl Zeiss um drei Prozent auf knapp 1,26 Milliarden Euro zurĂŒck. Das operative Ergebnis (Ebit) sackte um 26 Prozent auf 135 Millionen Euro ab. Der MDax-Konzern will die Kosten weiter senken, vor allem in Vertrieb und Marketing sowie Forschung und Entwicklung. Details dazu sollen mit Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 6. August bekannt gegeben werden.

