KI-Revolution, Rechtswesen

KI-Revolution im Rechtswesen beschleunigt sich

28.01.2026 - 04:32:12

Rechtsbranche integriert KI strukturell. Plattformen wie Thomson Reuters CoCounsel und August demokratisieren den Zugang, während Großkanzleien eigene Abteilungen gründen. Die Adoption verdoppelte sich, bleibt aber hinter anderen Sektoren zurück.

Künstliche Intelligenz durchdringt die Anwaltskanzleien weltweit – mit neuen Plattformen und Strategien, die Effizienz dramatisch steigern. Die Branche wechselt von vorsichtigen Tests zur strukturellen Integration der Technologie.

Thomson Reuters und andere Branchenriesen bringen ihre KI-Lösungen jetzt auch in Europa auf den Markt. Gleichzeitig richten globale Großkanzleien wie Eversheds Sutherland eigene KI-Abteilungen ein. Der Druck wächst: Analysen zeigen, dass KI die Zeit für Vertragsprüfungen um 60-80% und für Recherchen um 50-70% senken kann. Für viele Kanzleien wird die Technologie damit zum Wettbewerbsfaktor.

Neue Plattformen demokratisieren den Zugang

Die Woche brachte entscheidende Fortschritte. Am 26. Januar kündigte Thomson Reuters die Einführung seiner „agentischen KI“-Lösung CoCounsel Legal in Großbritannien an. Die Plattform ist speziell für juristische Arbeiten entwickelt und integriert etablierte Ressourcen wie Westlaw Advantage. Sie automatisiert komplexe Recherchen und optimiert Arbeitsabläufe. Nach dem erfolgreichen Start in den USA ist dies ein wichtiger Schritt, KI direkt in die Kernprozesse von Kanzleien einzubetten.

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Parallel zielt die KI‑Plattform August mit einem neuen Selbstbedienungsmodell gezielt auf Solo-Anwälte und kleine bis mittlere Kanzleien. Ab dem 27. Januar bietet sie einen zweiwöchigen kostenlosen Test und eine umfangreiche Videotutorial-Bibliothek namens „August Academy“ an. Dies soll die hohen Kosten und langen Einführungszyklen traditioneller Unternehmenssoftware umgehen – eine bisher oft ausgeschlossene Zielgruppe.

Von der Testphase zur institutionellen Strategie

Die Technologie reift und die Kanzleien reagieren mit formalisierten Strukturen. Die globale Großkanzlei Eversheds Sutherland gab am 26. Januar die Gründung einer „KI-zentrierten“ US-Innovationsabteilung bekannt. Dieses Team bündelt die Kompetenzen in Daten, Analysen und Legal Tech, um die KI-Integration strategisch zu steuern. Fast 40% der Anwälte der Kanzlei in den USA nutzen bereits eine rechtspezifische Generative-KI-Plattform.

Doch die Geschwindigkeit der Adoption variiert stark. Branchendaten zeigen, dass die KI-Nutzung unter Juristen im vergangenen Jahr von 14% (2024) auf 26% (2025) nahezu verdoppelt wurde. Dennoch hinkt das Rechtswesen anderen Sektoren hinterher. Ein Produktivitätsreport für das vierte Quartal 2025 wies für Anwaltskanzleien und Rechtsdienstleister die niedrigste Generative-KI-Adoptionsrate von nur 8,6% aus. Im breiteren Profi- und Business-Services-Sektor lag sie bei über 51%.

Ethische Fallstricke und Compliance-Herausforderungen

Mit der wachsenden Verbreitung von KI im Recht wachsen auch die ethischen Verantwortlichkeiten. Die Branche reagiert auf Vorfälle, bei denen KI-Tools „halluziniert“ und erfundene Gerichtsurteile zitiert haben. Bundesgerichte in den USA verlangen zunehmend die Offenlegung der KI-Nutzung in Schriftsätzen.

Rechtsexperten betonen die Notwendigkeit robuster Governance-Strukturen. Aktuell diskutierte Best Practices umfassen strukturierte Risikobewertungen vor der Einführung, klare Verantwortlichkeiten und die rigorose menschliche Überprüfung aller KI-generierten Arbeiten. Die anwaltliche Pflicht zur Sorgfalt, zur Wahrung der Vertraulichkeit und zur Aufrichtigkeit gegenüber dem Gericht gilt uneingeschränkt auch für den Umgang mit neuer Technologie.

Zwei Wege führen aus dem Adoption-Dilemma

Die Rechtsbranche steckt in einem fundamentalen Zwiespalt. Die Effizienzgewinne durch KI sind zu verlockend, um sie zu ignorieren. Doch die beruflichen Sorgfaltspflichten erfordern einen bedachten Ansatz. Die niedrige Gesamtadoptionsrate spiegelt diese Spannung wider.

Die jüngsten Marktentwicklungen zeigen zwei Wege auf, diese Lücke zu schließen: Enterprise-Lösungen wie CoCounsel von Thomson Reuters bieten große, ressourcenstarke Kanzleien integrierte Power-Tools. Gleichzeitig schaffen Plattformen wie August neue Einstiegspunkte für kleinere Firmen. Der Wettbewerbsvorteil durch KI könnte damit bald einem viel breiteren Marktsegment offenstehen.

Der Trend geht zu tief integrierter, „agentischer“ KI, die mehrstufige Aufgaben mit immer weniger menschlichem Zutun erledigt. Die Frage in Kanzleien wird sich von ob zu wie verschieben: Wie integrieren wir KI sicher, ethisch und effektiv? Der Druck auf kleinere und mittlere Kanzleien wird steigen, diese Tools einzusetzen – sonst riskieren sie, gegen effizientere Konkurrenten zurückzufallen. Die führenden Kanzleien der nahen Zukunft werden jene sein, die technologische Innovation am besten mit professioneller Verantwortung in Einklang bringen.

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