KiK schließt 135 Filialen in Deutschland bis Ende 2026
25.03.2026 - 06:22:32 | boerse-global.deDer Textildiscounter KiK baut sein Filialnetz in Deutschland massiv zurück. Bis Ende des Jahres sollen rund 135 Geschäfte schließen, europaweit sogar etwa 300. Die Maßnahme ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, mit der der Konzern aus Bönen seine Profitabilität steigern will.
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Strategischer Rückzug für mehr Profitabilität
Hinter den Schließungen steht eine klare Erkenntnis: Die frühere Expansionsstrategie war zu aggressiv. „Wir hatten eine zu dichte Expansion“, räumt das Unternehmen ein. Teilweise lagen Filialen weniger als einen Kilometer auseinander, ohne entsprechend mehr Kunden anzulocken. Jetzt will KiK sein Portfolio „für die Profitabilität trimmen“, wie CEO und CFO Christian Kümmel erklärt.
Die Pläne waren bereits angekündigt. Bereits im September 2025 signalisierte KiK eine Überprüfung des Filialnetzes. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass zunächst etwa 50 Filialen schließen sollten, die Hälfte davon in Deutschland. Die nun bestätigten Zahlen zeigen ein deutlich umfangreicheres Konsolidierungsprogramm. Insgesamt soll die Zahl der deutschen Filialen von derzeit etwa 2.335 auf rund 2.200 sinken.
Doch der Konzern zieht sich nicht komplett zurück. Parallel zu den Schließungen plant KiK europaweit die Eröffnung von 75 neuen Geschäften – allerdings gezielt an vielversprechenderen Standorten. Es ist eine Doppelstrategie aus Straffung und gezieltem Wachstum.
Keine Entlassungen geplant
Für die Belegschaft hat die Ankündigung eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Viele Mitarbeiter wissen noch nicht, ob ihr Arbeitsplatz betroffen ist. Eine definitive Liste der zu schließenden Filialen liegt noch nicht vor. Die gute: KiK plant nach eigenen Angaben keine betriebsbedingten Kündigungen.
Der Konzern beschäftigt in Europa rund 32.000 Menschen, davon 19.000 in Deutschland. Betroffene Mitarbeiter sollen in andere, bestehende KiK-Filialen übernommen werden. Der schrittweise Ablauf der Schließungen – einige sind bereits umgesetzt, andere folgen in den kommenden Monaten – soll diesen Übergang erleichtern.
Für viele Kommunen bedeutet der Rückzug dennoch eine Lücke. Wo KiK als etablierter Anbieter verschwindet, fehlt künftig ein wichtiger Anker im lokalen Einzelhandel.
Betriebsbedingte Kündigungen sollen zwar vermieden werden, dennoch fordern solche weitreichenden Standortschließungen faire Bedingungen für alle Betroffenen. Erfahren Sie in dieser Anleitung, wie Betriebsräte einen Interessenausgleich und Sozialplan erfolgreich verhandeln, um die Belegschaft bestmöglich zu schützen. Kostenlosen Leitfaden für Sozialplan-Verhandlungen hier sichern
Unter Druck vom Online-Handel und der Konjunktur
Der radikale Schritt kommt nicht von ungefähr. KiK steht unter massivem Wettbewerbsdruck. Einerseits drängen traditionelle Mitbewerber wie Woolworth, NKD und Action. Andererseits wächst der Konkurrenzdruck durch asiatische Online-Plattformen wie Shein und Temu rasant.
Hinzu kommt eine veränderte Kauflaune der Kunden. „Wir beobachten, dass die Kunden weniger einkaufen“, so CEO Kümmel. Die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit und eine hohe Preissensibilität setzen auch Discounter unter Zugzwang. Sie müssen preiswert bleiben, gleichzeitig aber profitabel wirtschaften.
Das Kerngeschäft von KiK sieht die Führung dennoch als tragfähig an. Rund 60 Prozent des Sortiments sind Textilien, der Rest Non-Food-Artikel wie Haushaltswaren. Die primäre Zielgruppe – Frauen zwischen 30 und 60 Jahren mit Familie – will man weiterhin bedienen, nur effizienter.
Ein Trend, der das gesamte Ladengeschäft erfasst
KiK ist mit seinem Umbau kein Einzelfall. Die Schließungen spiegeln einen branchenweiten Trend wider. Der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert für dieses Jahr einen weiteren Rückgang der Ladenzahl unter die Marke von 300.000. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
Der stationäre Einzelhandel muss seine Präsenz kritisch hinterfragen. KiK versucht, mit der Sicherung der Arbeitsplätze und der fokussierten Neuausrichtung zukunftsfähig zu bleiben. Ob die Straffung den gewünschten Erfolg bringt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für die gesamte Branche wird der Kurs des Discount-Riesen ein aufschlussreicher Fall bleiben.
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