Neuer Drohnenalarm in DĂ€nemark - 'hybrider Angriff'
25.09.2025 - 14:04:42(neu: Dementi aus Russland und Aussagen Pistorius)
KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Die dÀnische Regierung spricht nach erneuten Drohnensichtungen an mehreren FlughÀfen im Land von einem "hybriden Angriff". Alles deute darauf hin, dass ein professioneller Akteur dahinterstecke, sagte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Justizminister Peter Hummelgaard in Kopenhagen. Wer dies sein könne, sei noch unklar.
Es handele sich jedoch um alles andere als einen Zufall, dass die VorfĂ€lle fast simultan geschehen, sagte Lund Poulsen. Vielmehr sehe es nach einer systematischen Operation aus. "Es ist die Rede von etwas, das ich als einen hybriden Angriff mit verschiedenen Typen von Drohnen definiere", sagte er. Es gehe um Taten, die eine Gefahr fĂŒr Sicherheit und Freiheit darstellen könnten. Es bestehe jedoch weiterhin keine direkte militĂ€rische Bedrohung gegen DĂ€nemark, betonte der Verteidigungsminister.
Ob man den Nato-Artikel 4 aktiviere und damit wie zuletzt andere BĂŒndnisstaaten Beratungen der Allianz in Gang setze, dazu habe man noch keine Entscheidung getroffen, sagte Lund Poulsen. Dies sei aber etwas, das man in Betracht ziehe. Russland dementierte in einer Mitteilung der Botschaft an die Zeitung "Jyllands-Posten", etwas mit dem Drohneneinsatz zu tun zu haben.
In Deutschland sprach Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) von einer neuen RealitÀt, "mit der wir umgehen". DrohneneinsÀtze gehörten zur Strategie des russischen PrÀsidenten Wladimir Putins, ohne "dass wir es in dem Fall konkret sagen könnten", sagte Pistorius. "Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im kompletten Frieden. Wir werden attackiert, hybrid, mit Desinformationskampagnen und eben durch Drohneneindringen."
Flughafen Aalborg vorĂŒbergehend gesperrt
Nur zwei Tage nach dem umfassenden Drohnenalarm am Flughafen Kopenhagen wurden am spĂ€ten Mittwochabend bis in die Nacht zum Donnerstag hinein weitere Drohnen ĂŒber einer Reihe von Airports in DĂ€nemark gesichtet. Am Flughafen Aalborg im Norden des Nato-Landes musste vorĂŒbergehend der Luftraum gesperrt werden, woraufhin vereinzelte FlĂŒge gestrichen oder umgeleitet wurden.
Auch in der NĂ€he der Airports in der wichtigen Hafenstadt Esbjerg und in SĂžnderborg nahe der deutschen Grenze wurden Drohnen beobachtet, ebenso am MilitĂ€rflugplatz Skrydstrup. Eine Gefahr fĂŒr Flugpassagiere und Menschen habe aber nicht bestanden, teilten die zustĂ€ndigen Polizeidienststellen mit.
Erst am Montagabend hatte die Sichtung mehrerer gröĂerer Drohnen zur gut vierstĂŒndigen Sperrung des Flughafens von Kopenhagen gefĂŒhrt, der zu den wichtigsten Skandinaviens zĂ€hlt. Rund 100 FlĂŒge wurden gestrichen, Zehntausende Passagiere waren von BeeintrĂ€chtigungen betroffen.
MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen sprach vom "bislang schwersten Anschlag auf dĂ€nische kritische Infrastruktur". Wer dahintersteckte, ist weiter unklar. Frederiksen wollte eine Verantwortung Russlands nicht ausschlieĂen. Der Kreml dementierte eine Verwicklung. Mittlerweile lĂ€uft der Flugbetrieb in Kopenhagen wieder normal.
Drohnenalarm in der Heimat der Regierungschefin
Nun musste auch der Flughafen in Aalborg - der Heimatstadt von Regierungschefin Frederiksen, die als entschiedene UnterstĂŒtzerin der Ukraine gilt - vorĂŒbergehend fĂŒr Starts und Landungen gesperrt werden. Da der Airport deutlich kleiner als der Hauptstadtflughafen ist und die Drohnen erst am spĂ€ten Mittwochabend gesichtet wurden, mussten lediglich vereinzelte FlĂŒge umgeleitet oder gestrichen werden. Nach wenigen Stunden wurde der Luftraum wieder freigegeben.
Gegen 3.00 Uhr in der Nacht erklĂ€rte die Polizei den dortigen Einsatz vor Ort fĂŒr beendet, kĂŒndigte aber intensive Ermittlungen an. Einsatzleiter Jesper BĂžjgaard Madsen erklĂ€rte, es sei nicht gelungen, die Drohnen vom Himmel zu holen. Man gehe jedoch davon aus, dass sie sich nicht mehr in der Gegend befĂ€nden. Am Morgen konnten erste Flieger wieder abheben.
Ăhnliches Muster in Aalborg und Kopenhagen
Die DrohnenaktivitÀt in Aalborg Àhnele derjenigen in Kopenhagen, sagte der Chef der dÀnischen Reichspolizei, Thorkild Fogde, auf einer nÀchtlichen Pressekonferenz. Man sehe ein Àhnliches Muster, die Drohnen seien gut sichtbar und mit eingeschaltetem Licht unterwegs.
Die Polizei vor Ort sprach von mehreren Drohnen einer gewissen GröĂe - die Reichspolizei schloss bereits aus, dass es sich um private Modelle handelte. Bei dem Vorfall in Kopenhagen ist von Polizeiseite bislang von einem "fĂ€higen Akteur" die Rede, also von TĂ€tern, die die nötigen FĂ€higkeiten und Werkzeuge haben, um ein solches Manöver zu bewerkstelligen - entweder, um dadurch Unruhe zu stiften oder möglicherweise auch bloĂ, um auszutesten, wie lange ihre Drohnen in der Luft unbeobachtet bleiben.
Weitere Sichtungen in WestdÀnemark
Die ersten Drohnen waren in Aalborg gegen 21.44 Uhr beobachtet worden, fast zeitgleich folgten Ă€hnliche Sichtungen in Esbjerg, SĂžnderborg und Skrydstrup. Alle diese Orte befinden sich wie Aalborg in JĂŒtland, dem westlichen Teil von DĂ€nemark, der im SĂŒden an Deutschland grenzt. Auch hier waren die Flugkörper nach Polizeiangaben mit angeschaltetem Licht unterwegs und vom Boden aus sichtbar. Anders als Aalborg mussten die FlughĂ€fen nicht gesperrt werden - bis in die Morgenstunden waren von dort keine FlĂŒge geplant gewesen.
Unklare Lage in Billund
Als wĂ€re das nicht genug, wurde auch der Flughafen der Kleinstadt Billund in der Nacht kurzfristig fĂŒr eine knappe Stunde gesperrt. Die HintergrĂŒnde sind noch unklar - Berichte ĂŒber mögliche DrohnenaktivitĂ€t blieben zunĂ€chst unbestĂ€tigt. Die Stadt ist vor allem als Heimat des dĂ€nischen Spielwarenkonzerns Lego bekannt.

